Russlands angebliche Angst vor der NATO

Wladimir Putin behauptet, Russland habe angeblich Angst vor der NATO, während er selbst mit bis zu 100.000 Soldaten an der Grenze der Ukraine steht, die er schon zweimal militärisch überfallen hat, einmal durch die rechtswidrige Krim-Annexion, das andere Mal durch den hybriden russischen Angriffskrieg im Osten der Ukraine, der schon mindestens 13.000 Menschenleben gefordert hat.

Putin behauptet also, Russland, welches andere Länder militärisch überfällt und massiv aufrüstet, habe angeblich Angst vor einem defensiven Verteidigungsbündnis, der NATO. Auf diese Idee muss man erstmal kommen.

Immerhin bewirken seine militärischen Eskapaden, dass die NATO sich gerade wieder neu erfindet, dass sie also merkt, sie ist weiterhin nötig, um die westliche Welt vor russischen Aggressionen zu schützen. Bis zu Putins militärischen Übergriffen hatte man im Westen nämlich immer mehr die Überzeugung gewonnen, die NATO brauche es doch gar nicht mehr. Putin hat also genau das Gegenteil erreicht von dem, was er eigentlich erreichen wollte.

In Wahrheit und hinter den Kulissen dürfte es Putin wohl nicht darum gehen, dass er tatsächlich Angst vor der NATO hat, weil eine solche Angst völlig unbegründet und aus der Luft gegriffen ist. Das Verteidigungsbündnis der NATO, das sich aus unzähligen Ländern zusammensetzt, könnte wohl kaum, selbst wenn es so wollte, die nötigen Kräfte mobilisieren, um die defensive Rolle zu verlassen und offensiv beispielsweise gegen Russland vorzugehen. Zu viele unterschiedliche Interessen innerhalb der NATO, um plötzlich den defensiven Charakter des Bündnisses neu zu definieren. Völlig ausgeschlossen.

Putin dürfte es vielmehr um ein Bündel an eigenen Interessen gehen. Einerseits wird er durch seine militärischen Drohgebärden medial emporgehoben und kann nun mit einer tatsächlichen Supermacht, den USA, verhandeln, während Russland, wirtschaftlich gesehen, sicherlich keine Supermacht mehr ist, wo sein Bruttosozialprodukt in etwa dem von Italien entspricht. Zum anderen kann Putin in seinem eigenen Land das Narrativ weiterspinnen, dass der Westen angeblich aggressiv sei und er, der vermeintlich starke und große Anführer, nötig sei, um Russland zu beschützen. Und des weiteren, das ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, folgt er womöglich nach wie vor ideologischen Grundsätzen und würde gerne tatsächlich die UdSSR wiederherstellen, wozu es dann auch passen würde, die Ukraine zwangsweise und militärisch komplett an Russland zu annektieren.

Zudem dürften auch noch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen, beispielsweise der Wunsch Russlands, an westliche Devisen zu kommen, z.b. über die Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2, die er möglicherweise durch diese militärische Drohkulisse erzwingen will. Wenn der Euro nämlich rollt, bleibt auch das System Putin stabil, so könnte das russische Kalkül lauten.

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