Der Bahnstreik in Deutschland. Eine ethische Bewertung

In Deutschland werden derzeit viele Zugverbindungen bestreikt. Die Gewerkschaft möchte für die Beschäftigten höhere Lohnzahlungen erreichen.

Das ist prinzipiell ein legitimes Unterfangen und es ist prinzipiell auch verständlich, dass die Beschäftigten der Bahn mehr Geld wollen. Sie wollen also an den Gewinnen der Bahn beteiligt werden.

Hier beginnt aber das Problem. Seit etwa eineinhalb Jahren herrscht Pandemie und die Bahn dürfte ziemlich hohe Verluste eingefahren haben. Die Gewinne dürften sich, falls überhaupt vorhanden, doch in sehr Grenzen halten.

Es sollen also diejenigen Menschen mehr Geld bekommen, die ihren Arbeitsplatz während der Pandemie nicht verloren haben, denn die Gewerkschaft GDL streikt ja für die Beschäftigten, nicht für die Arbeitslosen.

Nun ist die Bahn in Deutschland nicht uneingeschränkt attraktiv. Verspätungen, hohe Preise und dann noch die Pandemie, in welcher viele Leute einfach nicht mehr Bahn fahren wollten und wollen, um sich und ihre Gesundheit zu schützen, sondern stattdessen entweder auf das Fahrrad im Nahverkehr umgestiegen sind, oder im Fernverkehr auf das eigene Auto.

Die Gewinne der Bahn dürften also gering ausfallen, die Beschäftigten wollen aber mehr Geld, obwohl die Bahn nach der Pandemie wohl finanziell nicht allzu gut dastehen dürfte. Wenn nun im Folge von Streiks noch Züge ausfallen, dürfte das die Attraktivität der Bahn nicht unbedingt fördern.

Insofern kann man schon streiken, aber man sollte einen günstigen Zeitpunkt wählen. Günstig ist er derzeit offensichtlich nicht.

Irgendwo auf Facebook las ich den Gedanken, dass in irgendwelchen anderen Ländern offensichtlich so gestreikt wird, dass Busfahrer weiterhin fahren, aber einfach nicht die Fahrkarten kontrollieren. Sie streiken also nur in Bezug auf einen Teil ihrer Tätigkeit, auf das Kontrollieren der Tickets nämlich. Die Busse in solchen Ländern fahren also hohe Verluste ein, weil Kunden theoretisch folgenlos auch schwarzfahren könnten. In diesem Fall schwindet die Attraktivität der Busse nicht, weil sie nicht ausfallen und die Kunden weiterhin fahren können, aber die jeweilige Busgesellschaft gerät unter Druck, auf Angebote der Gewerkschaft einzugehen.

Wenn man schon streikt, vielleicht wäre das eine Idee auch bei der Bahn? Ob das deutsche Streikrecht derartiges allerdings hergibt, müsste man einen Juristen fragen.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Der Bahnstreik in Deutschland. Eine ethische Bewertung“

  1. […] Arbeitsbedingungen fordern, sind Ausdrücke legitimer Sorgen. Jedoch müssen wir fragen: Ist es ethisch und rechtsstaatlich vertretbar, dass diese Proteste zu einer massiven Störung des öffentlichen […]

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