Einseitigkeiten bei der Verwendung gendergerechter Sprache

Gendergerechte Sprache macht Sinn, weil Wirklichkeit über die Sprache konstruiert wird. Wenn beispielsweise mit dem Gendersternchen sprachlich darauf hingewiesen wird, dass gewisse Berufsgruppen nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen besetzt werden können, kann dies tatsächlich die gesellschaftliche Wirklichkeit verändern. Denn alle Veränderung beginnt zunächst in Gedanken.

Menschen, die zu Gruppen gehören, die bisher tendenziell benachteiligt waren, oft dürften das Frauen sein, sehen das Gendersternchen dementsprechend positiv, Kritik hört man hauptsächlich von älteren Männern, die an den patriarchalen Sprachstrukturen, die ihnen nützen, gerne festhalten würden, weil diese Strukturen natürlich auch gesellschaftliche Strukturen abbilden und verfestigen.

Gendergerechte Sprache macht also Sinn und dürfte tatsächlich zu mehr Gleichberechtigung der Geschlechter führen.

Allerdings wird bisher meistens nur positiv gegendert, was etwas einseitig ist:

Polizist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen.

Wollte man irgendwann einmal bei einer tatsächlichen Gleichberechtigung der Geschlechter angelangt sein, müsste man korrekterweise auch negativ gendern, um deutlich zu machen, dass gewisse gesellschaftliche Rollen ebenso von beiden Geschlechtern eingenommen werden können:

Terrorist*innen, Verbrecher*innen, Steuerhinterzieher*innen.

Auch, wenn die aktuell hauptsächlich positive Ausrichtung gendergerechter Sprache verständlich und nachvollziehbar ist, müsste sie zumindest irgendwann in ferner Zukunft in beide Richtungen korrekt sein, positiv wie auch negativ.

4 Gedanken zu “Einseitigkeiten bei der Verwendung gendergerechter Sprache

  1. „Menschen, die zu Gruppen gehören, die bisher tendenziell benachteiligt waren, oft dürften das Frauen sein, sehen das Gendersternchen dementsprechend positiv“ – hier muss ich verneinen. Ich finde das Gendersternchen ganz furchtbar. Und ich bin eine Frau. Ich habe ein Land und eine Zeit erlebt, in der sowas nicht nötig war, weil die patriarachische Denkweise in den Köpfen weitgehend verschwunden war. Frauen standen ihren Mann, auch wenn das heute komisch klingt.
    WENN man schon betonen möchte, dass auch Frauen einen Beruf ausüben können, dann bitte nicht mit einem Bequemlichkeits-Alibi-Sternchen. Männer und Frauen, Frauen und Männer. Dementsprechend bitte auch Polizisten und Polizistinnen oder Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher.
    Der Sinn des Sternchens sollte allerdings noch etwas ganz anderem dienen. Es gibt Menschen, die sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen. Diese sollten durch das Sternchen einbezogen werden. Aber auch das ist in den Köpfen nicht angekommen.
    Fazit: Nicht durch die Vergewaltigung der geschriebenen Sprache (denn Wörter mit Sternchen lassen sich nicht oder nur schlecht sprechen) wird man das Denken verändern, sondern durch Handeln.
    Viele Grüße und noch einen schönen Nachmittag und Abend wünscht
    die Hoffende

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    1. Ja, stimmt, wobei ich vor einiger Zeit in der ZEIT gelesen hatte, dass diejenigen Menschen in Deutschland, die tatsächlich ein drittes Geschlecht haben, also nicht nur das gefühlte Geschlecht, nur ein paar hundert Menschen sind.

      Und ja, natürlich sollte man so handeln, dass sich alle irgendwie gleichberechtigt fühlen. Aber dafür ist das Gendersternchen, auch, wenn man es schlecht sprechen kann, vielleicht doch wieder eine sinnvolle Gedächtnisstütze.

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