Annalena Baerbock als Moses. Antisemitismus?

Eine Initiative mit dem Namen „Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), die von Arbeitgeberverbänden finanziert wurde, hat mit einer Anzeigenkampagne gegen Annalena Baerbock polemisiert. Eine dieser Anzeigen wird nun als antisemitisch gedeutet.

Dargestellt auf der besagten Anzeige ist die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in einem alt aussehenden Mantel, die offensichtlich Moses darstellen soll, und die in beiden Armen Gesetzestafeln hält, auf denen 9 Gesetze sichtbar sind. Eigentlich handelt es sich in der Darstellung nicht um Gesetze (Gebote und Verbote), wie bei Moses, sondern ausschließlich um Verbote. Der Tenor der Anzeige ist, dass man, wenn man die Grünen und Annalena Baerbock wähle, gewissermaßen eine Verbotspartei wähle – und ob man das denn wirklich wolle.

Moses jedoch ist die zentrale Figur im Judentum, welche das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei heraus führt und dem Volk nach einer Gottesbegegnung zeitlose Gebote gibt, denen es folgen solle. Insofern hat Moses natürlich seinen Hauptsitz im Judentum und ein politisches Zitat dieser Mosesfigur ist natürlich dazu angetan, Bezüge zum Judentum gedanklich herzustellen.

Allerdings bezieht sich auch Jesus auf Moses und die von diesem gestiftete Tora, jedoch in der Art und Weise, dass Jesus die Tora nicht delegitimiert, sondern auf neue Weise auslegt, weil laut der Lesart Jesu die Gottesherrschaft und das Reich Gottes mit Jesus bereits schrittweise im Hier und Jetzt beginnt. Nun ist Jesus selber Jude und nicht etwa Christ, was nicht jeder weiß. Deswegen wäre vielleicht mancher geneigt, Jesus bereits hier einen gewissen Antisemitismus zu unterstellen, was jedoch eine Fehlannahme wäre, weil es sich bei Jesu Aussagen um eine innerjüdische theologische Diskussion handelt.

Wenn nun heutzutage die Mosesfigur verwendet wird, spielen natürlich beide Vorstellungen eine Rolle, die Vorstellung, die man von Moses hat, und die Vorstellung, die man von Jesus hat. Allerdings ist Deutschland auch ein Land, das immer stärker säkularisiert ist. Insofern mag es zwar sein, dass in besagter Anzeige tatsächlich latent antisemitische Stereotype bedient werden, allerdings dürften diese für viele Menschen nicht erkennbar sein. Viele Menschen in Deutschland kennen Moses nämlich vornehmlich, sofern sie ihn überhaupt noch kennen, aus dem Christentum.

Nun wirkt der politische Versuch, in dieser Art und Weise gegen die Grünen zu polemisieren, natürlich dreist, plump und unbeholfen. Und ja, zurecht kann man hier auch Antisemitismus vermuten und womöglich sogar nachweisen. Aber vordergründig dürfte es vermutlich weniger der Antisemitismus sein, der die INSM da geritten hat, als vielmehr ihr verzweifelter Versuch, die Grünen irgendwie zu diskreditieren, koste es was es wolle. Und es scheint nun viel zu kosten.

Denn nun zückt die Gegenseite die in Deutschland schärfste Waffe, den Vorwurf des Antisemitismus, um zurück zu schießen. Damit hat die INSM nicht gerechnet. Wie man in den Wald hineinruft… Es ist Wahlkampf.

Lesen Sie hier eine genauere Darlegung zu dem Thema.

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