Welt-Frauen*innen-Tag

Der sprachliche Scherz aus der Überschrift ist nicht despektierlich gemeint von meiner Seite aus, sondern soll die Entwicklungen in unserer Gesellschaft ein wenig wiederspiegeln und auch karikieren.

In Deutschland versucht man, durch gendergerechte Sprache mehr Sensibilität und Toleranz für gendergerechte Rollen zu wecken. Manche lehnen gendergerechte Sprache komplett ab, teilweise sogar fast militant, manche benutzen sie ab und an und manche überziehen, bewusst oder unbewusst, wie in der Überschrift.

Der Grundgedanke bei der gendergerechten Sprache ist der, dass Sprache unser Bewusstsein prägt und somit dann auch unsere Handlungen und Einstellungen. Sprache kann vielleicht ein neues Bewusstsein dafür schaffen, dass gewisse Repressionen in der Gesellschaft stattfinden, zumindest gedanklich, in zweiter Linie dann aber auch real, die so aber nicht stattfinden sollten.

Manche Menschen fürchten, dass durch die Verwendung gendergerechter Sprache letztlich neuerdings einseitig die weibliche Rolle betont werde und die männliche verschwinde: liebe Zuhörer*innen.

Gefühlt klingt es nämlich so wie: liebe Zuhörerinnen.

Es sei denn, der Sprechende legt tatsächlich eine Pause beim Sprechen dort ein, wo das Sternchen steht. Aber diese Kunst muss der ein oder anderen noch erlernen. Oder die ein oder andere.

Heute am Weltfrauentag kann man auch darüber reflektieren, dass es beispielsweise in Deutschland, wahrscheinlich aber weltweit, die gender-pay-gap gibt, was bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen, als Männer. Noch etwas anderes ist aber auch nicht unwesentlich. Frauen kümmern sich offensichtlich im Durchschnitt mehr um allerlei Dinge im Haushalt, um die Kinder, und den Einkauf, um die Erziehung. Sie haben dadurch insgesamt weniger Zeit zur Verfügung, was natürlich bedeutet, dass sie auch weniger Zeit haben, um sich beruflich einzubringen. Die gender-time-gap.

Das, was gerade mit gendergerechter Sprache begonnen hat, hat jenseits der Sprache schon lange begonnen, nämlich der Versuch und die Bestrebung, die Rechte der Frauen zu stärken und sie den Rechten der Männer gleichzustellen, obwohl natürlich im deutschen Grundgesetz ohnehin kein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht wird, sondern beide Gruppen die selben Rechte haben oder zumindest haben sollten. Und diverse Personen natürlich ebenso.

Vermutlich ist es aber aktuell tatsächlich noch nötig, beispielsweise über gendergerechte Sprache verstärkt darauf hinzuweisen, dass hier gesellschaftlich einige Dinge noch nicht ganz rund laufen, dass Frauen immer noch benachteiligt sind. Aber als Fernziel wäre es wahrscheinlich gut, wenn man irgendwann einmal nicht mehr sagen müsste: „Mann, Frau, Divers“ , sondern wenn man einfach sagen könnte: „Mensch“.

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