Das Jüngste Gericht, moderne Vorstellung

Wenn man nach christlicher Vorstellung nach dem Tod irgendwann in Gottes Liebe und Ewigkeit leben und existieren darf und aus einem ganz neuen Blickwinkel und mit einem ganz neuen Grad an Erkenntnisfähigkeit, geborgen in Gottes Liebe, auf das eigene Leben zurückschauen kann und darf und muss und in dem eigenen gelebten Leben alle diejenigen Stellen erkennt, in denen man sich anderen Menschen und sich selbst gegenüber nicht korrekt verhalten hat, indem man anderen Menschen und sich selbst Dinge angetan hat, die man nach Gottes willen nicht hätte tun dürfen, dann könnte dies schon das sogenannte Jüngste Gericht sein, also die Auseinandersetzung mit all denjenigen Dingen, die man nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen kann, wenn man Gott als gerecht annehmen will.

Dennoch ist man bei dieser Rückschau, die man möglicherweise auch in der Unendlichkeit und Ewigkeit Gottes niemals ganz los wird, zumindest dann nicht, wenn man davon ausgehen möchte, dass man eine Erinnerung an das irdische Leben und die eigene Biografie behält, dennoch in Gottes Liebe geborgen und aufgehoben. Der schlimmste Mörder und Attentäter und Diktator und Vergewaltiger würde einerseits erkennen, schmerzvoll und schmerzhaft und voller Entsetzen im Rückblick, was er anderen Menschen oder sich selbst angetan hat. Zugleich wäre er geborgen in Gottes Liebe. Man könnte es sich so vorstellen, wie ein Kind, das etwas Übles angestellt hat und dann zu seiner Mutter läuft, welche das Kind schimpft, aber dennoch tröstet und annimmt. Vergessen ist nichts, aber es ist vergeben. Was gewesen ist, bleibt in der Erinnerung bestehen und wird für ewig bleiben, aber etwas Neues hat begonnen, eine neue Existenz in Gottes Liebe. Beides zusammen.


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