Wen soll man lieben und wen hassen?

Viele Menschen antworten auf die Frage mit dem „do ut des“ Prinzip: wie du mir, so ich dir.

Sie lieben diejenigen, die sie auch lieben, und hassen diejenigen, die sie auch hassen.

Aus christlicher Sicht beantwortet man die Frage aus der Überschrift etwas anders:

Liebe Gott von ganzem Herzen und mit deinem ganzen Willen.

Wenn man diesen gütigen, liebevollen und barmherzigen Gott, wie er von Jesus uns Menschen vorgestellt wurde, versucht, auf diese Art und Weise zu lieben, wird man auch versuchen, seine Sicht umzusetzen. Zu dieser Sichtweise gehört, dass jeder Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde.

Wenn man dies innerlich bejaht, geht es weiter:

Liebe deine Mitmenschen. Denn sie sind Ebenbilder Gottes. In ihnen begegnest du einem Fünkchen Gottes.

Liebe aus demselben Grund auch deine Feinde. Und, positiver möglicher Nebeneffekt: indem du versuchst, sie zu lieben, versuchst du auch, ihre Beweggründe zu verstehen, so dass sie irgendwann vielleicht nicht mehr deine Feinde sind.

Last but not least, was manchmal im christlichen Bereich vergessen wird:

Nimm Dich selbst an und liebe dich selbst, denn auch du bist zum Ebenbild Gottes geschaffen. Du kannst deine Mitmenschen und Feinde nur lieben, wenn du dich selbst angenommen hast. Annehmen kannst du dich, weil Gott dich genauso gewollt hat, wie du auf die Welt gekommen bist. Gott liebt dich, Gott will dich, Gott hat ja zu dir gesagt, als er dir dein Leben schenkte, du bist wichtig für Gott. Du bist ihm sogar sehr wichtig.

Übrigens, indem man es seinen Mitmenschen, sich selbst und sogar seinen Feinden prinzipiell gut meint oder dies zumindest versucht, entlastet man auch sich selbst, weil man einen Groll, den man gegen andere Menschen hegt, nicht mehr mit sich herum schleppen muss. Das Positive, das man in dieser Hinsicht anderen Menschen entgegenbringt, hat auch positive Auswirkungen für einen selbst.

2 Gedanken zu “Wen soll man lieben und wen hassen?

  1. Ich finde den Gedanken besonders wichtig, dass unsere Liebe zur Mitkreatur (das sind nicht nur Menschen) durch die Liebe Gottes zu uns allererst erweckt wird.

    Ich stelle mir das immer so vor: Wenn ich mich von Gott unwiderruflich geliebt weiß, und das heißt: Wenn ich weiß, dass Gott mich liebevoll und fürsorglich durch mein Leben begleitet, also für mich sorgt und mir letztlich alles gibt, was ich brauche – erst dann kann ich mich selbst zurücknehmen, muss ich nicht mehr um das, was ich zu brauchen meine, kämpfen und mich auf Kosten der Mitkreatur durchsetzen. Davon werde ich frei, und so bin ich frei für die Mitkreatur, nämlich ihre Interessen überhaupt erst wahrzunehmen und in meinem Handeln zu berücksichtigen.

    Das ist psychologisch gedacht (was ja unter Christe*innen manchmal verpönt ist), aber ist es deshalb falsch?

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  2. Sehr sinnvolle Gedanken, vielen Dank. Wird in der christlichen Ethik auch gerne als der Indikativ und Imperativ bezeichnet.
    Der Indikativ ist, dass Gott uns Menschen annimmt, völlig ohne Verdienst von uns Menschen.
    Imperativ heißt, dass wir aus Dankbarkeit darauf reagieren sollen und dürfen und so mit anderen Menschen und Geschöpfen dementsprechend liebevoll umgehen sollen.

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