
Als der evangelikale Prediger Werner Heukelbach in den 1960er Jahren durchs Ruhrgebiet tourte und überall den Slogan „An Jesus kommt keiner vorbei!“ plakatieren ließ, setzten Fußball-Fans darunter: „Außer Stan Libuda!“.
Reinhard „Stan“ Libuda. Den Beinamen „Stan“ erhielt er wegen seiner Position auf dem Spielfeld und wegen seiner Dribbelstärke in Anspielung auf den großen englischen Rechtsaußen Stanley Matthews. Libudas Kennzeichnen war aber eigentlich ein anderes: Mit dem Ball war er Weltklasse, ohne Ball hingegen stand er im Abseits.
Der begnadete Rechtaußen hat mit seiner Dribbelkunst das Ruhrgebiet in Gänze hinter sich gebracht. Libuda zählt nämlich zu den wenigen Spielern, die sowohl für den FC Schalke 04 als auch für Borussia Dortmund aktiv waren. Die längste Zeit spielte er für die Königsblauen, den größten Erfolg jedoch konnte Libuda mit dem BVB feiern: den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger im Jahr 1966. Im Endspiel gegen den FC Liverpool erzielt Libuda das unvergessene Siegtor. Für Deutschland spielte Libuda u.a. bei der Weltmeisterschaft 1970. Auch im „Jahrhundertspiel“, dem Halbfinale gegen Italien (3:4 n.V.), kam er zum Einsatz.
Trotz seiner enormen Popularität hatte Libuda nach seiner 1976 beendeten Profikarriere kein leichtes Leben. Er schlug sich mit Aushilfsjobs durch, erkrankte Anfang der 1990er Jahre an Kehlkopfkrebs und starb am 25. August 1996 an einem Schlaganfall – vor 30 Jahren. Reinhard Libuda wurde nur 52 Jahre alt.
„Keiner kommt an Gott vorbei – außer Stan Libuda“ ist auf Schalke ein geflügeltes Wort. Das Musical zum 100. Geburtstag des Kult-Vereins, bei dem auch Papst Johannes Paul II. Mitglied war, heißt in Erinnerung an Libuda „nullvier – Keiner kommt an Gott vorbei“. Reinhard Libuda wäre der Rummel um seine Person wohl sehr suspekt. Er war ein ganz Ruhiger. Wer heute im Netz nach flotten Sprüchen von ihm sucht, findet nicht viel. Vor allem ist er einer, der zu oft gefallen ist, nicht auf dem Platz, sondern im Leben.
Als Christen glauben wir: Selbst das schlimmste Schicksal lässt Niemanden tiefer fallen als in die Hand Gottes, und jeder Lebenskampf endet in der Geborgenheit des Barmherzigen; das hebräische Wort für Barmherzigkeit hat den gleichen Wortstamm wie Mutterschoß. So darf man es sich dann wohl vorstellen: Das Leben endet dort, wo es begann – in Gott. Dort ist jeder zu verweilen willkommen. Jeder – auch Stan Libuda.
Josef Bordat



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