Xavier Naidoo, was nu?

Von mir völlig unbemerkt hat sich offenbar der Soulsänger Xavier Naidoo in eine äußerst seltsame Richtung entwickelt, man könnte auch sagen: radikalisiert.

Von mir unbemerkt deswegen, weil ich natürlich, wie die meisten Leute hierzulande auch, fast völlig ausgelastet war mit den neuesten Nachrichten zum Coronavirus. Zum anderen auch deswegen unbemerkt, weil ich praktisch nichts mit diesem Sänger zu tun habe und eigentlich nur sein eines Lied kenne, das ich unten mal verlinken werde.

Nun habe ich nicht alle Artikel über ihn gelesen, höchstens ansatzweise, weil mich das Thema auch nicht so sehr interessiert. Aber es scheint so zu sein, dass ihm rassistische Tendenzen und Liebäugeln mit antisemitischem und neonazistischem Gedankengut nachgesagt werden, zudem aber auch sehr obskure verschwörungstheoretische Ansätze.

In dieser Hinsicht muss man wohl sagen, dass er ein Beispiel dafür sein kann, wie leicht man sich von gewissen Ideologien und Vorstellungen ergreifen und radikalisieren lassen kann, wenn man sie im Vorfeld nicht rechtzeitig als solche erkennt. Hier mal ein YouTube-Video von Verschwörungstheoretikern gesehen, dort ein rassistisches oder antisemitisches Video oder einen Text gelesen oder ein Buch, und schon findet man sich möglicherweise in einem völlig anderen Weltbild wieder, in das man nach und nach aufgesaugt wird und das man dann für real hält.

Was kann man dagegen tun?

Eigentlich nur eines. Man sollte seriöse Zeitungen abonnieren, oder zumindest eine seriöse Zeitung, um noch einen Kompass dafür zu haben, was aufgrund von gewissenhafter Recherche in einem Höchstmaß die Wirklichkeit widerspiegelt. Denn nein, nicht jeder Youtuber hat Recht, nur weil er irgendetwas auf YouTube eingestellt hat. Und auch nicht alles, was im Internet steht, ist seriös – ganz im Gegenteil.

Mitbekommen von dieser neuen und unseligen Ausrichtung von Xavier Naidoo habe ich, als auf Facebook zwei Kontakte ihre alten Xavier Naidoo CDs mit gewissen Sprüchen beschmierten und überlegten, wie sie diese CDs am besten loswerden könnten.

Nun ist es natürlich ganz klar, dass man jedem Rassismus und Antisemitismus entschieden den Kampf ansagen muss und auch Verschwörungstheorien ebenfalls in ihrer Ecke belassen sollte.

Was aber macht man mit den Songs von Künstlern, wenn irgendwann die Künstler ideologisch in eine seltsame oder gefährliche Ecke abgedreht sind? Die Frage stellt sich ja auch schon bei den Songs von Michael Jackson, welchem immer wieder pädophile Machenschaften nachgesagt wurden.

Ich denke, zumindest diesen einen Song von Xavier Naidoo, „dieser Weg wird kein leichter sein“ , sollte man doch trennen können von der aktuellen Entwicklung der Person, zumal er inhaltlich auch unproblematisch zu sein scheint (ohne, dass ich nun den kompletten Text kenne, aber mir fiel dort früher, wenn er mal im Radio lief, nichts auf). Denn der Song als Kunstwerk hat nach wie vor durchaus etwas Künstlerisches. Allerdings schwingt in ihm auch eine Botschaft mit, die Xavier Naidoo mit seiner seltsamen Neuausrichtung nun wohl am eigenen Leib erfahren dürfte: „dieser Irrweg wird kein leichter sein.“ Vielleicht findet Xavier den Weg ja irgendwann wieder zurück auf seriösen Boden, wünschen wir es ihm, aber: auch dieser Weg wird kein leichter sein. Denn ein Weltbild, das man verinnerlicht hat, als falsch und problematisch zu erkennen, ist schwer. Für viele Menschen zu schwer. Es erfordert ein hohes Maß an Selbstreflexion.

So, wie ich den Song verstanden hatte früher, ging es dort verklausuliert eigentlich um die Nachfolge Jesu. Wäre Xavier ihm nachgefolgt, so vermute ich, wäre er immun gewesen gegen rassistische, antisemitische und verschwörungstheoretische Verlockungen. Aber, auch hier muss man zugeben, dass dies kein Selbstläufer wäre: denn unter dem Deckmantel „Christentum“ und „Nachfolge Jesu“ findet man auch nicht immer das, was man erwartet, sondern manchmal ebenfalls selbsternannte Prediger, die den christlichen Glauben nur als Vehikel benutzen, um ihr eigenes krudes Weltbild zu transportieren.

Aber dennoch, vom Kern her ist der Gedanke schon richtig: Würde man Jesus, wie er sich in den Evangelien zeigt, und nicht, wie er von manchen vielleicht falsch dargestellt wird, folgen, sollte man immun gegen derlei Irrwege sein. Weshalb ?

Weil sehr zentrale ethische Aussagen Jesu die folgenden sind: Liebe Gott von ganzem Herzen, und wenn Du dies tust, wirst Du natürlich auch Gottes Geschöpfe, besonders die Menschen, die als Ebenbild Gottes gedacht sind, in besonderer Weise respektieren und lieben. Du wirst dann also ja sagen zur Nächstenliebe und Feindesliebe – und für Antisemitismus, Rassismus und Ähnliches ist in diesem christlichen Weltbild dann kein Platz mehr.

Ein originär christlicher Gedanke zum Schluss. Der christliche verstandene Gott ist einer, der weiß, dass Menschen in die Irre geraten können, man denke an die Geschichte vom verlorenen Schaf oder vom verlorenen Sohn. Gott ist demnach einer, der den Menschen nicht aufgibt, sondern sich freut, wenn er wieder auf einen guten Lebensweg zurückfindet.

9 Gedanken zu “Xavier Naidoo, was nu?

  1. Es gibt aber auch keinen Platz dafür , andere Menschen für ihre Auffassung und Sichtweise zu verurteilen und an den Pranger zu stellen. Und schon garnicht, wenn man nicht mit dieser Person gesprochen hat. Man kann auch nicht darüber entscheiden wie ein Mensch zu sein hat, denn kein anderer ist jemals in des anderen Schuhe gelaufen und dessen Wege gegangen. Statt Unverständnis und Unmut freien Lauf zu lassen könnte man auch einfach mal Verständnis und Liebe den Menschen entgegen bringen. Einfach so, ohne wenn und aber. Jeder Mensch ist gleich viel Wert. Und wenn einer richten soll, dann könnte man das ja auch Gott überlassen, denn das ist keineswegs unsere Aufgabe. Behandelt die Menschen so, wie auch ihr behandelt werden wollt. Andere Menschen einfach so anzunehmen wie sie sind…ja, dieser Weg dürfte für einige kein leichter sein.

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  2. Finde diese Trennung Künstler-Werk auch immer wieder schwierig. Ich lese Ezra Pound und Handke, aber Xavier Naidooo geht für mich im Moment nicht. Obwohl ich seine Musik früher mochte. Ich finde es ist dem Schreibenden hier sehr gut gelungen, nicht zu beurteilen oder zu werten.

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  3. Danke für den Beitrag.

    @ „diesen einen Song … sollte man doch trennen können von der aktuellen Entwicklung der Person“

    Kann man nicht.

    Es geht wesentlich um die Energie eines Menschen, um seine Aura, nicht bloß um seit Tun und Sagen. Ich selbst habe noch nie absichtlich einen Song von ihm gehört oder eine Sendung mit ihm gesehen.

    Unbegründbar. Einfach kein gutes Gefühl dazu.

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  4. Phanessa: „Jeder Mensch ist gleich viel Wert.“

    Hier sind wir zu 100% einig.

    Dennoch gehe ich der einen oder anderen Göttlichkeit gerne mal aus dem Weg. Und es will auch nicht jeder mit mir einen Kaffee trinken.

    Heiterkeit auf dem Weg
    wünscht Nirmalo

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  5. „Es geht wesentlich um die Energie eines Menschen, um seine Aura“ das stimmt, dann ist dir aber doch sicherlich auch bewusst das die Energie sich aufgrund negativer äußerer Umstände verändern und im schlimmsten Fall manifestieren kann. Also sollte man selbst so gut es geht positive Energie in alle Richtungen ausstrahlen. Aber gut , dass ist ein anderes Thema. Diese Meinung kann ich wenigstens verstehen weil du jetzt außerhalb der Masse klar erklären kannst , warum deine Meinung so ist. Deine Meinung kommt jetzt nicht aus Informationsquellen sondern aus dir und aus deinem Gefühl heraus und das sind wahre Worte, gegen wahre Worte hab ich auch nichts… ganz im Gegenteil. Dir auch einen guten Weg

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  6. Phanessa: „Also sollte man selbst so gut es geht positive Energie in alle Richtungen ausstrahlen.“

    Mit der Bereitschaft zu Heiterkeit, Freude und Leichtigkeit können wir nicht viel falsch machen. ― Zumal die Freude mit der Liebe verwandt ist.

    Phanessa: „Deine Meinung kommt jetzt nicht aus Informationsquellen sondern aus dir und aus deinem Gefühl heraus“

    Ja, im Gegenteil: Ich halte mich gerne frei von vermeintlichen Informationsquellen. Sie stören die eigene Wahrnehmung. Und die ist mir um Einiges wichtiger. Außerdem lasse ich mir ungern die heitere Grundverfassung stören. 😉

    Lesen wird über-, das eigene
    Wahrnehmen unterbewertet.

    🌼

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  7. „Ja, im Gegenteil: Ich halte mich gerne frei von vermeintlichen Informationsquellen. Sie stören die eigene Wahrnehmung.“ – Das ist absolut richtig ! Weil man sonst nicht mehr auf sein inneres fokussiert ist, sondern dem äußeren die Aufmerksamkeit schenkt. Und im äußeren besteht immer die Gefahr der Manipulation. Ein Grund mehr, sich nicht mehr auf soetwas einzulassen. Menschen, die in der Lage sind, mit sich selbst zu verbinden sind dieser Gefahr eher weniger ausgesetzt , weil sie verstärkt ihre Sinne wahrnehmen und sich von Ihrer eigenen Intuition leiten lassen und darauf auch vertrauen können. Der positive Nebeneffekt ist dann noch, dass es einem egal ist was andere über einen denken, wichtig ist nur, was ich über mich selbst denke. Jeder hat sein eigenes Inneres, mein Inneres flippt halt mal bei Ungerechtigkeit aus, aber das ist auch ok, mit mir muss auch keiner Kaffee trinken gehen 😆 schönen Abend noch 🌼

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