Sie werden es nicht glauben, was mir heute passiert ist. Und ich will Sie auch gar nicht lange auf die Folter spannen, denn es gibt ja nichts Nervigeres als Menschen oder Artikel, die behaupten, ein Thema zu klären und dann immer nur um den heißen Brei herumreden und sich in Nebensächlichkeiten verstricken.
Allerdings muss ich doch ein klein wenig ausholen, um die Sache verständlich zu machen. Es ist nämlich nicht so, dass man den Senf ohne weiteres hätte finden können. Ich war in dem einen Supermarkt, allerdings nicht in dem, den ich schon seit meiner frühen Jugend auf kenne, sondern in einem anderen, den ich aber auch ebenso wenig von meiner frühen Jugend auf kenne. Beide Supermärkte kannte ich also nicht von früher Jugend auf, auch nicht von der Kindheit her. Nein, es waren Supermärkte, die ich nun erst seit einigen Jahren kenne und schätze.
Und ja, Sie wissen ja, wie das ist, wenn man nach etwas sucht, beispielsweise einem Senf. Es ist unglaublich, wo ich ihn dann fand. Wahrscheinlich läuft bei Ihnen nun schon das Kopfkino ab, ob der Senf denn versteckt in einem Regal stand, davor irgendetwas Ekliges. Eine tote Maus vielleicht oder eine Ratte. Oder ob ich den Senf hinten im Lager fand und dabei einen Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin des Supermarktes in verfänglicher Position vorfand. Oder ob ich den Senf draußen auf dem Parkplatz fand, wo gerade ein großer Verkehrsunfall mit viel Blaulicht und Tatütata vonstatten ging. Oder unten in der Tiefgarage, wo völlig unbemerkt von den meisten Leuten gerade eine Gang von Dieben mehrere Autos knackte.
All dies wäre möglich, aber Sie werden es nicht glauben, wo der Senf tatsächlich und letztendlich stand. Denn es ist bei dieser Vielzahl der Regale, die in diesen Supermärkten, die ich seit früher Kindheit nicht kenne, ja gar nicht so leicht, ihn zu finden, den Senf. Und so zog ich nun los, mit meinem Einkaufswagen und guten Mutes, um ihn denn zu finden, diesen besagten Senf.
Und ja, es handelt sich ja nur um einen einfachen Senf. Sie werden sagen, warum macht der jetzt so ein großes Gedöns um dieses Thema? Ist es wirklich so wichtig? Tut es Not, hier eine große Disputation zu führen nur um eines Senfs wegen? Und ja, ich kann verstehen, wenn Sie so denken. Aber wenn Sie an diesen endlosen Reihen des Regals entlanggehen und dann endlich diesen Senf gefunden haben in dieser Position, die so unglaublich scheint, dass ich davon eigentlich kaum zu erzählen wage, dann werden Sie verstehen. Ich ging also an diesen Regalen entlang und schaute, wo er nun war dieser Senf.
Da traf ich plötzlich Tante Trude, also die, mit der wir schon immer dieses seltsame Verhältnis hatten und die auch Tante Emma kennt, die mit dem Laden, nach welcher diese Tante-Emma-Läden benannt sind. Und ihr Onkel, also der Mann des Schwagers der Tochter der Frau, die dann irgendwie mal diese Erkrankung hatte mit diesem eitrigen Auswurf, und er, der auch diesen Platten in seinem linken Vorderreifen hatte, war aber nicht mit dabei. Und damit war er dann noch bis nach Italien gefahren und als die Polizei ihn aufgehalten hatte, hatte er seinen abgelaufenen Ausweis zum Fenster rausgehalten und behauptet, er komme aus Norddeutschland, wo es keine Ausweise gebe. Der Chef, der in einem kleinen Betrieb von Tante Irmgard arbeitete, hatte ja schon ähnliches erlebt auf einem Urlaub in Holland.
So, nun sind Sie also endlich im Bilde.


