Ein Kind „wegmachen lassen“

Es gibt in Deutschland und auch weltweit Frauen, die gewollt oder ungewollt schwanger geworden sind und die es aber nicht mehr sein wollen. Weil sie die Konsequenzen fürchten, zu Recht oder zu Unrecht.

Dies kann unterschiedliche Gründe haben, die von nachvollziehbar bis nicht mehr so nachvollziehbar reichen. Vielleicht lag der Schwangerschaft eine Vergewaltigung zugrunde, vielleicht ist eine Mutter einfach recht jung, möchte noch eine Ausbildung machen, vielleicht ist der Mann unzuverlässig oder gar abgehauen, vielleicht ist das finanzielle Polster nicht gerade dick.

Wie auch immer, die Frau muss eine Entscheidung treffen. Und aus dieser kommt sie niemals heile heraus. Denn selbst, wenn die Gründe für die Gesellschaft nachvollziehbar erscheinen oder zumindest nachvollziehbar dargelegt werden können, muss sie in Zukunft vor sich selbst rechtfertigen, ob sie das, was sie entschieden hat, vor sich selber verantworten kann. So etwas nennt man eine Dilemmasituation. Es gibt keine richtige Lösung, sondern nur Graustufen, von richtiger bis zu weniger richtig.

Wenn man sich überlegt, was ein Embryo ist, und wenn es auch nur aus ein paar Zellen besteht, so besteht zwischen ihm und einem fertigen Menschen im Grunde nur ein zeitlicher Unterschied. Ein kleiner Zellhaufen im Mutterleib ist ein Jahr später ein Baby. Und jüdisch-christlich gesehen ist jeder Mensch natürlich noch ein Ebenbild Gottes.

Wenn man sagt, man wolle ein Kind „wegmachen lassen“, also ein ungeborenes Embryo in einem Frühstadium, ist das im Grunde ein sprachlicher Euphemismus. Richtiger würde es heißen, dass man einem Menschen, der im Entstehen begriffen ist, die Möglichkeit nimmt, der zu werden, der er sein könnte.

Das macht die Entscheidung nicht leichter. Und die Entscheidung wird sicherlich auch dadurch geprägt, wen oder was man als schwangere Frau als seinen/ihren Gott betrachtet.

Denn Gott, das ist das, woran man sein Herz hängt, so Martin Luther.

Orientiert man sich am christlichen Gottesbild, wird man vielleicht zu einer anderen Entscheidung kommen, als wenn man sich beispielsweise selbst einen Gott gebastelt hat, also einen Götzen, an dem man die Entscheidungen ausrichtet. Wenn beispielsweise die Selbstverwirklichung der Götze ist, die Freiheit, das Geld, beeinflusst das die Entscheidung natürlich mit.

Und so kann dann auf einmal in einer ganz existenziellen Situation das, woran man glaubt, auch zugleich das sein, was über Leben oder Nicht-Leben entscheiden kann. Das, woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Und an ihm richtest du dein Leben aus.


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