
Man kennt es hierzulande von Mensas, Kantinen und Restaurants: immer dann, wenn es ans Saubermachen geht, stellt man Stühle verkehrt herum auf Tische, um unter den Tischen die Brotkrumen zu beseitigen, die während des Essvorgangs herunterfallen. Dies gilt als hygienisch, will man doch verhindern, dass sich die Essensreste in die Schuhsohle hinein treten und sie so von unten verdrecken. Zudem gilt es als hygienischer Fortschritt, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, um es Bakterien nicht allzu einfach zu machen, in den menschlichen Organismus zu gelangen und dort womöglich Krankheiten hervorzurufen.
Wenn man also an einen frisch gemachten Tisch kommt und sich auf den Stuhl setzt, kann es eigentlich auch schon losgehen mit dem Essen. Man setzt sich mit seiner Hose auf selbigen Stuhl, dessen Sitzfläche zuvor den Tisch liebkoste. Die Hose an sich hat auch eine gewisse Historie an Sitzorten hinter sich, beispielsweise die S-Bahn, die Parkbank, das Mäuerchen, den Rasen, über den ein Hund gelaufen ist, der sich ein wenig erleichtern musste, auf dem außerdem des Nachts ein paar Mäuse waren und ein Vogel sich ebenfalls Erleichterung verschaffen musste und so weiter. Dann ist es bei Hosen auch noch je nach Tragedauer unterschiedlich, welchen Grad an Sauberkeit sie im Sitzbereich aufweisen.
Man denkt sich dann also, wie gut, dass der Stuhl schon unten steht, auf dem nun die eigene Hose sitzt. Grauenvoll der Gedanke, wenn diese dreckige Sitzfläche auf dem Tisch gewesen wäre, auf dem man nun seinen Teller, Messer und Gabel und sein Glas hat, um zu essen. Nachdem man fertig gespeist hat, kommt einem in den Sinn, dass besagter Stuhl ja tatsächlich vor kurzem noch kopfüber auf dem Tisch stand, mit der Sitzfläche auf der Tischplatte. Egal, Hauptsache, die Hände sind gewaschen. Wird schon seine Richtigkeit haben, denkt man, während vom Nachbarn auf dem Nebenstuhl der zarte Hauch von Flatulenz herüberweht…



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