Ich schreibe diese Zeilen in einer originellen Situation: Es ist Freakstock, das Hauptevent unserer Bewegung und ich sitze in der Pension. Heute abend sollte ich eigentlich predigen, das habe ich aber abgesagt, statt dessen ist Ferry für mich eingesprungen. Ich hatte vorgestern, nachdem dem Auto-einladen, auf einmal Rückenschmerzen. Habe mich dann in die Badewanne gelegt und als ich wieder aufstand ging gar nichts mehr: Hexenschuss. Blöde Sache. Wir haben einen Stand und den konnte ich schon nicht mehr mit aufbauen, habe im Stuhl daneben gesessen und Anweisungen gegeben. Nun sind alle auf dem Stock und ich liege lesend, betend und schreibend in unserem winzigen Zimmer.
Natürlich habe ich gebetet, auch proklamiert und sogar andere für mich beten lassen. Hat aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Dabei weiss ich, dass meine Heilungsgabe funktioniert. Heute morgen kam Joe zum Stand und sagte: „ich wollt nur mal eben berichten.“
Ich: „mach das.
Joe: „Du hattest beim Jazzfestival für mich gebetet.“ [Beim Jazzfestival in Moers ist jedes Jahr eine grosse Evangelisation der Jesus Freaks an Rhein und Ruhr]
Stimmt, hatte ich. Joe hatte seit einiger Zeit fiese Schmerzen im Knie die ihn einschränkten und wollte schon zum Arzt gehen.
„Die Schmerzen sind weg. Nachdem Du gebetet hast waren sie sofort besser und am nächsten Morgen waren sie weg und sind nicht wieder gekommen.“
Heilungen im Rücken und Bewegungsapparat sind Heilungen die bei mir gut funktionieren. Passiert nicht jedes Mal etwas, aber meistens schon. Vielleicht zwischen 50% und 75%. Manchmal bin ich selber komisch drauf, dann geht gar nichts. Manchmal ist irgendwas anderes komisch, dann geht auch nichts. Aber im grossen und ganzen klappt es gut.
Ich bin ziemlich sicher, dass ich einen Hexenschuss bei jemand anderem gut wegbeten könnte. Warum dann bei mir selber nicht? Die Antwort ist einfach. Paulus spricht in 1.Korinther 12 viel von Geistesgaben (Charismen), übernatürlichen Befähigungen die Christen haben können. Darunter fallen auch die Gabe(n) der Heilung(en):
…einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist… (1.Korinther 12,9 heute alle Elberfelder)
Alle Geistesgaben sind zum Aufbau der Gemeinde gegeben, zum Nutzen anderer (1.Korinther 12,9). Es gibt tatsächlich nur eine einzige Geistesgabe, die zur eigenen Erbauung gegeben ist: Sprachenbeten. Darüber heisst es:
Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde. (1.Korinther 14,4)
Wenn Gaben zum Dienst an anderen gegeben sind, dann ist klar, dass sie nicht bei einm selber funktionieren können. Das bedeutet nicht, dass man als Christ, der eine Heilungsgabe hat, nicht geheilt werden kann, aber das wird fast nie durch die Gabe geschehen. (Ich schreibe deswegen fast nie weil es immer Ausnahmen gibt, von jeder Regel). Aus diesem Grunde kann man nicht sich selbst mit seiner Gabe heilen.
The Voice of Healing
Von etwa Mitte der 40er bis Mitte der 50er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gab es in den USA eine grosse Heilungsbewegung. Überwiegend evangelistisch ausgerichtete Prediger zogen in riesigen Zelten (20.000 Sitzplätze waren keine Seltenheit) durchs Land und übten einen atemberaubenden Heilungsdienst aus. Eine der wichtigsten Figuren war William Branham.
Mit der Zeit entwickelte sich eine Bewegung aus diesen vielen einzelnen Predigern und Predigerinnen, zu der auch Kenneth Hagin gehörte: The Voice of Healing. Wer sich mal die Mühe mal die Mühe macht danach zu googeln wird auch einige Ausgaben des gleichnamigen Magazines online finden.
Obwohl diese Leute unheimlich begabt waren in Heilung und Wunder aller Art geschahen sind nicht wenige an Krankheiten gestorben oder mussten sich operieren lassen. Sie machten genauso wie ich die Feststellung, dass ihre Gabe nicht bei ihnen selber funktioniert hat. Es ist schon seltsam, dass jemand der regelmässig erlebt wie Tumore aus den Körpern von Menschen verschwinden, sich selber operieren lassen muss, aber so war es. Die Heilungssalbung ist nicht für einen selbst sondern für andere da.
Wenn Leute, die in dieser Kraft dienen krank werden, müssen sie so geheilt werden wie andere auch: durch Glauben, dazu komme ich später.
Wir sollten als Christen lernen, damit gut und jesusmässig umzugehen. Als vor einiger Zeit Helmut Bauer nach einem Zeckenbiss so ernst erkrankt war, dass er sogar einige Heilungsdienste absagen musste, schwappte eine Weile der Häme durchs christliche Lager. Nun mag man zu Wort und Geist stehen wie man will, auch ich habe da einige Anfragen, aber diese Häme war komplett fehl am Platze. Wir sollten dankbar sein für Dienste die das Übernatürliche und speziell Heilung in Deutschland wieder gross zu machen versuchen. Niemand würde über einen Evangelisten spotten den Zweifel an seiner Errettung beschleichen. Aber bei kranken Heilungspredigern tun wir genau das.
Es ist klar, dass jeder der versucht in die Kraft Gottes zu kommen sich zum Ziel des Feindes zu machen. Meiner Erfahrung nach macht nichts Evangelisation effektiver als Gottes Kraft. Ich habe kaum eine Bekehrung erlebt bei der nichts Übernatürliches im Spiel war. Gut, die meisten Bekehrungen erlebe ich als Prediger, wenn in einem Gottesdienst ein paar Leute Jesus ihr Leben geben weiss ich nicht genau, was Gott bei ihnen gemacht hat. Aber bei den Leuten mit denen ich das Übergabegebet zusammen gesprochen habe, war immer etwas Übernatürliches dabei. Meistens spürten sie etwas von Gott (was meiner Gabe zu entsprechen scheint). Wie viel mehr Leute werden zum Glauben kommen, wenn sie etwas sehen, was garantiert Gottes Werk ist.
Deswegen bin ich sicher, dass jeder der in Deutschland in den Heilungsdienst drängt sich auf Ärger einstellen muss. Teil davon werden bestimmt gesundheitliche Angriffe sein.
Gaben der Heilungen
Ich habe eine zeitlang Theologie zur Gabe der Heilung gesucht und nicht gefunden. Das hat mich ganz schön irritiert, aber tatsächlich hat kaum jemand mal etwas fundiertes über diese Gabe geschrieben, am wenigsten die, die sie meiner Meinung nach haben oder hatten. Mir drängte sich der Verdacht auf, dass Leute mit dieser Gabe dazu tendieren ihren Dienst als ganz normal zu verstehen und lieber über die Heilungsstellen in der Bibel reden und über die Verantwortung eines jeden Christen Menschen zu heilen, als über ihre Gabe. So ist das ja oft, Christian Schwarz nennt es „Gabenprojektion“: man denkt, dass jeder das kann was man selber kann und überträgt die eigene Gabe auf andere, die dann aber nicht einmal ansatzweise so effektiv werden können wie man selber.
Irgendwann fiel mir dann auf, dass diejenigen die in starke Heilungsgaben arbeiten schlicht einen anderen Sprachgebrauch haben. Sie reden nicht über Gaben sondern über Salbungen. Salbung ist nicht wie im katholischen Bereich gemeint wo es ein Sakramant(?) der Krankensalbung gibt bei dem der Kranke mit Öl gesalbt sind. Hier geht es vielmehr um eine übernatürlich Kraftausstattung durch den Heiligen Geist. Das Wort Salbung (grch. chrisma) taucht im Neuen Testament nur um die fünf mal auf, ist also kein besonders grosses Wort, aber das Prinzip, dass Gottes Geist Menschen befähigt, ist schon ein normales Prinzip in der Schrift.
Denkt man etwas weiter, kommt man zu einem etwas anderen Gabenverständnis als viele Christen haben. Es geht dann mehr um die Gottesseite als um die Menschenseite. Wir sagen heute oft, dass wir Gaben haben. Von der Salbungsseite her gedacht geht es mehr darum, dass der Heilige Geist Gaben gibt.
Nachdem ich viele Bücher über das Thema gelesen habe (ich habe mehr als einen Regalmeter gelesene Heilungsbücher zuhause), komme ich zu der Faustregel, dass Autoren die selber nicht im Heilungsdienst stehen (obwohl sie, wenn auch nicht immer, an Heilung glauben) eher den Begriff der Heilungsgabe verwenden, während Autoren die im Heilungsdienst stehen eher den Begriff der Salbung verwenden. Es gibt da natürlich Ausnahmen, aber die lassen die Regel intakt.
Man kann über den Plural stolpern. Ich habe das zumindest früher immer getan. Heilung ist die einzige Gabe die in dem Kapitel im Plural steht, alle anderen sind Singular.* Das erklärt sich mit einer Beobachtung: verschiedene „Gesundbeter“ haben oft sehr unterschiedliche Krankheiten in denen sie effektiv sind. Woran das liegt weiss ich nicht, aber es gibt nur wenige Leute, die bei allen Krankheiten gleich effektiv beten.
Gestern habe ich mit einer Freundin geredet, die gerade auf Heimaturlaub ist. Normalerweise lebt sie in Mosambik und arbeitet mit Iris Minitries zusammen. Die erleben ja gerade eine gute Erweckung, sie gründen täglich mindestens eine Gemeinde und das in einem Gebiet in dem es vorher nur Moslems gab! Ich habe sie nach Heidi Bakers Heilungsgabe gefragt, Heidi leitet zusammen mit Rolland Baker den Dienst und sie sind dafür bekannt, dass viel Übernatürliches passiert. Sie sagte, dass bei Heidi immer alle geheilt werden die taub sind, etwas weniger als alle (ca.80%) die blind sind, und dann eben unterschiedliche Erfolgsquoten bei anderen Krankheiten.
In der Voice of Healing Bewegung stellten die Prediger auch fest, dass manche von ihnen unterschiedlich begabt waren. Ich vermute, dass der Grund für den Plural hier liegt: nicht jeder hat die Gabe für alles. Viele haben „nur“ eine Gabe für Ohren, Augen, Herzen oder was auch immer. Manche finden das auch in der Apostelgeschichte wieder, dass es Regionen gab in den besonders viele orthopädische Wunder geschahen und andere in denen besonders Befreiungen geschehen sind. Ich bin da unsicher, habe das noch nicht studiert und habe überdies das Gefühl, dass auch nicht genug Material für eine solche Statistik überliefert ist.
Bei mir selber scheinen Rückenprobleme besonders häufig geheilt zu werden, wobei aber auch andere Sachen geheilt wurden. Ich schreibe das nur, weil Michael Schiffmann mir empfohlen hat herauszufinden, wo meine spezielle Gabe liegt.
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*Zungen stehen auch im Plural, das weist aber nicht auf verschiedene Gaben hin sondern darauf, dass die Gabe bei verschiedenen Ausübenden unterschiedlich klingt – sie reden in unterschiedlichen Zungen.
Lesen Sie auch:
Heilung VII – Das Evangelium III – Der Dienst Jesu
Heilung VI – Das Evangelium II – Heilung ist Teil der Erlösung
Heilung V – Das Evangelium I – Erlösung
Heilung IV – Das Reich und der Auftrag III – Kennzeichen des Reiches
Heilung III – Das Reich und der Auftrag II – die Spannung
Heilung II – Das Reich und der Auftrag
Heilung I – ausgewogene Theologie
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