Eine von Gottes Arbeitsmethoden: Eifersucht

blume2Wenn du den Titel liest, wunderst du dich vielleicht. Oder lehnst diese Formulierung gleich mal ab. Eifersucht ist so eine negative Eigenschaft, damit sollte Gott doch wohl nicht in Verbindung gebracht werden!

Ja, Eifersucht kann unter uns Menschen viel Leid anrichten. Wunden schlagen. Verbitterung auslösen. Wie heisst es doch so treffend:

Eifersucht ist eine Leidenschaft,
die mit Eifer sucht,
was Leiden schafft.

Und manch eine, manch einer leidet an dieser Sucht, ständig im Ungewissen zu sein, ob sein Partner ihm wirklich die Treue hält. Das kann sogar soweit kommen, dass Privatdetektive engagiert werden…

Israel – Heiden

Und dann kamen wir letztens beim Bibelstudium in interessantem Austausch auch an diese Stelle im Römerbrief, an der Paulus seinen Lesern über zwei Kapitel die Zusammenhänge zwischen dem Volk Israel aus alter Zeit und den Nichtjuden (Nationen) aus der Zeit des beginnenden Christentums auseinandersetzt. Das war nämlich gar nicht so einfach zu checken, da die Juden über Jahrhunderte glaubten, das auserwählte Volk Gottes zu sein – und nun sollten auch andere Menschen freien Zugang zu Gott (durch Jesus Christus) haben? Das muss für sie ein Schock und schwer zu verarbeiten gewesen sein!

Ich frage nun: Haben die Juden sich an Christus gestoßen, um für immer zu Fall zu kommen? Gewiss nicht! Es ist vielmehr so: Weil sie Gottes Rettungsangebot ablehnten, wurde es den anderen Völkern gebracht, und das soll dazu führen, dass die Juden auf die anderen eifersüchtig werden und es ihnen gleichtun wollen. (Römer 11,11)

Und brachte neue Fragen ins Spiel. War es etwa von Gott vorausbestimmt, dass Israel Jesus als den Messias ablehnte, damit die Heiden als „Ersatzlösung“ ins Spiel kommen? Denkt Gott so unfair? Wollte er, dass Israel versagt? Das wäre nicht sehr nett gewesen…

Positive Eifersucht

Aber Paulus stellt diese Frage nur rhetorisch, denn er will eine ganz andere Beweisführung antreten. Wenn Menschen das Vorrecht des freien Willens in Anspruch nehmen und sich gegen Gott entscheiden (in unserem Fall: Israel erkennt den Messias nicht an), dann kommt Plan B ins Spiel: Gott baut eine neue Art von Beziehungen zu Nichtjuden auf. Bedeutet das nun, dass die ungläubigen Juden weg vom Fenster und die Heiden die Gewinner der (geistlichen) Geschichte sind? Nein, um das wirklich anzunehmen, würden wir Gott zu wenig kennen. Denn er hat auch noch einen Plan C.

Die Idee dahinter war und ist, dass – so die Argumentation von Rabbi Paulus – die Juden eifersüchtig auf die in Gnade gekommenen Heiden würden. Aber nicht, um knirschend in der Ecke zu sitzen, sondern durch das Erleben der Nichtjuden dazu angereizt würden, ebenfalls wieder neu die Gunst und Nähe Gottes zu suchen.

Win – Win

Das Ergebnis wäre dann eben nicht, dass es Gewinner und Verlierer gibt, sondern dass durch das Zulassen der Eifersucht zum Schluss beide „Parteien“ die Güte und Gnade des Allmächtigen geniessen könnten. Und genau solche Endsituation empfehlen zum Beispiel auch Konfliktmanager, in dem sie am Ende keine Parteien haben wollen, bei denen der eine der Gewinner und der andere der Verlierer ist, sondern dass eine Win-Win-Situation erreciht wird.

Nachdem wir uns in der Gruppe an dem Abend über diesen speziellen Vers ausgetauscht hatten, habe ich mal wieder gestaunt, wie viel grösser Gott denkt und wie kurzfristig wir Menschen die Dinge oft sehen. Ich jedenfalls:-)

Foto: A. Meissner

[Originalpost]


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