Wie wird man selbstbewusster?

Von Roland Kopp-Wichmann. Bei der Wahl des neuen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg konnte man mal wieder staunen. Wie schaffen es Menschen, sich selbstbewusst eine Aufgabe zuzutrauen, für die sie bisher kaum Erfahrung nachweisen können? Und wo die Auswahlkriterien des Vorgesetzten vor allem darin bestanden, dass man keinen anderen hatte, man jung genug war und des innerparteilichen Proporzes wegen aus Franken stammen musste.

So ein Selbstbewusstsein müsste man haben, denken sich viele.

Wie schafft man das? Wieso kann ich das nicht? Was machen so Menschen anders?

Bücher darüber, wie man Selbstbewusstsein stärken, trainieren, freilegen etc. können soll, gibt es zuhauf … Wer zu faul zum Lesen ist, kann sich auch eine DVD antun, wie zum Beispiel hier, wo Ihnen mit verschwörerischer Stimme suggeriert wird, wie einzigartig Sie doch in Wirklichkeit sind und dass Sie sich nur akzeptieren müssen …

Menschen, die in mein Seminar „Selbstbewusster im Job“ kommen, kennen meist solche Tipps, haben sie auch zuweilen ausprobiert – und sind damit meist gescheitert. Oft fühlen sie sich danach noch schlechter, weil sie glauben, die Tipps aus den Büchern nicht richtig verstanden oder umgesetzt zu haben. Und der innere Kritiker sie dann zusätzlich niedermacht: „Nicht einmal die simplen Tipps aus dem Buch kannst du anwenden. Typisch!“

In meinem Seminar hoffen sie dann, Tipps und Methoden zu erfahren, die wirklich helfen, schließlich bin ich Diplompsychologe und kein Mentaltrainer, Persönlichkeitscoach und was man sich heute alles nennen kann.

In der ersten Seminarstunde muss ich die Teilnehmer immer enttäuschen. Ich weiß auch keine anderen Rezepte oder tollen Tipps, wie man sein Selbstbewusstsein stärken kann. Natürlich hilft es, sich in schwierigen Situationen gerade hinzustellen, mit fester Stimme zu sprechen, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen und zu sagen, was man sagen will. Das wirkt selbstbewusst.

Das Problem ist nur: zu Hause vor dem Spiegel klappt das noch ganz gut, im Rollenspiel in einem entsprechendem Seminar vielleicht auch – aber in der Praxis, wenn dann Ihr Chef, ein unzufriedener Kunde oder eine redselige Kollegin vor Ihnen steht, ist meist alles weg und es fällt Ihnen schwer:

  • … deutlich nein zu sagen oder sich abzugrenzen
  • … die eigene Leistung gut zu verkaufen
  • … klare Anweisungen zu geben
  • … sich von dominant auftretenden Menschen nicht einschüchtern zu lassen
  • … Kritik nicht allzu persönlich zu nehmen
  • … andere in ihrem Redefluss zu unterbrechen
  • … sich für Ihre Wünsche und Ziele nicht dauernd zu rechtfertigen

Wie kommt das? Was passiert da in Ihnen?

Hilfreicher ist es, zu untersuchen, wie Sie Ihr Selbstbewusstsein schwächen.

Sie haben richtig gelesen. Wer sich nicht selbstbewusst fühlt oder verhält, hat kein geringes Selbstbewusstsein, sondern er schwächt es regelmäßig. Und zwar durch permanente Selbstsuggestion. Da sind Sie Ihr eigener Mentaltrainer – nur eben in die andere Richtung.

Sie könnten locker auch eine DVD produzieren, wie man sich erfolgreich und nachhaltig klein macht. Nämlich mit Gedanken wie:

  • „Du kannst es eben nicht!“
  • Du wirst jämmerlich versagen!“
  • „Die anderen werden dich gnadenlos auslachen!“
  • „Wer bist du schon, dass du glaubst, du könntest das?“
  • „Niemand wird dich mögen, wenn du das tust.“

Solchen Gedanken, da sie aus einem selbst kommen, ist schwer zu begegnen und diese können einen nachhaltig entmutigen und niedermachen. Das Gemeine ist: Sie machen sich nicht diese negativen Gedanken, sondern die kommen unwillkürlich und automatisch. Sie wollen das nicht, aber es passiert.

Deswegen helfen Ihnen viele Selbsthilfebücher und Trainings nicht, die Ihnen vorschlagen, einfach das Gegenteil zu denken. Die Idee klingt vernünftig, funktioniert aber in der Praxis selten.

Warum?

1. Weil persönliche Veränderung nicht über den Verstand läuft.
Sondern immer Ihre Gefühle mit einschließen muss. Und vor diesen – oft schmerzlichen – Gefühlen haben die meisten Menschen Angst.

2. Weil sich nicht selbstbewusst verhalten zu Ihrer besten Strategie geworden ist.
Richtig gelesen: Wenn Sie immer nett sind, nie nein sagen, es anderen immer recht machen wollen, keinen Konflikt wagen usw., dann kann man das auch als Ihre beste Strategie verstehen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Nicht die beste, die man sich vorstellen kann. Aber eben Ihre beste – im Rahmen ihrer bisherigen Möglichkeiten.

Rational betrachtet wissen Sie, dass nichts Schlimmes passiert, wenn Sie die Bitte Ihres Freundes, Ihnen am Wochenende bei seinem Umzug zu helfen, abschlagen. Doch emotional kommen Sie in Bedrängnis. Und denken so etwas wie:

  • er wird mich ablehnen und mich das in Zukunft spüren lassen
  • er wäre enttäuscht oder verärgert und ich bin schuld
  • er fände mich egoistisch und das wäre ich dann ja auch
  • er würde mich beschimpfen und ich könnte mich nicht wehren
  • er würde es rumerzählen und andere würden mich auch ablehnen

Diese Gedanken bei sich zu beobachten, ist enorm wichtig.

Denn sie führen Sie zu der Quelle Ihres „geringen“ Selbstbewusstseins. Wenn Sie mit etwas Achtsamkeit untersuchen, woher Sie solche und ähnliche Sätze kennen, werden Sie wahrscheinlich fündig. Es sind Sätze und Beziehungserfahrungen, die Sie als Kind oder Jugendlicher öfters gehört oder erlebt haben.

Doch das alleinige Wissen, dass Ihr Bruder oder Ihre Schwester oder ein Elternteil manchmal so zu Ihnen gesprochen hat, hilft noch nicht bei der Veränderung. Sie müssen es meiner Erfahrung nach ein Stück emotional nacherleben.

Davor scheuen sich die meisten Menschen, die etwas an Ihrem Selbstbewusstsein verändern wollen. Denn die damit verbundenen Gefühle können unangenehm und schmerzlich sein. Gefühle wie Scham, Wertlosigkeit, Angst vor Neid, Ungeliebtsein, Ablehnung aber auch Ohnmacht und Wut.

Doch eine tiefe Veränderung an alten Denk- und Verhaltensmustern muss unter die Haut gehen. Mit simplen Psychotricks nach dem Motto „Denken Sie doch einfach …“ geht es nicht.

Denn wenn Sie sich nicht selbstbewusst fühlen, machen Sie unbewusst etwas, was Sie verändern können: Sie übernehmen die elterlichen Botschaften aus der Vergangenheit anstatt sich heute in der Gegenwart davon abzugrenzen.

Ein Beispiel:
Einer Teilnehmerin aus dem letzten Seminar, die das verstehen und ändern wollte, empfahl ich, abends nach dem Seminar in der Heidelberger Fußgängerzone zweihundert Meter rückwärts zu laufen.
Natürlich sagte sie sofort, das könne sie nicht und das werde sie niemals tun. Ich verriet ihr auch, was dabei passieren würde, denn ich habe das Experiment selbst öfters gemacht:
80 Prozent der Passanten kriegen es gar nicht mit, dass da jemand rückwärts läuft. Zehn Prozent grinsen oder gucken verwundert. Die restlichen zehn Prozent reagieren mit einem Spruch wie „Darf ich mitlaufen?“ oder „Ist das ne Werbung?“ oder „Die spinnt wohl!“

Was passiert gerade bei Ihnen, wenn ich Ihnen vorschlage, das Sie heute oder morgen das mal in Ihrer Hauptstraße ausprobieren?

Sie sind vermutlich auch nicht begeistert und finden alle möglichen Gründe, warum Sie das nicht machen können, werden, brauchen. Doch wenn Sie etwas Grundlegendes in Ihrer Persönlichkeit ändern wollen, müssen Sie Ihre innere Komfortzone verlassen und etwas wagen.

Sie müssen es wagen, Ihren Gefühlen aus der Vergangenheit zu begegnen und Sie werden dabei herausfinden, dass Sie es sind, der sein Erleben kontrolliert. Nicht die Vergangenheit, nicht Ihre Stärken und Schwächen, nicht die anderen Leute. Sie sind es – mit Ihrer Bewusstheit.

Der Seminarteilnehmerin für Ihr Rückwärts-Experiment sagte ich nämlich noch Folgendes:
„Du und ich wissen, dass im Außen nichts Schlimmes passieren wird. (Igorieren, Grinsen, Sprüche). Das Schlimme passiert in Dir innen. Du denkst, die anderen finden Dich doof, lehnen dich ab. Aber Du kennst niemanden in dieser Stadt. Sie können Dir egal sein.
Deine Angst entsteht in dem Moment, wo Du auf Ihre Meinung Wert legst. Wo Du Dich innerlich mit Ihnen verbindest und Dich mit ihren Augen siehst. Wo du Dich innerlich nicht abgrenzt. Bleib die zweihundert Meter ganz bei Dir.“

Am anderen Morgen berichtete die Teilnehmerin ganz stolz von ihren Erfahrungen. Sie hatte es ausprobiert. Anfangs schaute sie nur auf den Boden, um bei sich zu bleiben, nach fünfzig Metern wagte sie hochzuschauen. (Die meisten Passanten bemerkten sie gar nicht, einige grinsten, einige machten einen Spruch.) Die letzten hundert Meter probierte sie aus, etwas Ungewöhnliches für sich zu tun und sich innerlich von der Meinung anderer unabhängig zu machen.

In meinen Seminaren arbeite ich normalerweise nicht mit solchen Übungen. Es geht darin viel mehr um die innere Auseinandersetzung mit den vergifteten und destruktiven Botschaften, die man als Kind gehört hat und so verinnerlicht hat, dass man mittlerweile als Erwachsener selbst überzeugt ist, dass sie stimmen.

Wenn Sie mit Ihrem Selbstbewusstsein auch nicht zufrieden sind und daran etwas ändern wollen, kann dieses Seminar Sie wirkungsvoll unterstützen: Lesen Sie hier mehr …
Oder lesen Sie, wie Teilnehmer dieses Seminar erlebt und bewertet haben.

PS: Übrigens, am 27. September sind Bundestagswahlen. Danach werden etliche Ministerposten wieder neu besetzt. Vielleicht hätten Sie ja auch Chancen.

Diesen Beitrag können Sie sich hier auch anhören:

http://kopp-wichmann.podspot.de/files/ap16_selbstbewusstsein.mp3

Woraus beziehen Sie Ihr Selbstbewusstsein?

Oder verraten Sie Ihre bewährten Tipps für ein geringes Selbstbewusstsein.

Schreiben Sie hier Ihre Meinung dazu.

Fotos: © Gernot Krautberger u. Kirsty Pargeter – Fotolia.com

 


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Kommentare

21 Kommentare zu „Wie wird man selbstbewusster?“

  1. @theolounge

    Ich firmiere nur unter meinem persönlichen Nick, denn Gott hat mich bei meinem Namen gerufen.
    Du hast in Deinem Nick das Wort Gott eingebaut. Da klopfe ich bei Dir auf den Busch, ob da auch wirklich Gott drin ist oder lediglich die kranke öffentliche Meinung.
    Überwiegend hältst Du mir die kranke öffentliche Meinung vor.
    Damit verrätst Du das Gebot der,nicht nur den Christen auferlegten, Nächstenliebe.
    Auch jetzt verweist Du auf andere Medien, anstatt zu kapieren: Du bist hier gefragt und niemand anderer mehr.
    Du zeigst Dich mir als ein Gefangener und Diener der öffentlichen Meinung anstatt , mich als Deine Nächste einzuordnen. Ein solch „liberales“ Christentum hat nichts mehr mit der frohen Botschaft zu tun, sondern verrät sie auf Schritt und Tritt.
    Das Private ist das Politische.
    Merkst Du eigentlich, wie viele gedankliche Hindernisse Du aufbaust um Dein Verhalten und das von Koppwichmann zu verteidigen!
    Du spielst immer noch lieber Gott und in Deinem Paradies, darf keine Konfliktlösung stattfinden. Meinst Du, dass Koppwichmann überhaupt daran interessiert ist, diesen Konflikt gütlich zu lösen, und mit dem Eingeständnis mich zufrieden zu stellen, sich hier falsch verhalten zu haben?
    Gelobt sei doch der alte Adam, der unfähig ist, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen.
    Damit wird die christliche Nächstenliebe hier unmöglich gemacht. Liebe allein genügt eben nicht.
    Was das bringen soll? Ich suche Christen, die die christliche Botschaft ernst nehmen und finde regelmäßig solche, die sie, wenn es drauf ankommt, verraten.
    Zum Glück ist das Reich Gottes da! Nur Leute wie Du vernebeln es immer noch ganz schön.

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