Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Hebräer 12,14 nach der Elberfelder)
„Jagen“ ist ein sehr aktives Wort. Es bedeutet, sich schnell hinter etwas herzubewegen, etwas motiviert hinterher zu laufen. Es ist schon bemerkenswert, dass der Schreiber des Hebräerbriefes uns ermahnt, etwas hinterherzulaufen, was wir eigentlich doch schon haben! Wir sind doch bereits heilig in Christus und haben Frieden, oder nicht?
Ich glaube, dass beides stimmt. Wir können etwas haben, das wir nicht besitzen. Wir können Frieden haben ohne freidlich zu sein; können die Gerechtigkeit sein, die vor Gott gilt (2.Korinther 5,21) ohne Heiligkeit in unserem Leben widerzuspiegeln. Mir hat dieser scheinbare Widerspruch oft zu schaffen gemacht, besonders seitdem ich mich viel mit Glaubenslehre beschäftige und dadurch sehr gesegnet bin. Es ist immer dasselbe: obwohl wir in Christus unendlich viel haben, spiegelt unser Leben oft nur wenig von dieser Fülle wider; obwohl Gott gerne und bereitwillig gibt, ist es oft schwer zu empfangen.
Vielleicht meint Hebräer 12,14 auch nicht nur den wörtlichen Frieden, das Gefühl. Vielleicht ist es zulässig, auf den Heiligen Geist zu erweitern, der gelegentlich als Friede Gottes bezeichnet wird und so erlebbar ist. Dann hiesse der Vers, nicht nur dem Frieden im Herzen nachzuleben sondern auch immer motiviert in Richtung des Heiligen Geistes unterwegs zu sein. Aber beides würde auf dasselbe hinauslaufen: Glaube ist dynamisch, er steht nicht still. Die Dinge des Geistes erreicht man nicht vom Sessel aus, man muss dahinter her sein.
Ich habe in einem Buch aus dem späten 18.Jahrhundert eine interessante Beobachtung von Gerhard Tersteegen zum Leben von Bruder Lorenz gelesen. Es geht im Zusammenhang darum, dass Gott ein Leben in seiner Gegenwart – wie Bruder Lorenz es in höchstem Masse führte – frei und gerne gibt. Und doch erlangt dieses Kleinod keiner, der ihm nicht nachjagt und der es nicht auf den Wegen sucht, die uns solche in Gott vergnügte und zutiefst befriedigte Menschen, wie wir in Bruder Lorenz einen vor uns haben, vorangegangen sind. (Seite 10)
Dem Frieden nachjagen bedeutet, immer in seiner Richtung unterwegs zu sein. Es darf keinen Stillstand im geistlichen Leben geben. Wenn die Richtung klar ist, müssen wir für die nötige Bewegung sorgen. Indessen muss man stets fortarbeiten; denn im Leben des Geistes ist Nicht-Vorwärtsgehen Zurückgehen. (Seite 54)
Quelle: Bruder Lorenz: Allzeit in Gottes Gegenwart, Metzingen 1993
Bild: MarMar | pixelio.de



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