Der verschwundene Jesus

jerusalem2„Endlich, nach drei Tagen, entdeckten sie Jesus im Tempel. Er saß bei den Schriftgelehrten, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen.“ Lukas 2,46

Das ging mir bei der heutigen Predigt ziemlich nahe und nach – der 12-jährige Jesus war im Festtrubel verschwunden! Irgendwie dachten seine Eltern, er wäre schon mit anderen Verwandten auf der Rückreise in den Norden, nachdem sie in Jerusalem zusammen das Passahfest gefeiert hatten. Aber erst als sie wieder zurück nach Jerusalem gingen, fanden sie den Kleinen dort bei den Theologen sitzen, zuhören und kluge Fragen stellen. Erleichterung bei den Eltern!

Jeder, der schon mal selber ein Kind gesucht hat, weiss, wie ihnen der Schreck in den Gliedern gesessen haben muss.

Jesus ist weg. Verschwunden. Nicht mehr auffindbar.

Fragen tauchen auf:
Wo ist eigentlich Jesus in meinem, in unserem Leben? In der Gesellschaft? In den Kirchen?
Ist er noch da? Oder schon verschwunden? Und wir merken es noch nicht einmal? Suchen ihn auf den Jahrmärkten der vielen Freizeitmöglichkeiten des Lebens? Oder in den politischen Arenen?
Und finden ihn dann beim Lesen der Bibel bzw. beim Unterhalten darüber…

Kann es sein, dass wir mehr und mehr Programme installiert haben in unseren Gemeinden, die einen wirklich frommen Anstrich haben, aber Jesus ist gar nicht mehr dabei?
Wir legen fest, was Gott wirken darf . Und wie. Aber seine Bestätigung haben wir gar nicht abgewartet…

Früher sagten die wahrhaft frommen Menschen: „Herr, rede du – dein Knecht hört!“
Heute sagen wir oft: „Herr, höre zu, jetzt rede ich!“ (Friedhelm Appelt)

Wo ist Jesus abgeblieben? Welchen Platz hat er im Management der Kirchen? Geht es um das Umsetzen unserer Theorien oder hat er wirklich noch das Sagen, die Prioritäten?

Das sind wirkliche Fragen! Ich will keinem aus meiner eigenen Gemeinde zu nahe treten. Ich stelle mir ja selbst diese Fragen: Wo genau ist er? Was sagt er? Höre ich ihn überhaupt oder interpretiere nur mein Umfeld, meine Eindrücke. Und passe diese vielleicht an mein Wunschdenken an?
Dabei ist er schon längst weitergegangen.

Ich möchte wieder neu fragen: Wo bist du eigentlich, Jesus?

[Originalpost]

Foto: A. Meissner


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Der verschwundene Jesus“

  1. Solange das Bild von dem kleinen Jungen, der zwischen den Schriftlehrern… ein Guru, der später auf geheimnisvolle Weise als Gott angesprochen wurde, das Denken bestimmt, bin ich sicher wir werden ihn nicht finden.

    Wer nach dem Logos fragt, der schöpferischen Vernunft, (die der Papst als biblisch/hist. Jesus bekennt) die in der Antike von griechischer Naturphilosophie im Fluss Lebens erklärt wurde, dessen Mechanismen heute in der Evolutonslehre erklärt werden, der kann die Offenbarung natürlicher Kreativität=Schöpfungswort und daraus abzuleitender menschlicher Bestimmung (über Genegoismus hinaus) auf lebendige Weise erleben.

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