Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Von Roland Kopp-Wichmann. Ein ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf’s Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass „es zu Hause streng zuging“ oder der Vater „ziemlich autoritär war“ oder „die Mutter keinen Widerspruch duldete“, werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der „Elternteil schlecht drauf war“, wenn „man nicht schnell genug weg war“ oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung „Das hat mir aber nicht geschadet!“
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben nun Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen – und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas „später im Leben“ nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt. Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das „Nicht-Mann-Sein“ und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: „Nur Männer schlagen!“ Oder: „Ich wollte nie so werden wie mein Vater!“
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist). Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.
  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten – im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren – ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der „Kindheits-Trance“ heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des „Was sollen denn die anderen Leute denken?“

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen. Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz („Das bildest Du Dir doch alles ein!“)

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines „Gut-für-Sich-Sorgens“ ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Was sind Ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema?

Schreiben Sie hier einen Kommentar.


Fotos: Creative Commons License photo credit: artbyheather
photocase.com: rotwild und ana.knipsolina


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Kommentare

87 Kommentare zu „Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?“

  1. Avatar von Charly

    Das liest sich ja erschütternd und fast einleuchtend. Aber ist das auch stimmig? Ist es wirklich so? Dieser Beitrag lässt die Vermutung aufkommen, dass jeder Schlag von Eltern, jede Ohrfeige, etc. tiefste traumatische Spuren in der Seele der Kinder hinterlässt – was aber nicht stimmt.

    Wo zieht hier der Autor eigentlich die Grenze zwischen Züchtigung und Gewalt? Gibt es für ihn eine? Für die Erlebniswelt der Kinder gibt es sie offensichtlich. Eine als begründet durchgeführte Züchtigung wird von den Kindern – so sie im Rahmen einer Züchtigung und nicht als Gewaltexzess stattfindet – keineswegs als traumatisches Erlebnis eingestuft. So erinnere ich mich selbst sehr gut an Szenen zwischen mir und meinen Eltern, wo ich willentlich und wissentlich die Grenze gesucht habe – wissen wollte, wann mir nicht weiter erlaubt wurde zu provozieren. Das ich klar und deutlich – mittels einer (einer, nicht etlichen) Ohrfeige gezeigt bekam, wo die Grenze ist, hat mir in in meiner Charakterentwicklung geholfen. Irgendeine schwammige Ersatzhandlung, wie sie Heute oft propagiert wird, hätte mir nicht geholfen.

    Das körperliche Züchtigung nicht per se als generell schädlich anzusehen ist, sagt uns sogar das Wort Gottes, in uns heute seltsam gewalttätig anmutenden Worten:
    Sprüche 13:24 Wer seine Rute schont, haßt seinen Sohn; aber wer ihn liebhat, züchtigt ihn beizeiten.
    Sprüche 19:18 Züchtige deinen Sohn, solange [noch] Hoffnung da ist; aber laß dich nicht dazu hinreißen, ihn zu töten!
    Sprüche 22:15 Haftet Narrheit am Herzen des Knaben, die Rute der Zucht entfernt sie davon.
    Sprüche 23:13 Entziehe dem Knaben die Züchtigung nicht! Wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben.

    Hebräer 12:6 Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.» 7 Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? 8 Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne. 9 Zudem hatten wir auch unsere leiblichen Väter als Züchtiger und scheuten sie. Sollen wir uns nicht vielmehr dem Vater der Geister unterordnen und leben? 10 Denn sie züchtigten uns zwar für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. 11 Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit.

    Ich bin weit davon entfernt diese teils tatsächlich gewaltsamen Empfehlungen Salomos in Bezug auf Züchtigung zu empfehlen. Aber ich bin genauso wenig davon begeistert, wenn wir jetzt auf der anderen Seite vom Pferd fallen.

    Also: wie gehen wir nun damit um, dass wir bei weitem nicht nur Berichte traumatischer Erlebnisse in Bezug auf körperliche Züchtigung zu hören bekommen? Konzentrieren wir uns – weil es zur Zeit politisch korrekt erscheint – lieber auf eine Seite und ignorieren die andere? Oder sind wir bereit uns das ganze Bild anzusehen und festzustellen, dass körperliche Züchtigung und Gewalt zwei paar Schuhe sind?

    Charly

  2. @Charly

    Die Bibel wurde nicht von Gott selbst geschrieben, sondern entstand in einem Prozess. Irgendwann kam es zur Kanonbildung, dh man wählte gewisse Bücher aus, andere kamen nicht in den Kanon.
    Die aufgenommenen Bücher enthalten sicherlich viel Gotteserkenntnis von vielen Menschengenerationen. Dennoch müssen diese Gedanken immer wieder neu ausgelegt und auf die aktuelle Lebenssituation hin überprüft werden.
    Es geht dabei nicht darum, die Aussagen der Bibel nun völlig umzudrehen. Aber zb das Buch der Sprüche beinhaltet nun einmal Lebensweisheiten – das sind zu einem großen Teil einfach gesammelte menschliche Weisheiten.
    Die Evangelien sehe ich anders, übrigens. Aber hier, bei den Sprüchen beispielsweise, ist es durchaus sehr angesagt, das auf den aktuellen Lebenskontext und die Lebenswirklichkeit anzuwenden und zu akutalisieren.
    Und in unserer westlichen Pädagogik – zumindest in Deutschland glücklicherweise – haben Schläge – zumindest offiziell – nichts mehr zu suchen. Das halte ich für absolut richtig.
    Man kann auch verbal und durch sein Verhalten einem Kind oder Jugendlichen klarmachen, was Sache ist.
    Und wenn man es nicht kann, dann sollte man es lernen – anstatt zu schlagen. Also man sollte sich selbst verbessern, anstatt agressiv zu werden gegenüber Schwächeren, nur, weil man manche Situationen nicht zu handlen gelernt hat.
    Denn ist es nicht auch eines der ganz zentralen Gebote, sogar das zweit-zentralste Gebot Jesu überhaupt: den Nächsten lieben wie sich selbst ? (Voraussetzung: man muss sich selbst natürlich auch lieben, damit das funktionieren kann).

  3. @ Charly
    ich widerspreche entschieden und halte auch nichts von der Unterscheidung zwischen Züchtigung und Gewalt. Damit ist ja wohl gemeint, dass Züchtigung legitimierte, berechtigte Gewaltausübung darstellt, also letztlich “gute” Gewalt.

    Ich finde andererseits auch nicht, dass eine oder mehrere Ohrfeigen gleich traumatische Folgen haben müssen. Es geht mir mehr darum, dass elterliche Gewaltausübung immer einen Mangel an alternativen Grenzsetzungsmöglichkeiten darstellt. Dem Mangel kann man – wenn man will – durch Information abhelfen. Es gibt genügend Bücher, Elternkurse etc., die demjenigen der Alternativen sucht, andere Möglichkeiten zeigt.

    Das Schlimme an körperlicher Gewalt sind für den Betroffenen die Gefühle von Ohnmacht, Scham und unterdrücktem Zorn, die verborgen werden müssen und dort zu Verhaltensstrategien führen. Strategien, die entweder im Hinnehmen und Ducken oder in Rache und Verachtung münden. Das vor allem ist das Negative an körperlichen Strafen in Beziehungen.

    Stellen Sie sich einfach vor, Ihre Partnerin würde Sie wegen einem Verhalten, das ihr nicht passt, ohrfeigen. Oder Ihr Chef. Oder ein langjähriger Kunde. Welche Auswirkungen auf die Beziehung zu demjenigen hätte es? Vor allem, wenn derjenige sich rechtfertigen würde mit Erklärungen wie “Das musste jetzt sein!” oder “Sie wissen genau, dass Sie das verdient haben.”

    Danke für Ihren Kommentar.

  4. in einem erziehungsseminar bespachen wir auch die obige thematik. die referentin fragte dann uns zuhörer, wer denn als kind körperlich gezüchtigt wurde. cirka 95 prozent hoben die hand. als nächstes frug sie uns, wer denn meinen würde, davon einen bleibenden schaden davongetragen zu haben. die antwort: keiner hob die hand.
    ich will damit nicht beweisen, das körperliche züchtigung richtig sei.
    aber:
    wir als eltern bekommen kinder von gott anvertraut, die wir erziehen sollen. nun halte ich es für unpraktikabel, einem kleinstkind vorträge zu halten, um es intellektuell in eine richtung zu beeinflussen. für kleine kinder funktioniert das leben manchmal herrlich einfach. schreien, auf den arm genommen werden, zu trinken bekommen – das sind einfache mechanismen, die es im kleinen alter begreift.
    später, wenn es kommunizieren kann, geht immer mehr übers reden, über logische konsequenzen, übers argumentieren.
    aber meine frage bleibt: wo beginnen und enden die erziehungsmethoden? eine tomatenpflanze kann sich nur wirklich entwickeln, wenn sie an einen stützstock angebunden wird und ihr auch die falschen treibansätze ausgegeizt werden. als gärtner empfindet man so einen stock als sehr hilfreich für die pflanze. als tomatenpflanze sträubt man sich sicher gegen die beschneidung der vermeintlichen freiheit. tja, was richtig machen?
    wir haben vor vielen jahren unsere eigenen kinder auch anfänglich mit schlägen erzogen (weil wir es gar nicht anders aus eigenem erlebnisfeld kannten), wenn sie wieder und wieder ihre grenzen austesten wollten. mit zunehmendem alter und dem möglichen intellektuellen austausch mit ihnen waren die drastischeren massnahmen gar nicht mehr notwendig. dann griffen mehr und mehr die logischen folgen von nicht eingehaltenen normen und absprachen.
    heute haben sie selber kinder und bestätigen uns, dass ihnen die strenge nicht dauerhaft geschadet hätte.
    aber danke für den artikel, der ja auch aufzeigt, wie hilflos und übermässig strafend manche eltern ihren kindern einen bleibenden schaden zufügten – und darüber muss gesprochen werden.
    genauso wie über die kinder oder die generation, die bewusst antiautoritär „erzogen“ wurde – die ergebnisse bringen jeden unternehmer immer wieder horrende probleme, weil diese „kinder“ sich oft überhaupt nicht in ein team einaordnen können.

    p.s. im übrigen glaube ich wie charlie, dass die bibel gottes wort und botschaft an uns menschen ist und kein zusammengesetztes mythenbuch, ähnlich der märchen der gebrüder grimm. gott, der den menschen erschaffen hat, weiss auch wie er funktioniert. egal, ob vor 3000 jahren oder in der jetztzeit, ganz unabhängig von den jeweiligen „neuen“ erkenntnissen der modernen psychologie. das ist ein hilfreiches wissen…

  5. Ich denke auch nicht, dass die Bibel ein Mythenbuch ist. Allerdings würde ich die „Sprüche“ ein wenig anders gewichten.
    Generell ist in der Bibel viel Gotteserfahrung durch Menschen ausgedrückt, so denke ich. Da kann auch mal etwas zeitgebunden sein, glaube ich, zumindest hier beim Sprüchebuch.
    Allerdings hat da jeder seine eigene Bibelbetrachtung, die man jedem auch irgendwo wohl lassen muss.
    Für mich ist es so, wie ich geschrieben hab, aber Du darfst natürlich gern eine andere Ansicht dazu haben.

    Schönen Tag 😉

  6. Avatar von Charly

    Auch für mich ist die Bibel ohne Abzüge Gottes geoffenbartes Wort. Das bedeutet nicht, dass ich sie dumm und naiv lese und jegliche historischen Bezüge etc. ausklammere. Aber sich einfach einem Anspruch aus dem Wort Gottes zu entziehen, indem man diesen als „veraltet“, „für uns nicht relevant“, etc. betitelt, empfinde ich für einen Christen als sehr naive Haltung. Soweit dazu.

    andy55 hat uns hier schon einen Gegenbeispiel aus dem Seminar gebracht. Solche können wir nun Zuhauf finden oder erproben – zumeist werden wir genau dieselben Erfahrungen machen, wie andy55.

    Es gibt sehrwohl einen ganz klaren Unterschied zwischen Gewalt und Züchtigung. Züchtigung muss besonnen und zielgerichtet und in deutlichen Grenzen geschehen. Wann immer jemand in Wut und Rage sein Kind züchtigen will, steht er in der großen Gefahr gewalttätig zu werden.

    Ok, machen wir eine weitere Gegenprobe:
    Welche Art der Erziehung bringt mehr Gewaltbereitschaft bei den Erzogenen hervor? Wenn wir uns in unserer Gesellschaft um eins sicher sein können, dann das, dass die „gewaltfrei“ erzogenen Kinder zu extrem höherer Gewaltbereitschaft tendieren, wie die angeblich durch „Gewalt“ erzogenen. Eben dieselben zeichnen sich auch darin aus, dass sie weder für sich noch im Umgang mit anderen ihrer Grenzen sicher fühlen – beständig werden Grenzen überschritten und dadurch Konflikte erzeugt. Ein paar Gespräche mit Lehrern und Lehrherren geben darüber reichlich Auskunft. Gibt uns das eigentlich nicht zu denken? Insbesondere die Opfer der „antiautoritären Erziehung“ (Ja ich nenne sie Opfer, weil sie sich selbst so empfinden), klagen darüber, dass ihnen verwehrt wurde als Kinder rechtzeitig Grenzen kennenzulernen.
    Hier vergesse ich auch nie eine Karikatur, in der eine solche antiautoritär erziehende Mutter vor einem Kleinkind hockt, das ein anderes Kind geschlagen hat und dieses fragt: „Sollen wir darüber reden?“
    Es ist schlicht an jeder Realität vorbei, wenn man meint alles wäre durch Reden, etc. in der Erziehung zu meistern.

    Das Problem das ich Heute sehe ist nicht, dass Kinder unter Umständen auch durch körperliche Züchtigung erzogen werden, sondern ich sehe das Problem darin, dass die heute erziehende Generation aus eigenem Erleben keine gute Grenzsetzung mehr kennt. Ich beobachte sie regelmäßig, die bis an die Schmerzgrenze brüllenden jungen Mütter, oder die vor Scham hinter dem Einkaufswagen versinkenden Mütter, weil ihr Kind frenetisch im Kaufhaus brüllt, etc. Ich beobachte immer wieder Mütter, die nie wirklich klare Grenzen für sich erfahren haben und infolgedessen auch nicht wissen, wie sie diese ihren Kindern vermitteln sollen.
    Kein Wunder, wenn bei solchen Eltern Züchtigung sehr schnell in Gewalt ausufert. Aber sehen wir doch genau hin: die von diesen Eltern ausgeübte „gewaltfreie“ Erziehung ist zu oft eher dahin tendierend ein Auswuchs psychischer Gewalt zu sein – mit dem Kinder nun ganz und garnicht umgehen können. Eine Mutter, die zB tagelang nicht mit ihrem Kind redet oder körperliche Zuwendung verweigert ist um Längen grausamer wie eine Mutter die unter Umständen ihrem Kind auch mal eine Ohrfeige gibt. Die Ohrfeige wird das Kind richtig zuordnen können, das andere kann kein Kind verstehen.

    Um es klar zu stellen: Ich bin ebenso ein Feind völlig überflüssiger körperlicher Züchtigung. Erst recht bin ich ein Feind von Gewalt gegen Kinder. Es ist aber völlig weltfremd jede körperliche Strafe als traumatische Erfahrung für Kinder darstellen zu wollen.

    Da ich selbst beratend arbeite und auch Seminare gebe weiß ich, dass man als Referent bei bestimmten Themen ganz leicht eine Atmosphäre erzeugen kann, in der sich bald Jeder als Betroffener empfindet. Ja man kann es sogar soweit bringen, dass Menschen „Erinnerungen“ hervorrufen, die garnichts mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Dazu gibt es auch genügen psychologische Studien. Deshalb möchte ich hier Herrn Kopp-Wichmann mal fragen, ob er sich sicher ist, dass er es nicht selbst ist, der mit seiner einseitigen Einstellung in seinen Seminaren solche Bekundungen fördert und woher er sich so sicher sein will, dass alle diese Erinnerungen auch tatsächlich echte sind? Wenn ich als Referent nur eine Sichtweise habe und gestatte, wie will ich dann sicherstellen, dass ich bei den Teilnehmern nicht nur das erzeuge, was ich erwarte? Darauf erwarte ich hier keine Antwort, hoffe aber, dass Herr Kopp-Wichmann sich diesbezüglich noch einmal reflektiert. Der obige Artikel weckt bei mir nicht nur Widerspruch, sondern auch Bedenken, ob denn diese Intensivseminare empfehlenswert sind. Nicht weil ich die Seminare von Herrn Kopp-Wichmann kennen würde oder gar beurteilen könnte, sondern weil ich schon viel zu viele laienhafte bist stümperhafte Seminare über sensible Themen erleben musste. Das hat bei mir zu einem Besinnen geführt und dazu, dass ich nicht mehr bereit bin, bestimmte Entwicklungen in Seminaren zuzulassen, in denen ich verantwortlich mitarbeite.

    Züchtigung und Gewalt gegen Kinder ist kein einfaches Thema und ist meiner Meinung nach deshalb auch nicht so einfach und einseitig darzustellen.

    Charly

  7. Avatar von klausimausi
    klausimausi

    Züchtigung ist keine Gewalt?
    Gewalt schadet nicht?
    Eine Ohrfeige macht nix? Oder ist gar manchmal nötig?

    Warum höre ich im Zusammenhang mit Kindern immer Aussagen wie: Erziehung, Druck, Disziplin, Folgsamkeit usw., nur gaaaanz selten aber: Liebe, Verständnis, Da-Sein, Verläßlichkeit, Stärken?

    Es gibt ganz neue medizinische Forschungen, die beweisen, daß Mißhandlungen (und dazu gehört auch die „notwendige“ Ohrfeige) sich als Veränderungen im Gehirn zeigen und in bildgebenden Verfahren gezeigt werden können. Soviel zum Thema „hat nicht geschadet“.

    Warum werden Kinder unterdrückt, in ein Schema gepresst, gnadenlos den Erwartungen von Erwachsenen unterworfen? So können sich keine freien, unabhängigen, fröhliche Menschen entwickeln. So entwickeln sich Steigbügelhalter, Ja-Sager, Duckmäuser – so wurden die Nazi-Anhänger erzogen.

    Übrigens ist auch die Mißachtung, das Nicht-mehr-miteinander-sprechen eine Züchtigung und Gewalt, ebenso Niedermachen und Demütigen oder Beschämen. Behandelt man einen Hund so, wird er über kurz oder lang beißen. Und mit was? Mit Recht..

    Ganz perfide wird es, wenn auch noch Gott und sein angebliches Wort in der „Heiligen Schrift“ als Zeuge herhalten müssen. Da kann man ja gar nicht widersprechen, wer wollte denn schon gegen Gott opponieren? Aber ein Gott, der sich nur durch Anwendung von Gewalt, Beschämung, Demütigung und Zwang definiert ist kein Gott, sondern eine erbärmliche Erscheinung. glücklicherweise ist dies nur eine Erfindung von machtgeilen Patriarchen, die ihre Sicht der Dinge in einem sog. heiligen Buch festgehalten haben, um damit die Menschen zu beherrschen.

    Meine Tochter hat nie Gewalt erlebt und kann sich trotzdem in Gemeinschaften einfügen – vielleicht besser als die sog. “ gut Erzogenen“.

    Merke: Nicht Gewalt, sondern Liebe ist der Weg. Dass dies ausgerechnet bibeltreuen Lesern nicht bewußt ist, wirft m. E. ein schräges Bild auf das Christentum. Aber wie gesagt ,das ist meine Meinung. Die behalte ich auch gerne, die muß niemand teilen.

    Nur Schlagen, das ist unter aller Sau.

    der nichtschlagende klausimausi

  8. ich finde den austausch interessant. es gibt immer wieder verschiedene argumente für die eigene überzeugung. das ist doch prima.
    was ich nicht so prima finde ist die schwarz-weiss-malerei.
    niemand schlägt nur ständig sein kind. und niemand hat jederzeit seinen eigenen liebestank so gefüllt, dass er nur liebe-pur an sein kind weitergeben kann. liebe kann auch schwächlich sein, wenn es sich z.b. von kindern drangsalieren und bestimmen lässt.
    und bitte, klaus, dichte gott nicht nur grausame eigenschaften zu. wer ehrlich bibel liest, der wird an extrem vielen stellen eben auch die liebende seite gottes erkennen. als auch seine heilige seite.
    diese diskussion hier bei theolounge kann niemals alle aspekte von erziehung, liebe oder gewalt zu kindern abdecken.
    dazu sind die personen zu unterschiedlich geprägt und zusammengestellt.
    was ich gut finde: gegen gewalt und autoritätsmissbrauch – in welcher form auch immer – sollte immer vehement vorgegangen werden. und zur aufmerksamkeit, freundlichkeit, körperliche kontakte zu kindern ermutigt werden.

    noch ein gestern erlebtes beispiel: wir unterhalten uns in einer ausstellung, da kommt ein zirka 4-jähriges kind zu meinem gesprächspartner und unterbricht lautstark unsere unterhaltung, stösst sogar gegen vaters beine. der nahm töchterchen mit einem festen griff hoch, so dass ihre augen seinen gegenüber waren, und sprach bestimmt: „XY, ich unterhalte mich gerade. warte bitte, bis wir fertig sind. ich komme dann zu dir.“ die grossen augen des kindes zeigten, dass sie die grenze erfasst und akzeptiert hatte…
    mich beeindruckte diese kurze szene. kein schlagen, aber liebevoll und klar grenzen aufgezeigt – das war ein gutes mittel.

  9. Avatar von Anonym

    Ich bin als Kind auch „geschlagen“ worden und ich bin auch eine von denen, die sagen „es hat mir nicht geschadet“.
    Mein Vater war früher sogar recht jähzornig und hat mich ein paar Mal aus seiner Wut heraus versohlt (allerdings niemals mit irgendwelchen Gegenständen, was ich auch für völlig inakzeptabel halte!) – allerdings hat er sich dann später am Tag unter Tränen bei mir entschuldigt. Und das ist es, was bei mir hängengeblieben ist.

    Ich finde, man MUSS zwischen „Züchtigung“ und GewaltMISSBRAUCH unterscheiden. Einem Zweijährigen Kind kann man nicht mit Erklärungen kommen. Ich selbst habe meinen Kindern in manchen Fällen auch den Hintern gehauen, um sie zu erziehen, aber ich meine, dass das ein Mittel ist, was nur bei Kleinkindern adäquat ist. Ich habe mir immer gesagt, solange sie eine Windel tragen, ist es ok. Mit drei Jahren kann man Kinder auch schon mit Erklärungen überzeugen, aber bei ganz Kleinen ist das unmöglich. Und wenn sie ein NEIN nicht akzeptieren, muss man es eben auch mal mit einem Klaps auf die Finger oder auf den Po bekräftigen.

    Ich finde es fatal, dass man Eltern mit dem „Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung“ ein wichtiges Instrument aus der Hand genommen hat, denn nun werden viele Eltern aus Hilflosigkeit zu seelischer Gewalt greifen, und die halte ich für wesentlich folgenreicher.
    Oder sie erziehen gar nicht mehr, was noch viel schlimmer ist – ich weiß ein Lied davon zu singen, denn ich sehe die Resultate im Kindergarten…

  10. Avatar von klausimausi
    klausimausi

    Okay, Leute, eines möchte ich wissen: wer von euch ist damit einverstanden, bei einem Fehler einen Faustschlag vom Chef/Frau/Kollegen zu bekommen? Keiner? Warum denn nicht, eben schreibt man doch, wie wichtig das manchmal ist. Oder eben nur bei anderen, bei Kleinen, die sich nicht wehren können?!

    Zu andy 55: die großen Augen des erwähnten Mädchens zeigen mir auch, daß es etwas verstanden hat. Es hat nämlich verstanden, für den Vater nicht wichtig zu sein. Es wurde zurückgesetzt und vor Publikum zurechtgewiesen – ein Vorgang, für den ein Vorgesetzter massive Probleme am Arbeitsplatz bekommen würde; zurecht.

    Kinder zu schlagen ist keine Lösung; sie ernst nehmen schon. Wie sollen denn bitte selbstsichere Menschen aus ihnen werden, wenn schon die Eltern ihnen suggerieren: du bist im Moment nicht gefragt, andere(s) ist wichtiger. Nur sichere Kinder sind ruhige Kinder. Übrigens kann man durchaus ohne Schläge Grenzen setzen, Kinder merken nämlich, wann man es ernst meint. Leider sind die meisten Erwachsenen nicht konsequent, und so kommt es zu Mißverständnissen – die dann wieder mit Ohrfeigen geahndet werden.

    Auch Liebesentzug ist keine Lösung, sowenig wie Demütigung und Beschämung. Komisch, daß der Blick auf unsere Kinder immer so negativ ausfällt. Liegt es vielleicht daran ,daß sie keine guten Vorbilder haben? Denn: Erziehung heißt vorleben, alles andere ist Dressur.

    Und ich setze noch einen drauf: Wenn Schläge (und Demütigungen) die Antwort sind, dann stellen wir die falschen Fragen.

    Gott habe ich nicht ins Spiel gebracht, das waren andere. Aber auch hier überwiegen die negativen Beispiele; diese werden aber auch immer gern genannt. „Wer die Rute schont …usw.“ – ja, gehts noch? Nur weil dieser durchgeknallte Salomon – der historisch nicht mal nachweisbar ist – so etwas gesagt haben soll, werden heute noch Kinder geschlagen? Warum reitet dann niemand mehr auf Eseln, wo doch Jesus himself auf einem geritten ist. Der hatte auch kein Auto, und trotzdem fahren heute viele eines. Oder ist das was anderes?

    Ich bleibe dabei: Schläge und Demütigungen sind keine Erziehung, sondern eine Bankrotterklärung. Und wenn der Vater dann tränenüberstömt vor einem kniet: was fühlt man da? Mitleid? Erleichterung? Verachtung?

    Zum Schluß möchte ich noch ein Zitat von Astrid Lindgren erwähnen: „Kinder, die nicht geliebt werden, werden Erwachsene, die nicht lieben können.“

    Aber schlagen können sie…

    klausmausi, schlagfrei

  11. Avatar von harey

    Hallo,

    soweit ich mich errinere wurde ich als Kind ein paar mal geohrfeigt. Wenn ich jetzt daran zurueck danke hatte ich nicht das Gefuehl mir wuerden „GRenzen aufgezeigt“, ich hatte das Gefuehl meine Eltern wuessten in diesem Moment nicht was tun, dadurch glaube ich dass die Ohrfeige gerade das Gegenteil von dem bewirkt hat was sie bewirken sollte.

    Wer sein Kind ohrfeigt bringt ihm nur bei in problematischen Situation die Beherrschung zu verlieren. Ich denke dass so etwas dazu fuehrt dass Kinder den Respekt vor ihren Eltern verlieren. Das ist meine Meinung.

    Ich denke es gibt nur eine Situation in der „Gewalt“ gerechtfertigt ist. Das ist meiner Meinung nach wenn das zweijährige Kind einen Topf mit kochendem Wasser vom Herd zieht, ich denke in dieser Situation wuerde jedes liebende Elternteil das Kind ein bisschen grober anpacken um schlimmeres zu verhindern.

    Gruesse

    harey

  12. Avatar von Charly

    Es tut mir leid, klausimausi, aber die völlig überzogene Unsachlichkeit deiner Beiträge macht es mir unmöglich darauf sachlich zu antworten. Daher sieh es mir nach, dass ich lieber auf weitere Antworten auf solche Polemik verzichte 🙂

    Ich antworte jetzt, weil eben genau diese überzogene Polemik oft als „sachliche Diskussion“ bei diesem und anderen emotional reizenden Themen bezeichnet wird. Die Realität scheint dabei keine wirkliche Rolle zu spielen – leider auch bei den Resultaten für unsere Kinder bei diesen überzogenen Sichtweisen nicht. Leiden tun darunter unsere Kinder – was für mich nicht akzeptabel ist.

    Charly

  13. @alle

    Um mich zu positionieren:

    ICH lehne jegliche körperliche Gewalt gegenüber Schwächeren, insbesondere Kindern, ab. Zudem auch psychische Gewalt und Grausamkeit.
    Ich denke auch, dass sie sich keineswegs durch die Bibel legitimieren lässt, wenn man sie sinnvoll liest.

    Zum Verständnis der Bibel hier etwas recht sinnvolles:

    http://theolounge.wordpress.com/2008/01/30/ist-die-bibel-gottes-wort/

  14. Hallo,
    als Autor des Beitrags freue ich mich über die engagierte und kontrovers geführte Diskussion. Einige Anmerkungen dazu aus meiner Sicht:
    @Charly
    Hallo Charly,
    ich widerspreche entschieden und halte auch nichts von der Unterscheidung zwischen Züchtigung und Gewalt. Damit ist ja wohl gemeint, dass Züchtigung legitimierte, berechtigte Gewaltausübung darstellt, also letztlich “gute” Gewalt.

    Ich finde andererseits auch nicht, dass eine oder mehrere Ohrfeigen gleich traumatische Folgen haben müssen. Es geht mir mehr darum, dass elterliche Gewaltausübung immer einen Mangel an alternativen Grenzsetzungsmöglichkeiten darstellt. Dem Mangel kann man – wenn man will – durch Information abhelfen. Es gibt genügend Bücher, Elternkurse etc., die demjenigen der Alternativen sucht, andere Möglichkeiten zeigt.

    Das Schlimme an körperlicher Gewalt sind für den Betroffenen die Gefühle von Ohnmacht, Scham und unterdrücktem Zorn, die verborgen werden müssen und dort zu Verhaltensstrategien führen. Strategien, die entweder im Hinnehmen und Ducken oder in Rache und Verachtung münden. Das vor allem ist das Negative an körperlichen Strafen in Beziehungen.

    Stellen Sie sich einfach vor, Ihre Partnerin würde Sie wegen einem Verhalten, das ihr nicht passt, ohrfeigen. Oder Ihr Chef. Oder ein langjähriger Kunde. Welche Auswirkungen auf die Beziehung zu demjenigen hätte es? Vor allem, wenn derjenige sich rechtfertigen würde mit Erklärungen wie “Das musste jetzt sein!” oder “Sie wissen genau, dass Sie das verdient haben.”

    Danke für Ihren Kommentar.

    @andy55: Ich habe die Aussage „die Schläge haben mir nicht geschadet“, schon oft gehört. Das hat ja auch immer etwas damit zu tun, wie sehr man sich selbst überhaupt kennt und Verbindungen fühlen und verstehen kann zwischen der eigenen Herkunft und dem heutigen Leben.

    Ich verstehe diesen Satz meist als Versuch, einen inneren Loyalitätskonflikt aufzulösen. Denn auf der einen Seite sind da die guten Eltern, denen man dankbar ist. Und dann gibt es da die „schlechte Seite“ wo man unter verschiedenen Eigenschaften von ihnen (es geht ja nicht nur um Schläge) gelitten hat. Das ist schwer innerlich zu vereinen.

    Besser auflösbar wäre dieser innere Konflikt, wenn es möglich wäre, mit den Eltern als Erwachsene darüber zu sprechen. Idealtypisch könnten dann die Eltern einsehen, dass die Prügel keine Erziehungsmaßnahme waren, sondern Ausdruck der eigenen Überforderung in diesen Situationen. Vielleicht könnte es ihnen auch leid tun und vielleicht könnten sie sich nachträglich entschuldigen. Dann würde man als Erwachsener sehen können, dass auch die großen Eltern von damals Menschen sind, mit Vorzügen und Fehlern. Und dann könnte man sich vielleicht umarmen und es wäre gut.

    Diese emotionale Konfrontation in der Beziehung vermeidet man natürlich, wenn man überzeugt ist, es gibt gar nichts zu besprechen, denn „es hat mir gar nicht geschadet.“

    Danke für Ihren mutigen Kommentar.

    @Anonym: Danke für Ihren Kommentar und Ihre Offenheit. Ihre Meinung, dass man Kinder bis zu drei Jahren schlagen darf, für falsch. Auch kleine Kinder reagieren auf Worte, auf Tonfall und auf Festhalten, das aber nicht überwältigend sein darf.

    Natürlich ist auch seelische Gewalt grausam und schädlich. Ein Elternteil, der ein Kind als Strafe stunden- oder tagelang ignoriert, handelt kaum besser als derjenige der schlägt.

    Wichtig zu verstehen scheint mit, dass das Schlagen aus der Hilflosigkeit des Elternteils entsteht, nicht durch das Schreien des Kindes oder dessen “Ungezogenheit”. Es geht immer um verschiedene Möglichkeiten des Grenzensetzens auf der einen Seite und um positive Beziehungsangebote auf der anderen Seite. Eine gute Nachhilfe gibt es ja jede Woche in der empfehlenswerten Sendung “Supernanny”.

    @harey: Strafen helfen selten auf den Weg des Guten. Sonst gäbe es ja in unseren Gefängnissen keine Wiederholungstäter. Das Problem bei Strafen ist ja auch: man muss mit der Zeit die “Dosis erhöhen”. Wenn trotz der Ohrfeige das Kind wieder das Gleiche macht, was dann? Dann braucht man statt der Ohrfeige eine andere Strategie. Hat man die nicht, greift man eben zu härteren Strafen. Das ist die fatale und absehbare Entwicklung, wenn man einmal in die Gewaltspirale eingestiegen ist.

    Danke für Ihren Kommentar.

  15. Avatar von Charly

    Also ich versteh das schon richtig, oder? Wer bei sich keinen psychischen Schaden aufgrund der erfahrenen Züchtigung durch seine Eltern feststellt, verdrängt diesen nur? Sorry, aber was soll das denn sein? Die erfolgreiche Verdrängung aller auch psychologischen Erkenntnisse, die die eigene Meinung nicht stützen?

    Ich muss sagen, dass es mich doch erschüttert zu sehen, dass sie, Herr Kopp-Wichmann, anscheinend nur in Schwarz-Weiß denken, oder täusche ich mich gerade so? Es gibt nur Gewalt, keine Erziehung durch körperliche Züchtigung? Jeder der seinem Kind einen Klaps auf die Windel gibt, ist eigentlich mit einem brutalen Schläger zu vergleichen, weil das ja eigentlich alles dasselbe ist?

    Da kommt dann das Argument, dass man ja auch nicht vom Ehepartner geschlagen werden will, etc. Wie sinnvoll ist das? Wie realistisch? Ist jeder, der körperliche Züchtigung in einem engen Rahmen befürwortet auch nicht fähig zu erkennen, dass alle Erziehung zu einer psychischen Reife führen soll? Dazu dass das Kind lernt Grenzen zu erkennen, diese einzuhalten und befähigt werden soll, eben gerade nicht mit Ohnmacht und daraus resultierender Gewalt in Konflikten zu reagieren?

    Dazu gäbe es noch etliches zu sagen, aber mir scheint, das politisch korrekte Weltbild sitzt so fest, dass kein Argument hilft 🙁

    Entschuldigen sie bitte wenn ich darauf hinweise, aber ich empfinde es als unhöflich Jemanden, der sich in diese Diskussion hier umfangreich einbringt, lediglich mit einer kopierten Antworten zu begegnen 🙁

    Nein, ich kann ihre Meinung nicht im realen Leben wiederfinden. Da ich in meiner Beratungstätigkeit auch schon mit echten Opfern elterlicher Gewalt zu tun hatte, empfinde ich ihre überzogene Darstellung geradezu als eine erneute Demütigung solcher Opfer und eine Stigmatisierung aller, die ihre Kinder mit sehr viel Liebe, hohem Verantwortungsbewusstein und eben nicht mit modernen, politisch korrekten Erziehungsmethoden erzogen haben.

    Zudem empfinde ich dieses sehr bewusste Wegsehen von eigentlich nicht zu übersehenden gesellschaftlichen Entwicklungen – die durchaus in einem gewissen Rahmen mit der Veränderung der Erziehungsmethoden hinterfragt werden kann – für Niemanden nützlich, wenn nicht sogar schädlich. Es ist nun wirklich nicht zu übersehen, dass ein Ergebnis der „gewaltfreien“ Erziehung unter anderem extrem gesteigerte Gewaltbereitschaft bei den so Erzogenen aufzeigt.

    Aber was wiederhole ich mich hier? Ich denke ich habe gesagt, was ich sagen wollte. Somit wünsche ich ihnen allen Segen Gottes und gerne etwas mehr Weisheit.

    Charly

  16. Hallo Charly,
    Sie haben Recht, Sie wiederholen sich – und auch könnte mich nur wiederholen.
    Aber danke für den Segen.

  17. Avatar von Marianne
    Marianne

    Hallo Charly,
    ich bin als Kind schon sehr früh von meinem Vater (z.T. im Auftrag meiner Mutter! ) geschlagen worden, das passierte regelmäßig ( bei sog. Widerworten oder gezeigte Respektlosigkeit gegenüber meiner Mutter oder meinem Vater ) bis ich zurückschlug. Ich war dann 16 J + hatte 7 Jahre Kampfsport hinter mich gebracht. Danach hörte mein Vater auf. Warum ?

    Wenn es doch Ihrer Meinung nach sinnvoll ist, zu züchtigen; warum hörte er denn auf, wenn ich ebenfalls gemäß Ihrem zitierten Gebot von eben der Züchtigung aus eben den gleichen Gründen ( mangelndem Respekt ) Gebrauch machen konnte? Ich war (+bin) ein zierliches Mädchen aber so voller WUT + Verachtung gegenüber meinen Eltern (genau wie Roland es beschreibt), dass ich Bärenkräfte entwickelte, die mir keiner zutrauen konnte.

    “Was Du nicht willst, das man dir tut, das tue auch keinem anderen” – das ist ein Spruch aus dem Neuen Testament abgeleitet, welches mir in ganz jungen Jahren den liebenden gütigen barmherzigen Gott (aus den Gleichnissen des NT lässt sich ja wohl nur schwer anderes hineininterpretieren , oder sehen Sie in der Gestalt Jesus etwa den zornigen strafenden dominanten Prinzipienreiter ? Einmal wird er als zornig beschrieben, wenn es um Heuchelei geht) als tröstender Begleiter offenbarte. Mein Gottesbild hat sich seitdem auch nicht geändert.

    Mir dreht sich auf Grund meiner Erfahrungen einfach nur der Magen um, wenn Sie sich auf “Gott” als Fürsprecher einer positiven Züchtigung berufen. Und… wer gegen diese ist, ist nicht automatisch FÜR die sog. antiautoritäre Erziehung. Das ist eine Unterstellung, die nicht kommentiert zu werden braucht.

  18. Avatar von Charly

    Hallo Marianne,
    sie machen dasselbe wie andere: sie lesen in meine Worte das hinein, worauf sie sich schon lange zuvor festgelegt haben. Sie antworten offensichtlich nicht mir, sondern einem Feindbild, das sie zu haben scheinen.

    Wovon sie berichten, das nenne ich Gewalt gegen Kinder und nicht Züchtigung.
    Mein Gottesbild ist lange nicht das des strafenden Gottes. Aber ich mache eben auch nicht die Augen davor zu, dass uns die Bibel auch von dem gerechten Gott berichtet, der auch strafen wird.
    Der liebende Gott hingegen drückt zB im Hebräerbrief deutlich aus, dass er seine Kinder erzieht – und zwar dort mit der Umschreibung: Hebräer 12:6 Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.»
    Nun steht es ihnen frei, solche Abschnitte aus ihrer Bibel zu entfernen oder solange an ihnen herumzudeuten, bis von ihnen nichts weiter übrig bleibt. Sie können aber diesen Text auch genau studieren – zB auch vom Grundtext her. Und sie können sich Gedanken dazu machen, warum denn wohl sowas über Gott berichtet wird und was das tatsächlich meint.
    Die Bibel macht zB einen Unterschied zwischen Strafe – die lediglich die Folge von Fehlern etc. ist – und Züchtigung/Erziehung – welche ausnahmslos nicht nach hinten schaut sondern in die Zukunft dessen, der erzogen wird. Explizit steht in der Bibel, dass Gott seine Kinder nicht straft – auch wenn es in manchen Übersetzungen so scheint (siehe Grundtext) – sondern er erzieht / züchtigt seine Kinder. Was ein enormer Unterschied ist – wenn man denn überhaupt bereit ist, sich den anzusehen.

    Solange sie ein solches pervertiertes Bild von Erziehung haben, wie es seit geraumer Zeit propagiert wird, werden sie nicht in der Lage sein, Erziehung von Strafe oder gar Gewalt zu unterscheiden. Wir können uns entscheiden völlig verzerrte einseitige Sichten zu glauben, oder wir können uns bemühen solche Themen intelligent anzugehen. Letztlich liegt es bei uns.

    Mir „dreht sich der Magen dabei um“, wenn ich sehen muss, wie verantwortungsvolle Eltern als „Gewalttäter“ stigmatisiert werden, nur weil man blind hinter Trends herrennt ohne mit Verstand zu prüfen, was wirklich daran ist und was die tatsächliche Frucht dieser „neuen Erkenntnis“ ist. Und ich finde es verantwortungslos dann auch noch zu behaupten, wer keine psychischen Schäden durch jede Ohrfeige durch seine Eltern erlebt, würde diese lediglich verdrängen.

    Ehe sie sich weiter aufregen: Ich bin ein strikter Feind von Gewalt gegen Kinder, resp. aller Gewalt. Ich bin aber ebenso nicht bereit, meinen Verstand und meine Beurteilungsfähigkeit zugunsten pseudopsychologischer Trends abzulegen. Fakt ist, dass die Ergebnisse ernstzunehmender psychologischer Studien eine solch einseitige Haltung, wie hier vertreten, nicht stützen.

    Mein Appell wäre: Statt sich gedanklich nur in Extremen zu bewegen, sollten wir doch über die Realität nachdenken, die nicht so einfach mit ein paar einseitigen Sätzen zu beschreiben ist.

  19. Hallo Charly,
    schön, dass Sie weiter an der Diskussion hier teilnehmen. Inhaltlich möchte ich mich nicht wiederholen, aber die „ernstzunehmenden psychologischen Studien“ die den Wert von Züchtigung von Kindern belegen, würden mich sehr interessieren. Ganz im Ernst.

  20. Avatar von Charly

    Hallo,

    wie wäre es, in meine Worte nicht beständig etwas anderes zu legen, als ich ausgedrückt habe? Ich befürworte keinerlei Gewalt an Kindern, rede hier auch keiner Prügelstrafe das Wort noch meine ich dass man die Bibel dahingehend missbrauchen darf, solche Gewalt an Kindern zu rechtfertigen. Tatsächlich habe ich mich im Detail noch garnicht dazu geäußert, was ich außer einer Ohrfeige (die eben nachher nicht als blaue Fecken im Gesicht zu erkennen ist) und einem Klaps auf die Windel, unter Züchtigung vorstelle. Ich werde mir auch nicht anmaßen diesbezüglich verbindliche Weisungen geben zu wollen.
    So und nun, mit welchen Worten habe ich geschrieben, dass diese Studien einen Wert der körperlichen Züchtigung von Kindern belegen wollten? Ich rede von Studien, die es nun wirklich zur Genüge gibt, die die Folgen und Wirksamkeiten verschiedener Erziehungsmethoden untersuchen. Hier gibt es eben keine einheitliche Aussage, die auch nur annähernd an ihre Aussagen herankommt.

    Sie geben die Sendung “Supernanny” als „gute Nachhilfe“ an. Sollten sie nicht wissen, wie heftig umstritten gerade die dort gezeigten Erziehungsmethoden sind? Gab es dazu nicht genügend Auseinandersetzungen in den Medien? Wollen sie die dort gezeigten Methoden „gewaltfrei“ nennen? Wie „gewaltfrei“ ist das denn, wenn ein Kind mit Anwendung körperlicher Gewalt dazu gezwungen wird, auf einer Bank zu verharren oder sein völlig leergeräumtes Kinderzimmer nicht zu verlassen? Stimmt, geschlagen wurde dort kein Kind, da haben sie Recht 🙁
    Damit will ich keineswegs sagen – auch wenn es mir nachher wieder unterstellt werden sollte – dass diese Sendungen nicht auch gute Erziehungsmittel und -methoden gezeigt haben könnten. Ich bin kein Pädagoge, ich habe vielmehr mit Erwachsenen zu tun und den tatsächlichen Folgen der erlebten Kindheit. Daher eigne ich mich nicht um kompetente Erziehungsratschläge zu geben, aber von den tatsächlichen Folgen kann ich sehrwohl berichten.

    Ist das das Niveau, mit dem wir hier diskutieren wollen? Sätze inhaltlich verdrehen und auf Argumente erst garnicht eingehen? Dazu ist mir meine Zeit zu schade. Ich habe Marianne geantwortet, weil ich denke, dass ihr Beitrag diesen Respekt verdient. An einer Diskussion, in der ich hauptsächlich damit beschäftigt bin, Missdeutungen meiner Worte entgegenzustehen, habe ich kein Interesse.

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