Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Von Roland Kopp-Wichmann. Ein ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf’s Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass „es zu Hause streng zuging“ oder der Vater „ziemlich autoritär war“ oder „die Mutter keinen Widerspruch duldete“, werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der „Elternteil schlecht drauf war“, wenn „man nicht schnell genug weg war“ oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung „Das hat mir aber nicht geschadet!“
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben nun Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen – und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas „später im Leben“ nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt. Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das „Nicht-Mann-Sein“ und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: „Nur Männer schlagen!“ Oder: „Ich wollte nie so werden wie mein Vater!“
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist). Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.
  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten – im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren – ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der „Kindheits-Trance“ heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des „Was sollen denn die anderen Leute denken?“

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen. Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz („Das bildest Du Dir doch alles ein!“)

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines „Gut-für-Sich-Sorgens“ ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Was sind Ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema?

Schreiben Sie hier einen Kommentar.


Fotos: Creative Commons License photo credit: artbyheather
photocase.com: rotwild und ana.knipsolina


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Kommentare

87 Kommentare zu „Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?“

  1. Avatar von Traumafrau
    Traumafrau

    Betrifft:
    Beitrag von „philgeland“ vom 16. September 2010:

    „@Traumafrau
    Zu behaupten, es habe Dir nicht geschadet, als Kind geschlagen worden zu sein und gleichzeitig diesen Nick für Deine Kommentare zu wählen, “gibt mir zu denken”.“

    Mal abgesehen davon, dass der Beitrag schon zwei Jahre alt ist und ich nicht weiß, ob du hier noch verkehrst:

    @philgeland:

    Lies meinen Beitrag ordentlich, bevor du darauf reagierst. Ich hatte unter Anderem Folgendes geschrieben:
    „Ich bin als Kind geschlagen worden und es hat mir definitiv geschadet. Ich bin traumatisiert, auch im sexuellen Bereich. Erst jetzt mit 30 Jahren kann ich mir das
    eingestehen.“

    Ich verstehe nicht, wie jemand einen Beitrag nicht ordentlich liest und dann trotzdem Kritik übt und dem Betroffenen genau das vorwirft, was er NICHT geschrieben hat.

  2. Avatar von manuela
    manuela

    Wem es auch so ging ,das Schläge zur Tagesordnung gehörten den würde ich raten drüber zu reden sei es bei einem Psychologen oder einer anderen Person das hilft oft ,es Kann nicht heilen und vergessen, aber es hilft beim verarbeiten und man lernt sich selber zu verstehen.

  3. Avatar von Marion Krompholz
    Marion Krompholz

    Ich bin heute 56 Jahre und wurde von meiner Mutter im Alter von ca. 4-5 Jahren brutal geschlagen worden. Kleinigkeiten haben sie dazu veranlasst. Ich wurde so geohrfeigt das ich von einer Wand zur nächsten flog. Der Gummischlauch wurde auch des öfteren benutzt. Das war ein Stück Gartenschlauch. Wir waren 4 Kinder ich die Jüngste. Meinem älteren Bruder wurde mit diesem Schlauch auf den Kopf geschlagen dass das Blut spritzte. Irgendwann habe ich mir gewünscht meine Mutter wäre tot. Sie hat mich auch mit schweigen gestraft das konnte schon mal eine Woche dauern. Als kleines Kind wurde ich zum Arbeiten herangezogen, waschen, bügeln und beim kochen musste ich immer dabeistehen und helfen. Abspülen und abtrocknen. Mit 14 Jahre habe ich für eine 5 Köpfige Familie täglich gekocht da meine Mutter ganztags in der Arbeit war. Mit 16 Jahren musste ich um 19 °° Uhr zuhause sein. Mit 18 dann um 21°° Uhr. Mein Vater hat die ganze Woche hart gearbeitet und gut Geld verdient in den 60iger Jahren. Er war handwerklich ein Genie. Alles was meine Mutter wollte hat er ihr gemacht. Alles. Selbst mit 70 noch ein neues Bad selbst installiert und gefliesst. Er wurde ein Pflegefall und ist mit 85 leider verstorben. An der Pflege war ich wesentlich beteiligt. Danach war ich für meine Mutter immer da. Ich habe Ausflüge mit ihr gemacht. Sehr viel im Garten gearbeitet. Den Rasen gemäht und und und… Zum 80igen Geburtstag schenkte ich ihr einen kleinen Laptop und hab ihr eine E-Mailadresse eingerichtet und ein bischen Fit im Internet gemacht. In einem Seniorenforum hat sie einen Mann kennengelernt und irgendwann war er ganz bei meiner Mutter. Damit hatte ich überhaupt kein Problem. Sie fliegen 3-4 mal jährlich in Urlaub im Luxusstil. Seither macht sie meinen Vater so schlecht dass ich mich für sie schäme. Selbst über mich erzählt sie dem Josef so heisst ihr Selbstdarsteller, dass sie sich ein Leben lang mit mir ärgern musste. Meine Enttäuschung kann ich nicht mehr erklären. Ich habe selber 4 Kinder und schon 4 Enkelkinder. Ich liebe sie über alles. Die zwei Jüngsten sind mit sehr viel Liebe, verständnis und Geborgenheit aufgewachsen. Die zwei ältesten bekamen schon mal einen Klaps oder vielleicht mehr strenge. Aber wie meine Mutter wollte ich nie werden. Mein ältester Bruder dagegen hat seine Schläge genauso brutal an seinen Kindern weitergegeben dass der Jüngste geschrien hat. Mama bitte schlag du mich. Jemand der dieses Märtyrium nicht selbst erlebt hat kann nicht nachvollziehen wie einem dass das ganze Leben beeinflusst. Ich habe einen 14 Jahre älteren Mann. Mit 19 geheiratet. Da ging die Erziehung weiter unter Missachtung meiner Gefühle. Ich habe es nicht gelernt zu widersprechen. Alles geschluckt dann musste ich für 12 Wochen in eine psychosomatische Klinik weil ich Panikattacken in der schlimmsten Form bekam. Dieser Klinik bin ich heute noch dankbar sonst gäbe es mich heute nicht mehr. Meine Mutter ist sehr hochmütig geworden aber Hochmut kommt vor dem Fall. Jetzt will sie ihr Haus verkaufen und zu ihm nach München ziehn. Er hat dort noch eine ETW. Heute denke ich mir. Mutter lass dich ein Pflegefall werden deine Tochter besucht dich sicher nicht. Jetzt bin ich fertig mit ihr. Eltern die ihre Kinder auf so schändliche Art und Weise behandeln würde ich hart bestrafen. Kein Mensch hat das Recht einem anderen Schmerzen zu zufügen. Ich habe mich im Text noch Human ausgedrückt, es war noch schlimmer. Soviel zu Kinderseelen kaputt zu machen.

  4. Oh Gott,es tut mir sehr leid,was Sie erleiden mussten!Man glaubt immer,sowas gebe es gar nicht.

  5. Ich wurde als Kind auch geschlagen. Immer auf meine Po,mal wenn ich Kleidung an hatte und mal ohne Kleidung,ich Erinnere mich,wie ich gezappelt hatte, weil es weh tat und ich krampfhaft versuchte nicht zu Schrein.
    Auch eine andere art von Gewalt erfuhr ich in der Dusche.
    Ich wurde in die Dusche gezerrt, hin gestellt und mit eiskaltem Wasser abgeduscht.
    Auch da war es erst mit Kleidung,irgendwann ohne und ab da stellte ich mich immer in die ecke die am weitesten entfernt war und dreht mich komplett zur Wand, weil das eisige Wasser sich für mich anfühlte, wie tausend Nadelstiche. Da es immer voll aufgedreht wurde. Einmal wurde ich am Genick gepackt,ins Badezimmer gezerrt und mein Kopf wurde in die Toilette gesteckt,runter gedrückt und dann wurde die Spülung getätigt.
    Auch in dem Kindergarten,der Vorschule und den normalen Schulen erfuhr ich Gewalt. Durch ältere Kinder und gleich alte Kinder.
    Hinzu kommt, das ich zwischen meinem ersten und zweiten Jahr entführt wurde durch meine biologische Mutter. Ich kann mich aber daran zum glück nicht erinnern.
    Nun habe ich seit klein auf (und später erneut bestätigt) eine Bindungsstörung.
    Ich kann jedes Gefühl,zu dem ein Mensch fähig ist genau beschreiben,aber ich selbst, bin zu den meisten nicht fähig. Wut,Angst,Trauer,Abscheu und Glück.
    Die bekomme ich hin, aber Liebe,Vertauen und Respekt, das wichtigste für einen Menschen, dazu bin ich nicht fähig. Für mich einstehen kann ich nicht,nur für andere. Anderen mit ihren Problemen helfen kann ich eher, als mich um meine zu kümmern.
    Jahre lang glaubte ich, es sei immer meine schuld, was in meiner Kindheit geschah, das ich bestraft wurde, weil ich was angestellt hatte. Heute kann ich mich nicht daran erinnern, was getan zu haben. Alles ging von meinem Pflegevater aus.
    Ob meine Pflegemutter was bemerkt oder gewusst hat, das weiß ich bis heute nicht. Nur das ich das einzige Kind von vier war, dass das durch gemacht hat.
    Mit zwölf kam ich dort weg, weil ich es wollte(dachte ich),heute weiß ich, das auch sie mich nicht mehr wollten.
    Ich kam in ein Kinder und Jugendheim, das einige Stunden entfernt von ihnen lag.
    Dort waren Kinder und Jugendlichen, die mit Drogen,Alkohol und dem Gesetzt Probleme hatten. Bereist innerhalb des ersten Jahres versuchte ich dann drei Selbstmorde. Immer mit erhängen. Beim dritten mal hatte es fast geklappt, ich war schon blau angelaufen im Gesicht,als sie mich fanden. Danach fing ich mit Rauchen,Schnüffeln am Deospray,Ritzen und Ladendiebstählen an.
    Rauchen tu ich heute nur noch bei Stress. Schnüffeln tu ich gar nicht mehr. Ritzen erst seit knapp zwei Jahren nicht mehr(Das letzte mal stand ich nach einer heul und Depression Attacke ruhig vorm spiegel und habe mich leicht am Hals geritzt. Seit dem ich weiß, das ich da eine wichtige Hemmschwelle überschritten habe und das wieder passieren kann.Deshalb habe ich damit aufgehört.) Ladendiebstahl habe ich mit 14-15 aufgehört wegen der ganzen Sozial-stunden und Androhung vom Jugendknast. Nun bin ich 27 Jahre alt.
    Ich habe versucht Beziehungen zu führen, aber es ging immer schief, da sie nur Sex von mir wollten. Ich war zwar sehr frühreif was das angeht, wollte bereits mit neun meinen ersten Sex. Aber heute ist auch das für mich irgendwie kein Thema mehr.
    Für mich ist Sex langweilig,überbewertet,überflüssig und verzichtbar.
    Schon der Gedanke an Sex mit einem anderen Menschen macht mir Angst,weil ich auf Grund meiner Einstellung zum Sex mich nicht als normal betrachte.
    Ich lese lieber meine Bücher und sehe lieber meine Filme/Serien, um mich durch sie vor der Realität zu verstecken und in meiner Traumwelt glücklich zu sein. Auch wenn ich häufig aufwachen muss, in meiner Träumen bin ich glücklich mit einem Mann, bin selbstbewusst, stark,unabhängig,kann mich sehr gut selbst verteidigen und habe ein-zwei Kinder.
    Kurz um, da bin ich das was ich nie sein werde und habe das, was ich nie haben werde.
    Erst wollte ich einfach nur meine Geschichte hier erzählen, aber während ich das hier schrieb, wurde mir langsam klar, wie hart, wie traurig mein Leben war und ist.
    Das ich nichts für das kann, was ich an Gewalt erfuhr. Nichts kann für die Schläge, Diskriminierungen,Mobbing,Unterdrückungen,Bedrohungen,Beleidigungen.
    Ich habe dadurch nur an eine gewisses mass an Willensstärke gewonnen,an Widerstandskraft. Aber das wurde mir in den letzten zwei Jahren durch (leichtes)
    Starking von einem (guten) Arbeitskollegen auch fast alles wieder genommen.Da er ja auch das Leben meiner besten Freundin und mir bedroht hatte,mit unter.

  6. oh weh, das tut mir sehr leid, Ihre Geschichte.

  7. Avatar von Angela

    Hm… wenn ich sage, meine Eltern straften mich mit Schlägen, dann ziehe ich ihr Ansehen in den Schmutz. Daher sagen viele wohl auch nichts und schweigen lieber. Da begegnen einem wieder die Sauberfamilien, die nach außen immer so vorbildlich dastehen wollen. Was mich das ankotzt! Meine Eltern haben sich auch ständig für mich geschämt. „Schau dir mal die oder jenen an, die sind viel lieber usw…“ Diese Vorwürfe – wie ich sie hasse. Und heute lebe ich in der gleichen Situation. Nur ist es heute mein Ehemann, der ständig an mir herummäkelt und mich verändern will. Oft glaube ich auch, das er damit wohl Recht hat. Und wenn nicht? Aber mit 54 noch einen neuen Lebensabschnitt probieren? Dazu habe ich, ehrlich gestanden keinen Mut mehr und auch nicht den finanziellen Hintergrund.
    Ich vermutete immer, dass ich Wut verspüre, weil ich ein Adoptivkind sei. Oder weil diverse Männer sexuell übergriffig geworden sind. Über geschlagen werden in der Kindheit habe ich daher wenig nachgedacht. Vielleicht ist das Schlagen aber auch der Hilflosigkeit der Eltern geschuldet. Ich glaube, als Kind war ich nicht unbedingt leicht zu handhaben. Ich kann mich jedoch tatsächlich an meine Kindheit kaum erinnern. Meine Eltern haben es gut gemeint mit mir. Meine Mutter war Lehrerin und infolge unantastbar, wenn es um meine Kritik an sie ging. Ohrfeigen habe ich von ihr schon bekommen. Mein Vater war einfach zu alt für eine Familie. Eigentlich ist er ein fröhlicher Mensch gewesen – ich kannte ihn kaum mit schlechter Laune. Die brachte ich ihm immer ein, wenn ich Mist baute. Dann setzte es auch mal eins hinten drauf – mit Gürtel, mit Kleiderbügel usw.. Irgendwann ging mir das erheblich auf den Zeiger und ich wehrte mich dagegen. Wenig später bin ich, weil ich tatsächlich Mist gebaut hatte, dann ins Heim gekommen und zwei Jahre später bezog ich meine eigene Wohnung. Gottlob, denn ich passte nicht so recht zwischen den ganzen schwer erziehbaren Gören. Die hatten nämlich tatsächlich beschissene Elternhäuser und sind aus diesem Grunde straffällig oder verhaltensauffällig geworden.
    Wenn ich meine Erfahrungen jetzt thematisieren würde… dann wäre das ein großes Faß, was ich damit aufmache. Und das soll ich mit 54 Jahren jetzt noch tun? Womöglich müsste ich mich von Abhängigkeiten, die ich heute lebe, trennen. Das wäre dann der nächste Scherbenhaufen? Ich stehe dem daher zwiespältig gegenüber.
    Doch auch bei mir brodelt es… will ich so weiterhin leben, wie ich lebe und letztendlich mich totärgern, dass ich nicht im Stande war, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu leben? Meine Wut macht mich krank. Sie zu zügeln, bedeutet, es in sich hineinzufressen und das macht mürbe. Es gibt jedoch Begebenheiten, da werde ich einfach wütend. Wut ist nicht zu kontrollieren, sie ist plötzlich da. Ich denke, ich hätte eine Entwicklung in die andere Richtung schon vor Jahren einleiten müssen – heute ist es dafür zu spät. Daher muss ich damit leben, dass man mich mit „böse sein, eingeschnappt sein, verärgert sein“ heute noch deutlich bestrafen kann. Und diese Register werden von meinem Mann ständig gezogen, ob ich will oder nicht. Ich stecke laufend zurück. Es ist für mich zu Obsession geworden. Ich vertrete die Meinung, dass ich damit zahm gehalten werde und nicht Vollgas gebe. Vollgas bedeutet für mich Gefahr.
    Im Grund genommen weiß ich auch jetzt nicht, warum ich das hier nun schreibe. Denn eine Lösung wird damit auch nicht vollzogen. Vielleicht hilft es euch ja, einfach darüber zu lesen.

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