Gott lieben? – Teil 4

Wie kann ich die Liebe Gottes erfahren und spüren – also nicht nur von ihr wissen?Einige Menschen sprechen davon, dass sie Gottes Liebe erfahren hätten. Das möchte ich mal näher beleuchten:
– John Eldredge berichtet in „Der Weg des ungezähmten Mannes“, dass Gott ihnen erlaubt hatte eine Herde von Wapitis zu sehen, obwohl die sehr scheu sind … und dann haben er und sein Freund auch noch Geweihe zum Mitnehmen gefunden. Darin manifestierte sich die Vaterliebe Gottes für ihn. Das war das, was die beiden „großen Jungen“ brauchten.
– Seine Frau Stasi schreibt in „Captivating„, wie sie morgens am Strand einen Wal sieht, der eine Wasserfontäne spritzt, und das obwohl diese Wale nie so nah ans Ufer kommen … Sie bezeichnet es als einen „kiss of God“.

Diese beiden Beispiele mögen genügen. Eines wird mir hier bewusst: es geht um an sich wertneutrale Erlebnisse, die erst durch die eigene Interpretation zu einer Tat Gottes werden, hier jeweils zum Erweis der Liebe Gottes dem Individuum gegenüber. Es sind erst durch die Brille der Interpretationen Zeichen der Liebe Gottes geworden, also Liebeserklärungen.

Im zwischenmenschlichen Bereich ist es übrigens genauso. Der Blumenstrauß, der Kuss, die Umarmung, das Wort … all das sind erst einmal wertneutrale Handlungen. Der Empfänger weiß nicht, was der „Sender“ wirklich damit beabsichtigt hat, welche Gefühle etc. er damit verbindet. Erst das Vorwissen, die Erfahrung, die Unterstellung – kurz: die Interpretation – machen es zu einem Zeichen der Liebe.
Selbst die Worte „Ich liebe Dich“ werden nur dann als wahre Liebenserklärung verstanden, wenn der Empfänger es auch glaubt, es dem „Sender“ also zutraut. Wenn es eine Vorgeschichte der beiden gibt, diese Worte glaubwürdig machen. Fehlt dieses, so wird die vermeintliche „Liebeserklärung“ anders aufgefasst, z.B. als Einschleimen oder Verarschung.

Das ist aber nicht alles. Natürlich ist eine Liebeserklärung mehr nur als das Erlebte (visuel, auditiv, haptitiv) plus Vorwissen (kognitiv). Liebe ist auch spürbar (affektiv). Dieser Faktor ist aber zugleich auch der unsicherste. Das emotionale Empfinden ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Manche(r) ist sehr sensibel bis übersensibel, andere sind da eher stumpf. Aber doch passiert bei einer Liebeserklärung und deren „Entschlüsselung“ mehr als nur Wahrnehmung und Interpretation. Man/frau fühlt etwas.

Zurück zur Liebe Gottes. Ich glaube, hier verhält es sich ähnlich. Ich habe das Vorwissen, dass Gott jeden Menschen liebt. Ich erlebe vielleicht Dinge, die für mich persönlich als Liebeserklärung Gottes interpretiert werden können. Das alleine erfordert schon Aufmerksamkeit, das überhaupt zu entdecken.
Aber auch bei Gottes Liebe kommt dazu, dass man nur „mit dem Herzen gut sieht“, wie Exupery sagt. Dass es mich innerlich im Herzen anrührt, das ist erst empfundene Liebe – nicht das Wissen und nicht die Interpretation.

Und das kann ich nicht machen. Danach kann ich nicht suchen. Das Gefühl der Liebe muss mich treffen. Da kann ich nur empfangend sein. Und ich kann dafür, wie Günter so schön schrieb, Gott nur bitten.
Nein, nicht um Gottes Liebe betteln, sondern ihn bitten, dass ich es in meinem Herzen spüren kann. Den Rest muss Gott selbst machen.

> Originalbeitrag

Foto: Linda Dahrmann/pixelo.de


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