Leiden und Herrlichkeit

stacheldrahtEs kommt immer wieder die Frage auf, ob Christen leiden müssten. Leider kann ich darauf nicht anders als mit „definitiv!“ antworten. Wir haben eine Verheissung, die deutlicher kaum sein könnte, aber selten von uns als Verheissung wahrgenommen wird:

So werden alle, die in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden. (2.Timotheus 3,12)

Auch wenn hier inhaltlich nichts positives angesprochen ist, handelt es sich von Stil und Aufbau her unbedingt um eine Verheissung: Gott sagt, dass etwas eintreffen wird wenn wir in bestimmter Weise handeln. Die Bedingung des Eintreffens ist es ein Gott hingegebenes Leben zu führen, dann wird Verfolgung nicht anders können als ihr hässliches Haupt zu erheben.
Am deutlichsten sehen wir dieses Prinzip in den Leben der Apostel und Jesu selber illustriert. Obwohl Jesus zu Recht unser grösster Vorbild ist, möchte ich heute lieber über die Apostel schreiben. Durch die komplette Apostelgeschichte ziehen sich zwei Themen wie der berühmte rote Faden durch: Leiden und Herrlichkeit, Herrlichkeit und Leiden. Grosse Predigterfolge, Heilungen und Gotteskraft wechselten sich permanent mit Gefängnis, Folter und Bedrohung ab. Der Lebensstil der Apostel ist absolut von dieser Spannung geprägt gewesen: entweder sie predigten, heilten und breiteten das Reich Gottes aus, oder sie sassen im tiefsten Gefängnis oder standen vor Gericht.
Es ist seltsam, wie selektiv wir, die wir uns nach Gottes Herrlichkeit ausstrecken, die Bibel zu diesem Thema lesen. Wir lesen die Heilig-Geist-Stories und überlesen die Leidensgeschichten. Wenn sich dann Verfolgung um des Wortes willen erhebt (was in unserem Fall wesentlich harmloser ausfällt als im Falle der Apostel) dann fallen wir zurück und gehen den Weg Gottes nicht mehr weiter. Dabei ist die Ansage des Apostel Petrus so klar:

Geliebte, laßt euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes; sondern freut euch, insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, damit ihr euch auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freut! (1.Petrus 4,12-13 nach der Elberfelder)

Das Feuer der Verfolgung ist nichts Fremdes für uns sondern etwas, das ganz natürlich zur Nachfolge dazu gehört, sofern sie wirklich Nachfolge ist und nicht menschlich verwässert. Herrlichkeit und Leid sind ein package deal, wie man auf denglisch sagt. Sie gehören beide zusammmen und man kann nicht das eine ersehnen ohne das andere in Kauf zu nehmen. Wer meint, er bekäme nur die Herrlichkeit und alles liefe dann das ganze Leben smooth, der irrt sich gewaltig und hat biblischen Boden verlassen.
Johannes der Täufer machte es schon klar (Matthäus 3,11): Jesus kommt um mit Feuer und Geist zu taufen. Wer sich danach ausstreckt mit dem Geist getauft zu sein, der muss sich klar sein, dass das Feuer gleich mitgeliefert wird – es kommt in derselben Packung.

Am deutlichsten ist es bei Paulus. Kurz nach seiner Bekehrung, als ihm Jesus selber sichtbar und hörbar auf dem Weg nach Damaskus begegnete, bekam er durch Ananias eine Prophetie. Es war ein Wort vom Herrn, kein Zweifel und es lautete: „Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muß.“ (Apostelgeschichte 9,16). Stell Dir vor, das erste Wort Gottes, das über Deinem Leben ausgesprochen wird, ist dieses….Was muss es für ein Leben sein, dass Dich erwartet? Ein Leben der Extreme zwischen Herrlichkeit und Leid – Geist und Feuer. Von beidem hatte Paulus ein gerütteltes Mass: er wurde in den Himmel entrückt und gesteinigt; litt Not und sah Erweckung; schrieb einen erklecklichen Teil des Neuen Testamentes und wurde hingerichtet. Nach allen Leiden durch die Paulus hindurch musste zog er ein Resümee, das die Perspektive unseres Lebens für immer verändern kann wenn wir es zu unserem machen: „Ich bin überzeugt, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“ (Römer 8,18) Paulus wusste etwas von Herrlichkeit und er war gewiss, dass spätestens im Licht der Ewigkeit sich alles gelohnt haben würde. So manchem, dem hier schon der Atem ausgeht wenn sich Freunde gegen ihn stellen wäre zu wünschen, eine solche Offenbarung der Herrlichkeit zu haben zu haben und sein Leben ebenso in den Kontext der Ewigkeit einzuordnen wie Paulus!

Wenn ich sage, dass Leiden und Herrlichkeit zusammen gehören, sage ich dann, dass beides von Gott kommt? Gewiss nicht! Ich weiss, dass nichts schlechtes von meinem Papa im Himmel kommt, das ist die Gewissheit, die vieles ertragen lässt. Wenn es heisst, dass Jesus mit Geist und Feuer tauft dann heisst das, dass beides natürlich zu seiner Nachfolge dazu gehört und nicht voneinander zu trennen ist. Aber es ist nicht Gottes Feuer, das kommt. Das Feuer ist eine Nebenwirkung der Herrlichkeit die überall da auftritt wo die Herrlichkeit sichtbar ist. Als Christen nehmen wir es nicht mehr wahr, aber Gottes Herrlichkeit hat etwas ungeheuer provozierendes für den Teufel und die seinen. Die Finsternis wird alles tun um die Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit in unserem Leben auszulöschen. Alles – vom kleinsten Widerstand bis hin zum unangenehmsten Märtyrertod wird Satan alles in seiner Macht stehende tun um die Herrlichkeit auszulöschen.
Dieses Prinzip tritt klar zutage in einer der Stellen in der von den Leiden des Paulus geredet ist:

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. (2.Korinther 12,7)

Im griechischen Text haben wir hier eine Passivkonstruktion, die man konsequent müsste mit: „damit ich nicht überhoben werde“.So ergibt es für mich theologisch sehr viel Sinn. Der Engel des Satans war dafür abgestellt, dass sich überall wo Paulus auftrat Verfolgung erheben sollte damit die Menschen nicht in hellen Scharen zu Jesus laufen würden. Der Feind Gottes konnte die Herrlichkeit nicht aufhalten, aber er konnte dafür sorgen, dass die Leute sahen, wie hart das Leben eines Apostels ist. Die Menschen standen damals in derselben Situation wie ich heute wenn ich die Apostelgeschichte lese: sie wollten ganz bestimmt die Herrlichkeit, aber nicht das Leben der Apostel. So brachte der Teufel überall Ärger wo Paulus aufstand und den Menschen die die Predigten hörten wurde deutlich vor Augen gemalt: „Jesus ist real, aber es ist gefährlich ihm nachzufolgen.“ Viele trauten sich nicht zu der Wahrheit zu stehen, die sie in der Lehre und dem Leben der Apostel sahen weil der Preis des Leidens ihnen zu hoch erschien.

Damit ist auch der Bereich des Leidens abgesteckt in dem wir uns befinden. Während wir eindeutige Verheissungen für den Sieg über Krankheit haben, haben wir keine Verheissungen für Sieg über Verfolgung (wohl aber für Sieg in Verfolgung!). Ein grosses Problem im Leib Christi ist, dass wir fortwährend alles in einen Sack stecken und durchschütteln. So wird jede Leidenssituation in der wir stehen zu etwas, das dazugehört. Oft ist das ganz falsch. Wenn Christen sagen, dass ihr Krankheitsleiden zur Ehre Gottes ist, dann irren sie mit bester Absicht. Ihre Heilung wäre zu Gottes Ehre, nicht die Krankheit. Auch wenn beides, Verfolgung und Krankheit eindeutig ungöttlichen Ursprungs ist, macht das Wort Gottes ganz klar, dass wir das eine überwinden können, das andere nicht. Wir sollten uns niemals unter Krankheit, Schwäche, Armut und andere Dinge, gegen die Jesus gestorben ist stellen. Es ist kein Leiden zu Gottes Herrlichkeit wenn wir das tragen was Jesus für uns getragen hat.
Viele, die die Glaubensbewegung kritisieren sagen, dass wir meinen würden, dass man ein stressfreies, gesundes Leben führen würde wenn man mit Jesus lebt. Das wäre in der Tat eine Lüge und widerspräche dem biblischen Befund. Aber es ist wahr, dass einiges unter dem die Welt leidet tatsächlich am Kreuz sein Recht verloren hat. Dafür gibt es anderes, was sein volles Leidenspotential erst entfaltet wenn die Herrlichkeit einen gewissen Schwellenwert überschritten hat.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen Sieg: über die richtigen Sachen und in den anderen Sachen. Die Herrlichkeit des Gottessohnes wird jedes Opfer lohnen – schon hier.

[Foto: Henning Hraban Ramm, pixelio.de]
[hier noch eine Predigt zu dem Thema]
[Originalpost]


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Kommentare

5 Kommentare zu „Leiden und Herrlichkeit“

  1. Ein gelungener Beitrag.
    Was ich kritisch finde ist aber folgende Formulierung:
    „Wir sollten uns niemals unter Krankheit, Schwäche, Armut und andere Dinge, gegen die Jesus gestorben ist stellen. Es ist kein Leiden zu Gottes Herrlichkeit wenn wir das tragen was Jesus für uns getragen hat.“

    Diese Formulierung ist etwas missverständlich wie ich finde und bedarf einer Eröterung. Tendenziell entnehme ich hier aber Richtung, welche sich grundlegend gegen besagte Krankheit, Schwäche, Armut usw. ausspricht. Dies halte ich für überzogen und für falsch.

  2. hallo matthias,
    das war auch genauso gemeint. wieso ist das falsch?
    ich meine, NIEMAND nimmt krankheit oder armut an, alle tun alles dagegen, was sie können: arbeiten, zum amt gehen, arztbesuche usw. wer nicht dagegen ankommt macht seine umwelt, ds schicksal oder gott verantwortlich, was auch wieder nur zeigt, dass er die sachen nicht annimmt. nur wir christen predigen, dass man dem was positives abegwinnen kann und es annehmen soll.
    warum soll man etwas schlechtes annehmen? das führt dann ja nur zu mehr schlechtem. wenn was schlechtes in mein leben will oder in das leben meiner freunde, dann will ich natürlich was dagegen tun und es nicht annehmen.

    oder meinst du das anders als ich den kommentar verstanden habe?

    frohe weihnachtsfeiertage noch!

  3. @ Christliche Freunde,
    Ein paar Takte von mir.
    Wir haben in dem Werden als Christen und seine Leiden, und die Leiden in der Nachfolge Christi erfahren, dürfen wir nicht in den gleichen Topf werfen.

    1.Haben wir uns zu Gott bekehrt und Buße über unsere Sünden getan, so warten wir gleich den Jüngern, die drei Jahre lang an der Seite Jesu Christi warten mussten, auf ihre/unsere Wiedergeburt.
    Ich hoffe, dass es bei Euch schon geschehen ist.
    Bei einem Christen kann es schneller gehen und beim anderen , etwas länger, es kommt immer wieder auf die Sehnsucht, Aufmerken und Gehorsam des Werdenden Christenmenschen an.
    Schon ab diesen Anfängen, werden wir versucht zur Sünde tun, dem wir mit Entschiedenheit entgegen treten sollen.
    Christus wurde auf dem Berg der Verklärung auch versucht von dem Teufel, der sich bei IHM, gleich wie bei Adam und Eva, als ein Prediger und Interpret der göttlichen Aussagen anbiederte und aus dem Alten Testament sich die Aussagen mietete, um sie in seinem Geist der Lüge und des Irrtums, Christus zu präsentierten und zum Ungehorsam wieder Gott und seinem Geist verleiten wollte.

    Wir müssen an den brüllenden Löwen denken, der uns verschlingen will, weil wir ihn verlassen haben, und uns zu dem wahren und lebendigen Gott bekehrt haben, weil wir erlöst wurden durch Jesus Christus.
    Er hat kein Recht uns anzutasten oder uns zu versuchen es sei denn, dass wir ihn rufen, anschleichen, uns zur Verfügung stellen, und so, auf seine List und Herrlichkeiten dieser Erde und Welt, hereinfallen.
    Versucht werden ist keine Sünde, aber der Versuchung nachgeben und Sünde tun heißt, sich zum Knecht der Sünde machen vor Gott, der uns durch Christus erlöst hat.
    Darum sagte Christus: Wachet und Betet, auf dass ihr Nicht in der Versuchung fallet“.(UND sündigt!)
    Wir werden allezeit hierbei Leiden und Trübsal empfinden, auch wenn uns äußerlich, kein Mensch etwas zu Leide getan hat.
    Dieses ist ein Inneres Leiden mit Christus am Kreuz, wie Paulus schreibt, Römerbrief Kapitel 6,7,8
    Wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben des Herrn Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Leibe“.2.Korinther 4, 10
    Dieses ist ein gesegnetes Leiden Freunde, denn es geht und führt uns zur Gemeinschaft mit Christus und in das Reich Gottes.
    Ohne Kreuz Christi- keine Krone des Lebens!
    „Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden“. Solches kann man nur durch Leiden im Fleisch erringen. Gal.

    Weil nun Christus im Fleisch für uns gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn, denn wer am Fleisch leidet, der hört auf von Sünden.1. Petrus4,

    Doch dieses Leiden hat nichts mit Krankheit noch Armut zu tun, sondern es geht, dass wir das gesamte Spektrum der Erlösung von den Sünden in uns,nicht nur begreifen, sondern annehmen und es in uns verwirklichen zur Ehre Gottes und seinem Christus.

    Gottes Wille ist, dass wir mit Jesus Christus, den Anfang mit dem Fundament legen begreifen und auch erfüllen, um andere Menschen den Weg zu dem Heil zu weisen, denn nur wer das Fundament mit Christus gelegt hat zu seinem ewigen und geistigen Zuhause, kann andere Menschen zu den gleichen Erfahrungen und gleichem Tun, behilflich sein. Träumer kann Gott nicht gebrauchen ,denn es geht hier um die Ewigkeit eines jeden einzelen Menschen, den Gott uns sendet.
    2.In der Nachfolge Jesu Christi, werden wir natürlich angefeindet , doch allermeist von den religiösen Pharisäer mit ihren Schriftgelehrten, die auch Christi ärgsten Feinde waren dem Geist nach.
    Wir sollen aufsehen auf Jesus Christus, den Anfänger und Vollender des wahren Glaubens, welcher, da Er wohl hätte Freude haben, erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht und hat sich gesetzt zur Rechten auf den Stuhl Gottes.
    Weiter bis Vers 4 im Häbrerbrief Kapitel 12,
    Während die ersten Leiden, uns, zu unserem Heil dienen, dienen diese Leiden in der Nachfolge Jesu Christi, der Ehre und Ruhm Gottes und seinem Christus.
    Darum, lasst uns nicht Träge werden, sondern Christus in allen Dingen nachfolgen und seinen Willen tun, gleich wo Gott uns hingesetzt hat.
    Armut hat viele Gesichter, darum ein anderes mal!
    Peter Semenczuk

  4. Ja, nicht verkehrt die Gedanken, auch, wenn Du sie immer mit einem gewissen Pathos niederschreibst. Aber da hat jeder so seine eigene Art, das ist nicht wertend gemeint.
    Wiedergeboren sind wir ja eigentlich durch die Taufe und den Glauben. Also wir hier eigentlich auch, denke ich 😉

  5. ich finde die vorstellung nach der bekehrung auf die wiedergeburt zu warten schon echt absurd. da kommen wir wohl nicht überein, peter.
    trotzdem segen!

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