Dein Bauch gehört ihm?

Doppelmoral. Das Baby-Glück des Jens Spahn

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der CDU-Spitzenpolitiker Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke sind Väter geworden. Ihr Sohn Georg kam in den USA zur Welt – ausgetragen von einer Leihmutter. Auf Instagram und in der „Bild“-Zeitung zeigt sich das Paar überglücklich. Doch hinter den harmonischen Familienfotos verbirgt sich eine heftige Debatte, die weit über das private Glück der beiden hinausreicht. Es geht um viel Geld, moralische Grenzen und die Frage, ob man sich das Recht auf ein Kind einfach kaufen kann.

Die politische Doppelmoral: Gesetze nur für die anderen?

Hier liegt der eigentliche Zündstoff. In Deutschland ist Leihmutterschaft illegal. Das Embryonenschutzgesetz verbietet diese Praxis seit Jahrzehnten strikt, um die Ausbeutung von Frauen und den Handel mit Kindern zu verhindern. Ausgerechnet Spahns eigene Partei, die CDU, hat erst im Februar 2026 auf ihrem Bundesparteitag ausdrücklich beschlossen, dass dieses Verbot ohne jede Ausnahme bestehen bleiben muss.

Jens Spahn selbst hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen eine Legalisierung in Deutschland ausgesprochen. Dass er nun privat genau das tut, was er politisch blockiert, hinterlässt einen extrem faden Beigeschmack.

  • Das Privileg des Geldes: Eine Leihmutterschaft in den USA kostet zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Wer dieses Geld hat, fliegt einfach über den Atlantik, nutzt die dortigen Gesetze und lässt das Kind hinterher in Deutschland ganz legal anerkennen.
  • Die soziale Ungerechtigkeit: Normalverdienende Paare mit unerfülltem Kinderwunsch haben diese finanzielle Option schlicht nicht. Es entsteht das Bild einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der sich reiche Spitzenpolitiker Privilegien erkaufen, die sie dem normalen Volk moralisch und gesetzlich verwehren.

Die ethische Frage: Wird der Mensch zur Ware?

Der Wunsch, eine eigene Familie zu gründen, ist absolut verständlich – egal bei welcher sexuellen Orientierung. Doch rechtfertigt dieser Wunsch wirklich jedes Mittel? In der modernen Ethik wird die Leihmutterschaft äußerst kritisch gesehen:

  • Ausbeutung trotz Verträgen: Auch wenn die Frauen in den USA offiziell zustimmen und gut bezahlt werden, bleibt ein extremes Macht- und Wohlstandsgefälle. Der größte Teil des Geldes fließt ohnehin an Agenturen und Anwälte. Wird der weibliche Körper hier zu einer bloßen Dienstleistung herabgewürdigt?
  • Das Wohl des Kindes: Bei einer Leihmutterschaft wird die Mutterschaft oft aufgespalten – in die genetische Mutter (Eizellspenderin), die Geburtsmutter und die sozialen Eltern. Welche langfristigen seelischen Folgen es für ein Kind hat, zu wissen, dass es ein vertraglich vereinbartes und bezahltes „Produkt“ war, ist völlig unklar.

Die christlich-theologische Sicht: Geschenk oder Selbstbedienung?

Zur Geburt ließen Spahn und sein Mann zitieren: „Gott freut sich über jedes Kind.“ Das ist theologisch zweifellos richtig, greift aber viel zu kurz. Die christliche Perspektive auf den Weg dorthin ist weitaus kritischer:

  • Das Leben als unverfügbares Geschenk: Nach christlichem Verständnis ist ein Kind kein Konsumgut, auf das man einen Rechtsanspruch hat. Leben gilt als Geschenk Gottes und nicht als etwas, das man technisch herstellen und vertraglich handeln darf. Der Versuch, die Entstehung von Leben komplett zu kontrollieren, wird theologisch oft als Anmaßung gesehen – als der Versuch des Menschen, selbst Schöpfer zu spielen.
  • Schutz der Menschenwürde: Die christliche Soziallehre betont die unantastbare Würde des Menschen. Ein Mensch darf niemals zum reinen Mittel für die Zwecke eines anderen werden. Wenn Frauen ihren Körper gegen Geld für eine Schwangerschaft zur Verfügung stellen, widerspricht das den Grundwerten des christlichen Menschenbildes. Es widerspricht auch den Lehren Jesu, der sich stets schützend vor die Schwachen stellte und sich gegen die Kommerzialisierung des Lebens wandte.

Ein unlösbarer Widerspruch?

Man kann Jens Spahn und seinem Ehemann ihr persönliches Glück von Herzen gönnen. Ihr Sohn Georg wird vermutlich in einem behüteten und liebevollen Umfeld aufwachsen.

Aber als einer der einflussreichsten Politiker des Landes kann Spahn das Private nicht einfach vom Politischen trennen. Wer im Ausland Schlupflöcher nutzt, die er zu Hause verbietet, handelt unglaubwürdig. Wenn Spahn die Leihmutterschaft für ethisch vertretbar hält, muss er den Mut haben, sich in Deutschland für eine Gesetzesänderung einzusetzen. Tut er das nicht, bleibt der hässliche Eindruck zurück, dass Moral in Deutschland vor allem eine Frage des Geldbeutels ist.

Quellen:

  • SPIEGEL Online (16.07.2026): „Jens Spahn: CDU-Politiker und Ehemann Daniel Funke sind Eltern geworden“
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (16.07.2026): „Leihmutter aus den USA: Jens Spahn und sein Mann sind Väter geworden“
  • EMMA (15.07.2026): „Leihmutterschaft: Spahn kauft Kind“
  • Tagesspiegel (16.07.2026): „„Überglücklich und schockverliebt“: Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke sind Eltern geworden“

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