Sehen Sie hier eine Andacht von Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Heute tauchen wir in die Apostelgeschichte ein, in die unmittelbare Vorgeschichte zum Pfingstfest, unmittelbar nach der Erzählung der Himmelfahrt Jesu.
Und wir finden uns wieder in einer Erzählung, welche die Grundmerkmale der lukanischen Vision von Gemeinde sind:
Eine Gemeinschaft, die in Einmütigkeit und Gebet vereint ist. Ein paar Sonntagsgedanken …

Hier ist das vollständige Transkript des Videos „Innehalten – Gedanken zum 7. Sonntag der Osterzeit“ der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Hamburg.
Echte Begeisterung sieht für mich anders aus. Da ist Jesus von Nazareth von den Toten auferstanden – der, von dem sie zunächst geglaubt hatten, er sei am Karfreitag am Kreuz gestorben und alle Hoffnungen, die sie mit ihm verbunden hatten, seien mit ihm begraben. Da hat er überwältigende neue Hoffnung geschenkt und ist – so erzählt uns die Apostelgeschichte unmittelbar vor dem heute gehörten Textausschnitt – vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen worden.
Und was tun die Jünger? Sie haben nichts Besseres zu tun, als sich in ein Zimmer in Jerusalem zurückzuziehen und das alles erstmal schön für sich zu behalten. Wäre es nicht viel logischer gewesen, begeistert von dem, was sie erlebt haben, sofort zu den anderen Menschen zu gehen und ihnen davon zu erzählen? Die Botschaft vom auferstandenen Christus, vom Sohn Gottes, sofort weiterzuverbreiten und den Rest der Menschheit nicht in Unwissenheit und Unkenntnis zu lassen? Wie konnten sie auch nur einen Moment, wie konnten sie auch nur eine Sekunde zögern?
Aber sie tun nichts dergleichen. Sie ziehen sich zurück. So erzählt es uns die Apostelgeschichte: Sie ziehen sich zurück in die Ruhe, in die Stille. Sie ziehen sich zurück ins Gebet. Die Apostelgeschichte spricht in diesem Zusammenhang davon, dass sie sich in das Obergemach eines Hauses in Jerusalem zurückziehen. Und es wird erzählt von der großen Einmütigkeit, in der sie betend beieinander bleiben. Außerdem werden als Teil dieser einmütigen Gemeinschaft nicht nur die verbleibenden Apostel genannt, sondern es werden ganz ausdrücklich auch die Frauen erwähnt.
Die Frauen, sie sind für das Lukasevangelium durchgehend eine relevante Gruppe – wenn beispielsweise Maria von Magdala, Johanna und Susanna als Jüngerinnen Jesu mit ihm in Galiläa unterwegs waren, Frauen unter dem Kreuz standen (was von den Männern dort übrigens nicht berichtet wird) oder Frauen als erste Zeugen der Auferstehung Jesu benannt werden.
Auch in der Apostelgeschichte, die ja aus der gleichen Feder wie das Lukasevangelium stammt, haben die Frauen eine hohe Bedeutung für die gelingende Entwicklung der Kirche. Beispielhaft sei nur an die Purpurhändlerin Lydia erinnert, deren Haus in Philippi nach ihrer Begegnung mit Paulus schnell der Kristallisationspunkt einer frühchristlichen Hausgemeinde wurde, in der sie selbst eine führende Rolle gespielt haben dürfte. Oder auch das Zeltmacher-Ehepaar Priszilla und Aquila, die selbstständig als Missionare in Ephesus wirkten, nachdem Paulus weitergezogen war, und deren Haus ebenfalls der Versammlungsort einer Hausgemeinde war.
Genannt werden unter denen, die in dem Obergemach zusammen sind, auch Maria, die Mutter Jesu, sowie seine Brüder, unter denen auch der vom Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Galatien als Bruder Jesu bezeichnete Jakobus sein dürfte. Er wird von Paulus auch als eine der Säulen der Jerusalemer Urgemeinde benannt und dürfte später alleiniger Leiter der Urgemeinde gewesen sein.
Insgesamt ist das eine Gemeinschaft in diesem Obergemach, die wohl zwischen 20 und 30 Personen umfasst haben dürfte – direkt altkatholische Verhältnisse.
Dieses Obergemach ist eine Stätte der Zurückgezogenheit, des Gebets, der meditativen Besinnung und der inneren Sammlung. Sich an einen solchen Ort zurückzuziehen, wird, wie eingangs angedeutet, auch notwendig gewesen sein nach den Erlebnissen der letzten Tage und Wochen: Das letzte Abendmahl, die Gefangennahme Jesu, seine Hinrichtung am Kreuz und das Zerplatzen aller Hoffnungen und Träume, die sie mit dem Nazarener verbunden haben; die vollkommen unerwartete und überwältigende Auferstehungserfahrung und schließlich die letzte Begegnung mit dem Auferstandenen, der ihnen dabei mit Gottes Geistkraft einen Beistand verspricht, der beständig bei ihnen sein und bei ihnen bleiben wird.
Der Ort, an den sie sich zurückziehen, dieses Obergemach – möglicherweise handelte es sich sogar um den gleichen Ort, an dem sie mit Jesus zusammen in der Nacht vor seiner Verhaftung und seinem Tod am Kreuz das letzte Abendmahl erlebt haben. Und mit relativer Sicherheit wird es der Ort sein, an dem sie wenige Tage später die pfingstliche Erfahrung der Geistkraft Gottes machen, die sie erfüllen und hinausrufen wird in die Welt.
Dieses einmütige Zusammensein im Gebet erzählt aber auch: Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sind gerufen als Gemeinschaft, nicht als vereinzelte Solistinnen und Solisten.
Denn die, welche Christus nachfolgen, tun dies immer gemeinsam als Schwester und als Bruder in einer lebendigen Gemeinde, in einer Gemeinschaft, die im Gebet und im Glauben verbunden ist. Der heutige Textabschnitt aus der Apostelgeschichte bildet ein Scharnier, funktioniert als Bindeglied und ist eine Überleitung – und zwar zwischen der Zeit der Selbstoffenbarung des Auferstandenen nach Ostern und der Zeit der Übernahme der Verantwortung für das Weitertragen der Heilsbotschaft Jesu durch die Nachfolgemeinschaft. Die Nachfolgemeinschaft, die dann schließlich Kirche genannt werden wird.
Die Verantwortung des Zeugnisses für Jesu Botschaft ist an diejenigen übergegangen, die Christus nachfolgen. Es ist die frohe Botschaft vom Heil Gottes für die Welt, von Umkehr und Vergebung und von der Auferstehung vom Tode, welche die Gemeinschaft der Christusjüngerinnen und Christusjünger bis an die Enden der Erde tragen soll.
Muss ich jetzt eigentlich noch irgendetwas hinzufügen, um deutlich zu machen, wie sehr diese rund 2000 Jahre alte Geschichte bis heute ganz konkret mit uns zu tun hat?
Wenn euch die Gedanken in diesem Video gute Anregungen für das eigene Nachdenken waren, freue ich mich über einen Like unter diesem Video. Und gerne dürft ihr diesen Kanal auch abonnieren. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Video wieder mit dabei seid. Bis zum nächsten Mal. Tschüss!



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