Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Heute dürfen wir in der Gemeinde Hamburg mit Karlheinz Kämpker einen Diakon offiziell in sein Amt einführen.
Das ist eine wichtiges Ereignis für unsere Gemeinde.
Denn der diakonische Dienst erinnert uns immer wieder daran, worum es uns als Christinnen und Christen gehen muss, und was der eigentliche Kern des Evangeliums, der frohen Botschaft Jesu Christi ist:
Die barmherzige, mitfühlende und heilsame Liebe Gottes, die uns aufgetragen ist, in dieser Welt weiterzuverbreiten.
Und der Diakon steht hier als eine permanente Erinnerungsstütze an diesen Auftrag in der Mitte der Gemeinde.
Dazu vor dem Hintergrund des heutigen Evangeliums meine Sonntagsgedanken.

In dieser Predigt zum Evangelium nach Matthäus (Mt 15,21–28) setzt sich Dekan Walter Jungbauer mit dem oft verklärten Bild der Urkirche auseinander und beleuchtet die Begegnung Jesu mit der kanaanäischen Frau.
Anlass des Gottesdienstes ist zugleich die Einführung des neuen Diakons Karl-Heinz Kempker.
Die Botschaft verdeutlicht, dass Glaube und Diakonie dort beginnen, wo Not wichtiger als Zuständigkeit wird und Gottes Barmherzigkeit menschliche Grenzen überwindet.
Inhaltliche Wiedergabe der Predigt
1. Das Idealbild der Urkirche und die Wirklichkeit
- Romantisierte Vorstellungen: Viele Menschen stellen sich die Urkirche als harmonisches Paradies ohne Hierarchien und im vollkommenen Einklang vor [00:07].
- Historische Realität: Diese Vorstellung ist eine Illusion [01:11]. Von Anfang an gab es in der frühen Kirche Meinungsverschiedenheiten und Streit [01:34].
- Zentrale Streitfrage: Schon früh wurde hitzig diskutiert, ob die Botschaft Jesu ausschließlich dem Volk Israel gilt oder allen Völkern offensteht [01:47].
2. Die Begegnung Jesu mit der kanaanäischen Frau
- Kontext des Matthäusevangeliums: Matthäus schrieb für eine judenchristliche Gemeinde, in der die Exklusivität des Heils für Israel betont wurde [02:34].
- Eine schroffe Zurückweisung: Als Jesus einer kanaanäischen Frau – also einer Angehörigen eines traditionell verfeindeten Volkes – begegnet, weist er ihre Bitte um Hilfe zunächst mit harten Worten ab [03:10]. Er betont, nur zu den verlorenen Schafen Israels gesandt zu sein [03:40].
- Schlagfertigkeit und Humor: Die Frau lässt sich nicht entmutigen [04:02]. Ohne Bitterkeit greift sie das Bild auf und erwidert klug, dass selbst die kleinen Hunde die Krumen vom Tisch der Herren essen [04:30].
- Anerkennung des Glaubens: Durch ihren Mut, ihren Witz und ihr unerschütterliches Vertrauen bewegt sie Jesus dazu, ihre Tochter zu heilen und ihren großen Glauben zu loben [05:13].
3. Was wahrer Glaube bedeutet
- Glaube als Ringen: Glauben heißt nicht, alle Antworten parat zu haben, sondern mit Gott im Gespräch zu bleiben, zu ringen und nicht lockerzulassen [05:46].
- Keine Frage der Herkunft: Entscheidend vor Gott ist nicht die Abstammung oder Konfession, sondern das beharrliche Vertrauen [06:19].
- Kontrast zu den Jüngern: Während die Jünger im Matthäusevangelium oft als kleingläubig bezeichnet werden, wird diese heidnische Frau zum Vorbild im Glauben [06:55].
- Demut vor Gott: Die Frau erkennt an, dass Gott größer ist als der Mensch, und bekennt Jesus trotz ihrer Außenseiterrolle vertrauensvoll als Messias [07:37].
4. Der diakonische Auftrag und die Einführung des neuen Diakons
- Wesen der Diakonie: Die Heilung ist ein Zeichen für das Reich Gottes [09:08]. Diakonie fragt nicht nach Herkunft, Taufe, Kirchensteuer oder Konfession, sondern einzig danach: „Was brauchst du? Wo tut es weh?“ [09:39].
- Einführung von Karl-Heinz Kempker: Passend zu dieser Stelle wird der neue Diakon in sein Amt eingeführt [10:09].
- Aufgabe des Diakons: Ein Diakon verkündet das Evangelium nicht nur im Gottesdienst, sondern trägt es mit den Händen zu den Menschen – durch Krankenbesuche, Begleitung von Trauernden und tätige Hilfe [11:20]. Not ist immer wichtiger als bürokratische Zuständigkeit [10:46].
5. Ausblick und Ermutigung
- Die Frau als Lehrerin der Kirche: Die Kanaanäerin erinnert die Kirche daran, dass Gottes Liebe weiter reicht als menschliche Schranken [12:11].
- Offenheit für Veränderung: Die Kirche darf lernen, keine Grenzen zu bewachen, sondern Barmherzigkeit zu leben [12:41].
- Glaube wird praktisch: Wahrer Glaube bleibt nicht bei theoretischen Worten stehen, sondern heilt, hilft und öffnet Türen [13:29].
- Wünsche für den Dienst: Für die Gemeindearbeit und den Dienst des neuen Diakons braucht es Geduld, Beharrlichkeit, Zuversicht und Humor [15:16].



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