
Was soll da schon schiefgehen.
Die Achterbahn der Angst
Wenn das Kopfkino verrücktspielt
Stell dir vor, du sitzt in einer alten Holzachterbahn. Der Wagen rattert mühsam den steilen Berg hinauf. Neben dir fangen plötzlich ein paar Leute an, hysterisch zu schreien: „Oh mein Gott, wir werden alle sterben!“ Zugegeben, die Steigung ist extrem und ja, wir alle sterben irgendwann – aber in einer Achterbahn? Wie absurd. Luna, die ebenfalls im Wagen sitzt, lässt sich von der Panik anstecken. Sie reißt die Arme hoch und schreit mit.
Das Video „In einem alten Vergnügungspark„, in dem Luna auftaucht, endet jedoch ganz anders, als es das Geschrei in der Achterbahn vermuten lässt: Wir sehen Luna, wie sie abends ruhig über den menschenleeren Vergnügungsmarkt schlendert. Was ist also passiert? Gar nichts. Es war alles nur Kopfkino. Luna lebt, und die anderen höchstwahrscheinlich auch.
Dieses Phänomen, bei dem sich unsere Gedanken verselbstständigen und schlimmste Szenarien ausmalen, kennt jeder von uns. Unser Gehirn ist Meister darin, Situationen dramatisch zu überzeichnen. Psychologisch gesehen nennt man das „katastrophisierendes Denken“ – wir nehmen ein Ereignis und blasen es in unseren Gedanken zu einer absoluten Katastrophe auf, obwohl die tatsächliche Gefahr oft gering oder gar nicht vorhanden ist.
Beispiele aus dem Alltag
Dieses Kopfkino läuft nicht nur in extremen Situationen wie einer Achterbahnfahrt ab, sondern schleicht sich oft unbemerkt in unseren Alltag ein:
- Die ungelesene Nachricht: Du hast jemandem, den du magst, eine Nachricht geschrieben. Stunden vergehen und es kommt keine Antwort. Sofort springt das Kopfkino an: „Habe ich was Falsches gesagt? Mag er/sie mich nicht mehr? Wahrscheinlich ignoriert er/sie mich absichtlich.“ Die Wahrheit? Die Person hatte einfach viel zu tun oder das Handy lag im anderen Zimmer.
- Die bevorstehende Prüfung: Morgen ist die Klausur. Obwohl du gelernt hast, malst du dir aus, wie du ein Blackout hast, alle Antworten vergisst und durchfällst. In Gedanken siehst du schon, wie du das Schuljahr wiederholen musst und deine Zukunft verbaut ist. In der Realität ist es nur eine von vielen Prüfungen.
- Das Referat: Du sollst vor der ganzen Klasse einen Vortrag halten. Die Vorstellung allein lässt dich schwitzen. Dein Kopfkino zeigt dir, wie du stotterst, den Faden verlierst und dich alle auslachen. Oft tritt dieses Worst-Case-Szenario jedoch nie ein.
Die Rolle der sozialen Ansteckung
In Lunas Fall in der Achterbahn kommt noch ein weiterer psychologischer Aspekt hinzu: die soziale Ansteckung. Wenn Menschen in unserer Umgebung starke Emotionen wie Panik oder Angst zeigen, neigen wir dazu, diese Emotionen zu übernehmen. Es ist ein evolutionärer Schutzmechanismus, der uns warnen soll, wenn andere Gefahr wittern. Im Alltag kann sich das so äußern, dass wir uns von der Panik anderer anstecken lassen, selbst wenn wir eigentlich ruhig bleiben könnten.
Wie wir das Kopfkino stoppen können
Das Wichtigste ist zu erkennen, wenn das Kopfkino losgeht. Wenn du merkst, dass sich deine Gedanken verselbstständigen und Katastrophen ausmalen, versuche, dich wieder in die Realität zurückzuholen. Hinterfrage deine Gedanken: „Ist das wirklich realistisch? Gibt es Beweise für meine Befürchtungen?“ Oft hilft es auch, tief durchzuatmen und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Letztendlich sind die meisten Katastrophen, die wir uns ausmalen, genau das: reine Fantasie. Genau wie bei Luna in der Achterbahn – am Ende passiert meistens gar nichts. Außer Kopfkino.



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