
Ein Bericht von gestern aus dem Guardian schildert die bedrückende Geschichte von Karen Newton, die trotz ihrer gültigen Papiere ganze sechs Wochen lang von der US-Grenzbehörde ICE eingesperrt wurde. Ihre Erlebnisse zeigen sehr deutlich, wie willkürlich und bedrohlich die Lage für Reisende in den USA derzeit sein kann.
Der Vorfall an der Grenze
Die 65-jährige Britin Karen Newton befand sich im Sommer 2025 auf einer zweimonatigen USA-Reise mit ihrem Ehemann Bill. Beim Versuch, von Montana nach Kanada auszureisen, wurden sie am 26. September an der Grenze abgewiesen, da die Papiere für ihr Fahrzeug unvollständig waren. Während Karens Visum noch gültig war, stellten die US-Grenzbeamten fest, dass Bills Visum abgelaufen war.
Inhaftierung trotz gültiger Dokumente
Obwohl Newton selbst über ein gültiges Visum verfügte, wurde sie zusammen mit ihrem Mann festgenommen. Die Beamten rechtfertigten dies mit einer Art „Mitschuld durch Beihilfe“, da sie ihrem Mann beim Packen geholfen habe. Die Tortur umfasste:
- Fesselung an Handgelenken, Taille und Knöcheln.
- Tagelanges Schlafen auf dem Boden ohne Betten in einer Grenzstation.
- Eine 12-stündige Fahrt in einem Gefängniswagen zum Northwest ICE Processing Center in Tacoma.
Sechs Wochen im „Gefängnis“
Obwohl es offiziell eine „Auffangeinrichtung“ ist, beschreibt Newton die Zustände als rein gefängnisartig:
- Sie musste einen Monat lang auf einer dünnen Matratze auf dem Zellenboden schlafen.
- Es gab kaum Tageslicht oder Uhren, was zu massivem Orientierungsverlust führte.
- Andere Insassinnen berichteten von traumatischen Trennungen von ihren Kindern und monatelangen Wartezeiten.
- Newton und ihr Mann stimmten der „freiwilligen Selbstausreise“ (Project Homecoming) zu, in der Hoffnung auf eine schnelle Entlassung – dennoch dauerte es insgesamt 42 Tage, bis sie tatsächlich freigelassen wurden.
Hintergründe und politische Lage
Der Artikel setzt Newtons Erlebnis in den Kontext der Politik der zweiten Trump-Administration:
- Verschärfte Quoten: Seit Anfang 2025 wurden die ICE-Agenten angewiesen, die Zahl der Festnahmen massiv zu erhöhen (bis zu 1.500 pro Tag).
- Bonus-System: Newton berichtet, dass ihr mehrere Wärter erzählten, ICE-Agenten erhielten Prämien für jede festgenommene Person. Die Behörde bestreitet dies offiziell.
- Wirtschaftliche Folgen: Die aggressive Einwanderungspolitik hat bereits zu einem Rückgang des internationalen Tourismus geführt, was die USA im Jahr 2025 schätzungsweise 12,5 Milliarden Dollar kostete.
Ein mahnendes Wort
Nach ihrer Rückkehr nach Hertfordshire im November 2025 – ihr Gepäck blieb verschwunden, ihre Zimmerpflanzen waren tot und ihre Kreditwürdigkeit durch unbezahlte Rechnungen beschädigt – warnt Newton Reisende eindringlich vor USA-Trips. Besonders im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 äußert sie große Sorge, dass willkürliche Festnahmen von Touristen zur Normalität geworden sind.
Weitere betroffene europäische Touristen
- Jessica Brösche (Deutschland): Sie wurde bereits am 25. Januar 2025 – nur wenige Tage nach dem Regierungswechsel – festgenommen. Sie war insgesamt 45 Tage in Haft, davon verbrachte sie acht Tage in Einzelhaft.
- Lucas Sielaff und Fabian Schmidt (Deutschland): Die beiden wurden Anfang Februar 2025 inhaftiert.
- Rebecca Burke (Großbritannien): Die Künstlerin und Rucksacktouristin war 19 Tage im Northwest ICE Processing Center eingesperrt. Besonders bitter: Sie wurde genau wie Karen Newton festgenommen, als sie das Land eigentlich gerade verlassen wollte.
Warum es gerade diese Urlauber trifft
Während Karen Newton als Rentnerin eher untypisch für das Raster der ICE war, haben die anderen Fälle ein gemeinsames Muster. Die Beamten vermuteten bei den jüngeren Europäern oft, dass sie mit einem einfachen Touristenvisum heimlich im Land arbeiten wollten.
Eingeschränkte Hilfe:
Betroffene berichten, dass die Konsulate ihrer Heimatländer kaum eingreifen konnten, da die US-Behörden während des „Government Shutdowns“ oder aufgrund neuer Dekrete sehr eigenmächtig handelten.
Warnung für die Zukunft
Die Erfahrungen dieser Reisenden zeigen, dass die USA derzeit ein schwieriges Pflaster für internationale Gäste sind. Selbst mit einem gültigen Visum kann man in die Mühlen der Bürokratie geraten. Karen Newtons Rat ist daher sehr deutlich: Man sollte sich genau überlegen, ob man dieses Risiko aktuell eingehen möchte – besonders im Hinblick auf die kommende Weltmeisterschaft 2026.
Quelle:
The Guardian. ‘Don’t go to the US – not with Trump in charge’: the UK tourist with a valid visa detained by ICE for six weeks“



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