
Die USA reichen uns die Hand (als Faust)
Eigentlich ist alles ganz einfach. Man muss dem Amerikaner nur zuhören, dann tut es auch gar nicht weh. Marco Rubio, der aktuelle Außenminister von Gnaden Donald Trumps, ist nach München gereist, um uns eine frohe Botschaft zu verkünden: Wir dürfen weiterhin Freunde sein. Die Bedingung dafür ist lediglich die völlige Aufgabe der eigenen Meinung, aber wer braucht die schon, wenn man stattdessen ein lobendes Tätscheln aus dem Weißen Haus bekommen kann?
Rubio ist nicht JD Vance. Das ist die Art von Kompliment, die man jemandem macht, wenn man froh ist, dass er einem beim Händeschütteln nicht direkt den Arm bricht. Während Vance im letzten Jahr noch mit der rhetorischen Abrissbirne durch den Bayerischen Hof pflügte, wählt Rubio den Weg des „flexiblen Realismus“. Das klingt nach Yoga, meint aber eigentlich: „Bück dich, Europa, aber mach dabei ein Gesicht, als hättest du Spaß.“
Beethoven, Bier und bedingungslose Kapitulation
Um die Stimmung aufzulockern, servierte Rubio die üblichen Nettigkeiten. Ein bisschen Beethoven, ein wenig Bier, und schon schmilzt der Europäer dahin wie Butter in der texanischen Sonne. Wir seien ein „Kind Europas“, sagte er. Und wie das mit Kindern so ist, haben sie gefälligst zu folgen, wenn Papa Trump am Esstisch die Regeln diktiert.
Wer nicht spurt, gehört zum „Klima-Kult“ oder verfolgt „dogmatische Visionen“ des Freihandels. Dass die USA unter Trump die Weltordnung gerade in einen Scherbenhaufen verwandeln, ist laut Rubio kein Problem, sondern „Führungsstärke“. Fehlerkorrektur nennt man das wohl, wenn man das Haus abbrennt, um die Spinnweben zu entfernen.
Blaue Kappen und der Geist von Budapest
Besonders rührend war der Auftritt von UN-Botschafter Michael Waltz, der eine blaue „Make The UN Great Again“-Kappe dabeihatte. Das ist ungefähr so subtil wie ein Vorschlaghammer mit Schleife. Die Botschaft: Wir reparieren die Weltorganisation, indem wir sie so lange schütteln, bis nur noch das rauskommt, was Washington hören will.
Kanzler Friedrich Merz reagierte darauf gewohnt rational-ernüchtert. Er nannte die bisherige Partnerschaft „esoterisch“. Ein schönes Wort. Es beschreibt treffend den Zustand, in dem man an etwas glaubt (wie etwa den Schutzschirm der USA), das objektiv betrachtet nur noch aus warmen Worten und kalten Forderungen besteht. Während Merz und Macron noch über „geopolitische Macht“ und „nukleare Abschreckung“ philosophieren, ist Rubio gedanklich schon in Ungarn und der Slowakei. Dort weiß man schließlich noch, wie man einen ordentlichen Autokraten-Stil pflegt, ohne mit lästigen Werten zu nerven.
Wir sind also weiterhin Partner. Die USA liefern die Ansagen, und wir liefern den Gehorsam. Wenn wir ganz brav sind, dürfen wir vielleicht sogar beim nächsten „Board of Peace“ mal kurz den Stift halten.



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