
Es ist wieder diese Zeit des Jahres, in der sich die Weltelite in München trifft, um bei Häppchen und Mineralwasser festzustellen, dass die Lage suboptimal ist. Wolodymyr Selenskyj war auch da und hat – man glaubt es kaum – um Luftverteidigung gebeten. Ein Klassiker, fast schon wie „Dinner for One“, nur mit weniger Sherry und mehr Stromausfällen in Kyjiw.
Während man in München über Sicherheitsgarantien debattiert, üben die Ukrainer zu Hause eine neue Form der Extremsportart: Leben ohne Steckdose. Selenskyj schlug vor, dass man doch mal Wahlen abhalten könnte, sofern man ihm zwei Monate Waffenruhe gönnt. Ein kühner Plan. Er fügte scherzhaft hinzu, dass in diesem Fall ja auch in Russland mal gewählt werden könnte. Ein herrlicher Gedanke: Eine Wahl in Russland, bei der das Ergebnis nicht schon feststeht, bevor der erste Stimmzettel gedruckt wurde. Das wäre für den Kreml vermutlich eine größere Sicherheitsbedrohung als jede NATO-Osterweiterung.
Apropos NATO: Selenskyj wies dezent darauf hin, dass die Ukraine derzeit die stärkste Armee Europas unterhält. Es sei „nicht schlau“, diese Truppe draußen vor der Tür stehen zu lassen. Man stelle sich das vor: Die NATO als exklusiver Club, der den Türsteher spielt, während draußen der einzige Gast steht, der tatsächlich weiß, wie man eine Schlägerei gewinnt. Aber gut, man will ja niemanden – also vor allem nicht Putin – provozieren. Der hat schließlich klare Bedingungen für den Frieden: Die Ukraine soll bitte aufhören, zu existieren oder zumindest der NATO fernbleiben. Ein fairer Kompromiss, wenn man bedenkt, dass er im Gegenzug anbietet, weiterhin Soldaten im Akkord zu verheizen.
Die Statistik dazu ist beeindruckend: Im Dezember verlor Russland laut Selenskyj 35.000 Soldaten. Das sind 156 Gefallene pro Quadratmeter – oder Quadratkilometer? Bei diesem Verschleiß ist das eigentlich auch egal. Selenskyj glaubt, dass Putin bei 50.000 Toten pro Monat gesprächsbereit wird. Es ist schön zu sehen, dass man im 21. Jahrhundert diplomatische Fortschritte immer noch in Leichenbergen misst.
In Genf wird derweil unter US-Vermittlung gesprochen. Die Amerikaner drücken ein bisschen auf die Ukraine, damit diese Zugeständnisse macht. Das ist wie bei einer Geiselnahme, bei der die Polizei die Geisel bittet, dem Entführer doch wenigstens eine Niere zu überlassen, damit man pünktlich zum Abendessen zu Hause ist. Selenskyj wirkte „zwiegespalten“. Man könnte auch sagen: Er fühlt sich verstanden wie ein Pinguin in der Wüste.
Quelle: ZEIT



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