
Na, das ist doch mal gelebte transatlantische Partnerschaft! Während wir uns noch fragen, ob die Abfahrt in Cortina d’Ampezzo zu eisig ist, sorgen die USA dafür, dass zumindest der Empfang für ihre Politiker schön frostig bleibt. Hier ist ein Überblick zum charmanten „Export-Schlager“ aus Washington.
Ski, Rodeln und Repression: Warum US-Agenten jetzt die Alpen unsicher machen
Man muss den Mut zur Lücke bewundern: Die USA planen ernsthaft, Beamte der höchst umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) zu den Olympischen Winterspielen 2026 nach Italien zu schicken. Offiziell sollen die Herren in den schusssicheren Westen lediglich den Sicherheitsdienst des Außenministeriums unterstützen und Italien ganz uneigennützig bei der Bekämpfung der transnationalen Kriminalität unter die Arme greifen.
Dass die ICE in der Heimat gerade eher durch Schlagzeilen über willkürliche Tötungen (wir erinnern uns an die Fälle Renée Good und Alex Pretti in Minneapolis) als durch diplomatisches Feingefühl auffällt, scheint in Washington niemanden zu stören. Im Gegenteil: Wenn man schon Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio zur Eröffnungsfeier am 6. Februar schickt, möchte man wohl sicherstellen, dass das heimische „Militia-Feeling“ auch in der Lombardei nicht zu kurz kommt.
„Willkommen“ sieht anders aus
Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala zeigt sich von dem unangefragten Sicherheits-Upgrade wenig begeistert. Mit einer Direktheit, die man in der Diplomatie selten findet, bezeichnete er die ICE als eine „Miliz, die tötet“. In Mailand seien diese Einheiten schlichtweg nicht willkommen. Es ist schon eine besondere Ironie der Geschichte: Die USA schicken eine Behörde, der Kritiker im eigenen Land Gestapo-Methoden vorwerfen, ausgerechnet nach Italien – ein Land, das historisch gesehen eigentlich genug eigene Erfahrungen mit paramilitärischen Strukturen gesammelt hat und darauf heute gut verzichten kann.
Ein Hauch von Weltpolizei in den Alpen
Die ICE betont derweil fast schon rührend, dass man in Italien natürlich keine Einwanderungskontrollen durchführen werde. Man wolle nur helfen. Dass die italienischen Sicherheitsbehörden, wie die Carabinieri, eigentlich ganz gut darin sind, ihr eigenes Land zu bewachen, wird dabei galant ignoriert. Es wirkt fast so, als wolle die Trump-Administration testen, wie weit man den „America First“-Gedanken dehnen kann, bevor die europäische Gastfreundschaft endgültig reißt.
Währenddessen rät der ehemalige FIFA-Chef Sepp Blatter bereits von Reisen zur Fußball-WM 2026 in die USA ab. Vielleicht ist das der neue Trend: Die Sportfans bleiben zu Hause, und dafür schicken die Regierungen ihre bewaffneten Behörden auf Weltreise.
Quellen:
- DIE ZEIT (Aktualisiert am 27. Januar 2026)
- Nachrichtenagenturen: AP, AFP, dpa, SID
- Radio-Interview RTL 102.5 (Giuseppe Sala)



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