Frieden ist kein Geschenk, sondern das Ergebnis von Stärke

​Lange Zeit wiegten wir uns in Europa in der Sicherheit, dass Kriege der Vergangenheit angehören. Doch wer genau hinschaut, erkennt: Der jahrzehntelange Frieden war kein Zufallsprodukt und auch kein Ergebnis rein moralischer Appelle. Er war das Resultat eines militärischen Gleichgewichts, das vor allem durch die NATO und die Präsenz der USA garantiert wurde.

Die Lektion aus dem Kalten Krieg

​Ein zentrales Beispiel, das viele heute gerne vergessen oder verklären, ist der NATO-Doppelbeschluss von 1979. Damals stand die Welt am Abgrund, doch der Westen zeigte Kante. Man bot Verhandlungen an, drohte aber gleichzeitig mit der Nachrüstung von Mittelstreckenraketen.

​Viele sogenannte Pazifisten gingen damals auf die Straße, weil sie fürchteten, die Aufrüstung würde den Krieg erst auslösen. Doch die Geschichte lehrte uns das Gegenteil: Erst der Druck der militärischen Überlegenheit zwang die Sowjetunion an den Verhandlungstisch und führte schließlich zum INF-Vertrag, der eine ganze Klasse von Atomwaffen abschaffte. Ohne die glaubwürdige Drohung, im Ernstfall zurückzuschlagen, hätten die Russen vermutlich nie eingelenkt. Frieden entsteht oft nicht trotz, sondern wegen der Waffen im Hintergrund.

Herfried Münkler: Krieg als bittere Realität

​Der bekannte Politologe Herfried Münkler unterstreicht diese Sichtweise in einem aktuellen Interview. Er macht deutlich, dass der Wunsch nach Frieden zwar edel ist, aber oft an der harten Wirklichkeit scheitert. Münkler bezeichnet den Krieg sogar als eine Art „zivilisatorische Errungenschaft“, weil er Regeln braucht und durch klare Machtverhältnisse begrenzt werden kann.

​Er warnt davor, dass wir in einer „postheroischen Gesellschaft“ leben. Das bedeutet: Wir haben verlernt, was es heißt, Opfer zu bringen oder uns ernsthaft zu verteidigen. Für Münkler ist klar:

  • ​Krieg ist eine Tatsache, kein theoretisches Problem.
  • ​Wer Frieden will, muss sich auf den Krieg vorbereiten (Si vis pacem, para bellum).
  • ​Die Vereinten Nationen haben als „Hüter des Friedens“ versagt, weil sie keine Machtmittel haben, um Aggressoren wirklich zu stoppen.

​Besonders deutlich wird das am Schicksal der Ukraine. Als Kyjiw 1994 seine Atomwaffen abgab, vertraute es auf Papier und Garantien. Doch diese Garantien waren nichts wert, weil keine militärische Stärke dahinterstand, die Russland wirklich abgeschreckt hätte.

Das Risiko der Wehrlosigkeit

​Wenn wir heute über Kriegstüchtigkeit diskutieren, geht es nicht um Aggression. Es geht darum, dass ein Land wie Deutschland nicht zum „leichten Opfer“ wird. Münkler argumentiert völlig richtig, dass Aggressoren wie Putin nur dann einmarschieren, wenn sie glauben, dass der Widerstand ausbleibt. Clausewitz sagte bereits: Der Krieg beginnt erst mit der Verteidigung. Wenn wir uns nicht wehren können, laden wir den Feind förmlich ein, seine Ziele ohne Kampf zu erreichen.

​Die Vorstellung, man könne einen Aggressor durch bloße Vernunft oder Diplomatie stoppen, wenn dieser nur die Sprache der Gewalt spricht, ist brandgefährlich. Wer die militärische Stärke der NATO kleinredet, riskiert, dass Zustände eintreten, wie man sie aus dunklen Zeiten der Geschichte kennt – ein rücksichtsloser Überfall, der alles zerstört, was wir uns aufgebaut haben.

Ein Blick auf das, was zählt

​Am Ende zeigt uns die aktuelle Lage, dass wir uns Ehrlichkeit schuldig sind. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wahre Friedenspolitik muss anerkennen, dass Freiheit nur dort dauerhaft Bestand hat, wo sie auch verteidigt werden kann. Wir müssen wieder lernen, strategisch zu denken und unsere eigene Verteidigungsfähigkeit als den wichtigsten Pfeiler für ein friedliches Europa zu begreifen. Wer die Augen vor dieser Notwendigkeit verschließt, überlässt die Zukunft denjenigen, die keine Skrupel kennen.

Quellen:


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Kommentare

4 Kommentare zu „Frieden ist kein Geschenk, sondern das Ergebnis von Stärke“

  1. Avatar von Sabine M.
    Sabine M.

    Ein nettes Bild mit Kirchturm und ein paar schicken Häuschen haben Sie gewählt, aber leider sieht das Stadtbild in Deutschland mittlerweile etwas anders aus. Deshalb sollte sich jeder junge Mensch genau überlegen, ob es sich lohnt, dafür seine Knochen zu riskieren.

  2. Es gibt viele schöne Flecken in Deutschland, auf die dieses Bild passt. Das Problem ist: Wenn ein Land angegriffen wird und man nichts entgegensetzt oder nicht einmal ernsthaft erwägt, Widerstand zu leisten, dann wird ein solcher Angriff viel wahrscheinlicher und verheerender. Man kann dann natürlich zum Flüchtling werden und in andere Länder fliehen, aber wir sehen ja an den Rechtspopulisten in Deutschland und an vielen Orten in der EU, wie ungern sie Flüchtlinge aufnehmen. Man selbst wäre dann aber einer von ihnen.

  3. Avatar von Sabine M.
    Sabine M.

    Woran erkennt man eine Invasion? An Soldaten mit fremden Uniformen? Oder vielleicht schon an Stadtvierteln, in denen man sich als Deutscher fremd fühlt?
    Unabhängig davon fühle ich mich und vor allem mein Eigentum von unserer sozialistischen Regierung deutlich stärker bedroht als von fremden Armeen.

  4. Von welchem Stadtviertel konkret sprechen Sie?
    Meines Wissens haben wir auch keine sozialistische Regierung. Und ehrlich: Seien sie froh, dass wir aktuell keine russischen Bomben abbekommen. Kann sich aber ändern, wenn es dumm kommt. Nämlich dann, wenn die NATO zu schwach erscheint.

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