Peskows Märchenstunde: Geheimnisvolle Geisterdrohnen

Symbolbild

​Es ist schon eine feine Sache, wenn man die Wahrheit einfach durch festen Glauben ersetzen kann.

Dmitri Peskow, der Mann mit dem wohl belastbarsten Gewissen Moskaus, hat gerade eine neue Ära der Diplomatie eingeläutet: Die Beweisfreiheit.

In der idyllischen Region Nowgorod sollen laut Kreml gleich 91 ukrainische Drohnen Jagd auf Putins Residenz gemacht haben.

Dass es keine Trümmer, keine Fotos und keine Schäden gibt, stört dabei niemanden – laut Peskow ist es schlicht „nicht nötig“, Beweise vorzulegen.

Während die Ukraine in Kyjiw den Kopf schüttelt und von einer plumpen Lüge spricht, um die Verhandlungen zu torpedieren, hat der Kreml sein Ziel erreicht: Die Verhandlungsposition wird nun „härter“.

​Man muss sich das mal vorstellen: Da sitzen sie in Florida, die Herren der Welt, und Donald Trump zeigt sich ernsthaft „wütend“ über den angeblichen Angriff auf das Haus seines Kumpels.

Es ist ja auch wirklich unhöflich, jemanden beim Kriegführen durch Geisterdrohnen in seinem Wochenenddomizil zu stören.

Trump findet, es sei „nicht der richtige Zeitpunkt“ für so etwas – als gäbe es im Terminkalender ein schickes Zeitfenster für Hausbesuche mit Sprengstoff.

Dass zur gleichen Zeit echte Raketen auf Saporischschja und Kyjiw regnen, scheint in Mar-a-Lago weniger Emotionen auszulösen als die Sorge um Putins goldene Wasserhähne in Waldai.

Der Plan ist so herrlich durchschaubar und doch so wirksam.

Wenn man behauptet, angegriffen worden zu sein, muss man am Verhandlungstisch nicht mehr so tun, als wolle man aufhören zu schießen.

Das ist besonders praktisch, wenn man eigentlich sowieso viel lieber weiterballern will, weil die Front gerade so schön in Bewegung ist.

Friedrich Merz fordert derweil per X „Ehrlichkeit von allen“ – ein Wunsch, der in Moskau wahrscheinlich für den ersten Lachanfall des Jahres gesorgt hat.

​Am Ende ist die Sache ganz einfach: Die Drohnen waren so geheim, dass sie nicht einmal existieren mussten, um ihren Zweck zu erfüllen.

Der Krieg geht weiter, die Verhandlungen werden zur Lachnummer und Putin kann sich weiterhin als das arme Opfer hinstellen, das leider gar keine andere Wahl hat, als weiter ukrainische Städte zu zerstören.

Ein genialer Schachzug, der ganz ohne Logik auskommt und genau deshalb so wunderbar funktioniert.

​Was am Ende bleibt

​Solange man sich im Kreml die Wirklichkeit einfach so zusammenbastelt, wie man sie gerade braucht, bleiben echte Friedensgespräche ein Wunschtraum.

Es hat fast schon etwas Religiöses: Man muss nicht sehen, um zu glauben – man muss nur fest genug behaupten, dass die Gerechtigkeit auf der Seite desjenigen liegt, der die meisten Märchen erzählt.

Man darf gespannt sein, ob als Nächstes ein Angriff von unsichtbaren ukrainischen Kampf-Einhörnern gemeldet wird, denn Beweise sind ja ohnehin völlig aus der Mode gekommen.

Quelle: Tagesschau / ZEIT

Aktuelle Einschätzung der CIA (1.1.2026)


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Herbst Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Universum Urlaub usa verantwortung video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen