
Du läufst durch die Stadt, es riecht nach Glühwein und gebrannten Mandeln, aber über dem Eingang steht plötzlich „Wintermarkt“ oder „Lichterfest“. Da fragt man sich schon: Hä? Wollen wir jetzt so tun, als gäbe es den Grund für das Ganze gar nicht?
Die Diskussion kocht jedes Jahr hoch. Ist das vorauseilender Gehorsam, pure Geldmacherei oder einfach nur albern? Schauen wir uns das mal genauer an.
Die Angst, jemandem auf den Schlips zu treten
Einer der Hauptgründe, warum manche Veranstalter oder Städte Begriffe wie „Christkindlmarkt“ meiden, ist der Wunsch nach Inklusion. Man will niemanden ausschließen, der nicht christlich ist. Der Gedanke ist: Wenn wir das Religiöse rausnehmen, fühlen sich alle willkommen.
Aber hier liegt oft ein Denkfehler vor. Die meisten Menschen anderer Glaubensrichtungen stören sich gar nicht an christlichen Symbolen. Ein Muslim oder Atheist geht meist gerne auf einen Weihnachtsmarkt, gerade weil er die Atmosphäre mag. Das Problem ist oft gar nicht die Empfindlichkeit der anderen, sondern eine eigene Unsicherheit im Umgang mit der eigenen Tradition. Es ist eine falsche Rücksichtnahme, die von den Betroffenen oft gar nicht gefordert wurde.
Geld regiert die Hütte
Es gibt noch einen ganz banalen Grund, der weniger mit Religion und mehr mit dem Geldbeutel zu tun hat: Umsatz.
Ein „Weihnachtsmarkt“ endet logischerweise an Weihnachten. Ein „Wintermarkt“ hingegen kann problemlos bis in den Februar laufen. Wenn man den religiösen Bezug streicht, macht man aus einem Fest der Tradition ein saisonales Event. Das ist praktisch für die Betreiber, entleert den Anlass aber seines Inhalts. Es wird zu einer reinen Konsumveranstaltung ohne tieferen Sinn.
Wenn wir alles neutralisieren, bleibt nichts übrig
Du hast völlig recht mit dem Einwand: Wenn wir das hier machen, müssten wir das dann nicht überall tun?
Das ist der Punkt, an dem es widersprüchlich wird. Niemand würde fordern, das Zuckerfest in „Süßigkeiten-Event“ umzubenennen, nur damit sich Nicht-Muslime nicht ausgeschlossen fühlen. Wir respektieren andere Feste gerade wegen ihrer Eigenheit und ihres kulturellen Kerns.
Wenn wir unsere eigenen Feste so lange weichspülen, bis sie neutral sind, verlieren wir Identität. Kultur lebt von Unterschieden, nicht von Einheitsbrei. Toleranz bedeutet nicht, die eigene Herkunft zu verstecken, sondern andere einzuladen, sie mitzufeiern. Wer alles neutralisiert, schafft am Ende keine Offenheit, sondern Leere.
Der Elefant im Raum: Jesu Geburt
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der historische und kulturelle Grund für diese Märkte im Dezember ist das Weihnachtsfest, also die Feier von Jesu Geburt. Das zu leugnen, wirkt oft fast etwas kindisch – so als würde man eine Geburtstagsparty feiern, aber den Namen des Geburtstagskindes auf der Einladung durchstreichen, damit auch Leute kommen, die ihn nicht kennen.
Es ist nicht nur albern, es ist auch historisch unaufrichtig. Unsere Zeitrechnung, unsere Feiertage und eben auch die Märkte basieren auf dieser Tradition. Das Wort „Christkind“ oder „Weihnachten“ zu streichen, ändert nichts an der Realität, es wirkt nur verkrampft.
Was wir daraus lernen sollten
Vielleicht sollten wir uns entspannen. Ein Weihnachtsmarkt darf Weihnachtsmarkt heißen. Das schließt niemanden aus, sondern benennt einfach das Kind beim Namen. Echte Offenheit zeigt sich nicht durch das Überkleben von Schildern, sondern durch das gemeinsame Anstoßen an der Glühweinbude – egal, woran man glaubt. Wenn wir aufhören, unsere eigenen Traditionen zu verstecken, haben wir auch wieder mehr Spaß daran. Und genau darum sollte es doch gehen.



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