
Am 11. Dezember 1925 – also heute vor 100 Jahren – veröffentlichte Papst Pius XI. die Enzyklika „Quas primas“. Mit ihr setzte er ein neues Fest in den liturgischen Kalender der Kirche ein: das „Fest zu Ehren Unseres Herrn Jesus Christus als König“ – Christkönig.
Das erste Christkönigsfest wurde am 31. Dezember 1925 gefeiert und danach auf den letzten Sonntag im Oktober – unmittelbar vor Allerheiligen – gelegt, um den Gedanken der universalen Herrschaft Christi zu betonen. Mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde das Fest auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr verlegt. Wir feiern das Christkönigsfest damit als Höhe- und Schlusspunkt christlicher Hoffnung auf den Anbruch des Gottesreichs, einer Reichs, das zwar „nicht von dieser Welt“ ist, wohl aber schon in unserer Welt beginnt.
Wenn wir auf die Evangelien der drei Christkönigsfeste des Lesezyklus in den Jahren A, B und C schauen, blicken wir auf ganz unterschiedliche Konzepte von Königtum.
Lesejahr A: Matthäus 25,31-46, die berühmte Stelle, die uns vom Endgericht erzählt, das Jüngste Gericht, die Schafe und die Böcke. Das kennen sicherlich viele von Ihnen, diese Perikope. Es geht um die Werke der Barmherzigkeit. Jesus identifiziert sich mit denen, die Not leiden und Hilfe bekommen und auch mit denen, die Not leiden und denen die Hilfe verweigert wird. Jesus sagt: „Was ihr für einen dieser Geringsten (nicht) getan habt, das habt ihr auch mir (nicht) getan“.
Jesus tritt hier als mächtiger König auf. Er sitzt auf dem „Thron seiner Herrlichkeit“, wie es bei Matthäus heißt, und richtet die Welt.
Lesejahr B: Johannes 18,33-37, ein Stück aus der Passion, nämlich die Stelle, an der Pilatus Jesus fragt, ob er ein König sei, König der Juden. Und Jesus sagt, ja, er sei schon ein König, aber eben nicht so, wie man sich Könige vorstellt, mit Schloss, mit Armee, mit Ländereien. Jesus sagt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“
Jesus tritt hier als der andere König auf, als Alternative zu denen, die damals auf dem Thron saßen und die heute auf dem Thron sitzen.
Lesejahr C: Lukas 23,35-43, das haben wir noch im Ohr, wenn wir denn am Christkönigsfest dieses Jahres (23. November) im katholischen Gottesdienst waren. Hier geht es um Jesus, der am Kreuz mit den beiden Verbrechern spricht. Und der Text wird genommen, weil eben in Lk 23,38 steht: „Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden“. Also dieses INRI, Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum.
Jesus tritt hier als König in Erscheinung, der sich das Kreuz als seinen Thron gewählt hat, der hier in der Ohnmacht erscheint. Zugleich aber ist von seinem Reich die Rede, das ja nicht von dieser Welt ist, sondern in eine andere Welt gehört, was hier mit „Paradies“ angedeutet wird („Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“, sagt Jesus dem einen der beiden Verbrecher, dem, der sich reumütig und auch demütig zeigt).
Also, drei ganz verschiedene Texte in den drei Lesejahren, die alle irgendwie andeuten, dass Jesus ein König ist, aber eben ein ganz anderer, besonderer König, dessen Macht sich im Erbarmen zeigt, und dessen Reich ein Reich der Barmherzigkeit ist, weil es eben das Reich Gottes ist. Damit bekommen wir am Ende der drei Kirchenjahre noch einmal vor Augen geführt, was bei Gott zählt: Barmherziges Handeln, Gewaltverzicht, Reue und Demut.
Josef Bordat



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