
Es wirkt fast wie ein absurdes Theaterstück unter Palmen: Während in Florida die Unterhändler der USA und der Ukraine bei angenehmen Temperaturen zusammensitzen und über Sicherheitsgarantien brüten, sickert im Trump-Lager langsam eine Erkenntnis durch, die in Europa längst ein alter Hut ist. Die US-Regierung sieht Russland nun in der „Bringschuld“. Das klingt diplomatisch hübsch verpackt, heißt aber auf Deutsch nichts anderes als: Wir merken gerade, dass Putin uns an der Nase herumführt.
Die Trump-Administration, angetreten mit dem vollmündigen Versprechen, den Krieg quasi im Vorbeigehen per „Deal“ zu beenden, prallt nun auf die Realität des Kreml. US-Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mussten feststellen, dass ihre Reise nach Moskau kein Durchbruch, sondern eine Sackgasse war. Denn Wladimir Putin hat gar kein Interesse an dem, was man im Westen „ernsthafte Verhandlungen“ nennt.
Warum sollte er auch? Das System Putin basiert nicht auf Frieden oder Wohlstand, sondern auf permanenter Aggression. Der Krieg ist kein unglücklicher Umstand für Putin, er ist sein Machtgarant. Egal, wie elend es den Menschen in den besetzten Gebieten geht, und erst recht egal, wie viele hunderttausende russische Soldaten als Kanonenfutter in den Fleischwolf geworfen werden. Menschenleben sind in der Kalkulation des Kreml keine Währung, die zählt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die russische Gesellschaft diesen Wahnsinn weitgehend mitträgt. Durchtränkt von jahrelanger Propaganda und einem tief sitzenden imperialen Wahn, scheint die Bevölkerung gegen die Realität immunisiert zu sein. Wer sich in Deutschland mit Geschichte auskennt, weiß, wie nachhaltig man Köpfe verdrehen kann – bis zu dem Punkt, an dem auf die Frage nach dem totalen Krieg nur noch frenetischer Jubel folgt. In Russland scheint dieser Punkt längst überschritten.
Währenddessen beschwert sich Putins Berater Juri Uschakow darüber, dass die Europäer „quertreiben“. Aus russischer Sicht ist es natürlich eine Unverschämtheit, wenn Kanzler Friedrich Merz oder Frankreichs Macron Sicherheitsgarantien für die Ukraine fordern, statt Kyjiw einfach auf dem Silbertablett zu servieren. Moskau spielt auf Zeit, täuscht Verhandlungsbereitschaft vor und wartet darauf, dass der Westen einknickt.
Die bittere Pille für Trump
Für die Regierung in Washington bedeutet das, dass der Traum vom schnellen Ruhm als Friedensstifter platzt. Sie werden sich der Tatsache stellen müssen: Putin will den Krieg. Er verhandelt nicht, er täuscht. Und solange er glaubt, dass er militärisch gewinnen oder den Westen politisch aussitzen kann, wird sich daran auch nichts ändern – egal wie schön das Wetter in Florida ist.



Schreibe einen Kommentar