
Das Budapest-Treffen
In der internationalen Politik sorgt eine Ankündigung für erhebliches Aufsehen: US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin planen ein Treffen in Budapest, das möglicherweise schon in den nächsten zwei Wochen stattfinden soll. Offizielles Ziel ist es, Wege zu finden, den „unrühmlichen‘ Krieg zwischen Russland und der Ukraine“ zu beenden, wie Trump es auf seiner Social-Media-Plattform formulierte. Das Treffen, das nach einem „sehr produktiven“ Telefonat der beiden Staatschefs vereinbart wurde, wird von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán, der gute Kontakte zu beiden Seiten pflegt, begrüßt. Doch während die Welt auf einen diplomatischen Durchbruch hofft, deuten die Umstände und die Persönlichkeiten der Akteure auf ein altbekanntes Muster hin.
Die Wahl des Ortes ist bereits symbolisch aufgeladen. In Budapest wurde 1994 das Budapester Memorandum unterzeichnet, in dem Russland, die USA und Großbritannien der Ukraine territoriale Integrität zusicherten – ein Versprechen, das Russland spätestens 2014 mit der Annexion der Krim brach. Dass Putin nun ausgerechnet in einem EU-Land empfangen wird, während gegen ihn ein internationaler Haftbefehl vorliegt, ist für den Kreml ein enormer Prestigegewinn. Es durchbricht seine diplomatische Isolation und signalisiert der Welt, dass er weiterhin ein zentraler Akteur auf der globalen Bühne ist.
Für Donald Trump passt das Treffen perfekt zu seinem Selbstbild als Meister des Deals. Er hat wiederholt behauptet, er könne den Krieg in der Ukraine binnen 24 Stunden beenden. Ein persönliches Treffen mit Putin ist für ihn die ideale Bühne, um sich als Friedensstifter zu inszenieren. Es ist daher zu erwarten, dass Trump nach dem Gespräch zunächst großen Optimismus verbreiten wird. Er wird die Atmosphäre als „großartig“ beschreiben und Putin als jemanden darstellen, mit dem man vernünftig und sympathisch reden könne. Diese persönliche Chemie, die Trump als Grundlage für politische Erfolge sieht, ist jedoch genau das Feld, auf dem Putin seine größten strategischen Vorteile ausspielt.
Putins Taktik ist erprobt: Er wird Trumps Wunsch nach einem schnellen, persönlichen Erfolg für seine eigenen Zwecke nutzen. Anstatt konkrete Zugeständnisse zu machen, die seine Kriegsziele in der Ukraine gefährden, wird er wahrscheinlich vage Absichtserklärungen und schmeichelhafte Worte anbieten. Er wird Trump das Gefühl geben, einen Sieg errungen zu haben, ohne dabei substanzielle Kompromisse einzugehen. Es ist ein klassisches Manöver, bei dem der Gesprächspartner monatelang an der Nase herumgeführt wird, bis die anfängliche Euphorie der bitteren Erkenntnis weicht, dass sich an den russischen Zielen nichts geändert hat.
Daher ist die Erwartung, dass bei diesem Treffen grundlegende Weichenstellungen – wie etwa eine Distanzierung Russlands von China oder Nordkorea – erfolgen, äußerst unrealistisch. Putins strategisches Interesse liegt in der Spaltung des Westens und der Sicherung seiner Einflusssphären. Eine Allianz mit anti-westlichen Mächten ist dafür unerlässlich. Das Treffen mit Trump dient primär der politischen Inszenierung, nicht einer echten Neuausrichtung. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist ein Kommuniqué mit vagen Formulierungen über die Notwendigkeit des Friedens, während die russische Kriegsmaschinerie unverändert weiterläuft. Es wäre, wie so oft: The same procedure as so often.
Quelle: Basierend auf Informationen von DIE ZEIT, 16. Oktober 2025



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