Ode an das Grau

Das ist es also, das berühmte Münchner Grau. Kein schnödes, langweiliges Grau, wohlgemerkt. Es ist ein facettenreiches Grau, ein Grau mit Tiefe, das von „gleich regnet es“ bis „es regnet schon“ alle denkbaren Schattierungen abdeckt. Die Wettervorhersage ist heute weniger eine Prognose als vielmehr eine Zustandsbeschreibung.

Die glücklichsten Menschen sind heute jene, die im Büro sitzen und so tun, als würden sie arbeiten. Sie entgehen der kostenlosen Freiluft-Kneippkur, die allen mit einem freien Tag angeboten wird – man nennt es auch „Nieselregen“. Auf der Wiesn ist die Farbe des Himmels traditionell schon ab der zweiten Maß irrelevant. Draußen hingegen verschwimmen die Konturen, und hier erkennt man die wahre Genialität deutscher Architekten. Ihre Vorliebe für graue Fassaden ist keine Einfallslosigkeit, es ist eine geniale Tarnstrategie. Heute sieht man ihre Gebäude einfach gar nicht. Ein Hoch auf die Unsichtbarkeit.


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