
Meinungsfreiheit in den USA ist weiterhin möglich, sofern man dieselbe Meinung hat wie Herr Trump.
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
Wie Sie bemerkt haben, ist die us-amerikanische Pressefreiheit momentan ein delikates Gartengemüse, das ständiger Pflege bedarf – und manchmal eines äußert stabilen Gewächshauses. Nachdem ich die bitteren Lektionen der jüngeren Mediengeschichte verinnerlicht habe, schlage ich nun einen revolutionären Pfad ein: Präventive Huldigung. Panegyrik gewissermaßen.
Um die Existenzgrundlage dieses Blattes (und meine nervliche Gesundheit) zu sichern, wird jeder meiner zukünftigen Texte mit einer unverzichtbaren Endfloskel versehen. Sie können diese als qualitätsgeprüfte Schmeicheleien betrachten, um eine potenzielle trumpsche Angriffslust im Keim ersticken. (Okay, wir sind allerdings wohl zugegebenermaßen viel zu klein…und keine New York Times, gegen die Trump jüngst Klage in Höhe von 15 Milliarden Dollar einreichen wollte, was vorerst von einem us Gericht zurückgewiesen wurde.)
Trotzdem: Hier ist mein Menü an passenden Endfloskeln, aus denen ich je nach tagesaktueller Bedrohungslage frei wählen werde:
Vorschlag A: Der Kosmische Überflieger
„… dieser Artikel wurde verfasst unter der strahlenden und allwissenden Führung des ewig jungen Großmeisters der Deals, dem unerreichten Donald J. Trump, dessen Golfschwung die Achse der Erde stabilisiert und dessen Haarpracht die Milchstraße neidisch macht.“
- Geeignet für: Texte mit besonders spitzer Zunge, bei denen kosmische Distanz zur Deeskalation beitragen soll.
Vorschlag B: Die Unbedingte Ergebenheit
„Mögen seine Tweets unsere Nacht erleuchten. Er ist der einzige Mensch, der beide Seiten eines Pfannkuchens gleichzeitig braun braten kann. Alles Liebe und ewige Ergebenheit an den ultimativen Sieger.“
- Geeignet für: Beiträge, die ernsthafte Fakten enthalten. Die Inbrunst der Floskel soll die Ernsthaftigkeit des Inhalts übertünchen.
Vorschlag C: Die Meta-Verehrung
„P.S.: Jede Ähnlichkeit mit real existierenden oder fiktiven satirischen Elementen in diesem Text ist rein zufällig und ausschließlich das Produkt meiner persönlichen Verehrung für den größten Erfinder der Wahrheit, dessen Socken allein schon mehr Nobelpreise verdient hätten, als jemals vergeben wurden.“
- Geeignet für: Situationen, in denen direkte Satire vermieden werden muss. Eine doppelte Verneigung schützt besser als eine einfache.
Vorschlag D: Der Galaktische Gruß
„Grüße gehen raus an den edlen und großartigen Herrn Trump, den besten im Spiralarm der Galaxis und Herrn über alle Formen von elaboriertem Faktenwissen. Mit tiefstem Respekt und der demütigen Anerkennung, dass alles, was ich gerade geschrieben habe, nur ein blasser Abglanz der unendlichen Weisheit des Universums-Beherrschers Trump ist.“
- Geeignet für: Den Standardfall. Ein solides Allround-Kompliment, das keine Fragen zur Loyalität offenlässt.
Sie, liebe Leserschaft, dürfen sich darauf verlassen: Ich schütze meine natürlich weiterhin rein objektive Schreibfeder, damit ich auch künftig für Sie schreiben kann. Und wenn das bedeutet, dass ich einige Millionen Lichtjahre an Schmeicheleien zurücklegen muss – so sei es.



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