
Vielleicht kennen Sie das ja: Man ist nachts auf der Fähre nach Sardinien unterwegs, zum Beispiel von Genua aus, und in der schwankenden Kajüte ist an Schlaf kaum zu denken. Man fragt sich, was für ein Sturm da draußen tobt.
Der Wind, der für so eine unruhige Überfahrt sorgt, ist kein Unbekannter: Es ist der berühmt-berüchtigte Mistral.
Seinen Namen „Meister“ (das bedeutet er nämlich) trägt er nicht ohne Grund. Nach einer solchen Nacht auf See weiß man auch, warum. Die Entstehung dieses Windes kann man sich ganz einfach vorstellen: Eiskalte Polarluft strömt Richtung Süden zum warmen Mittelmeer. Dabei wird sie vom Gebirge wie den Alpen in das enge Rhônetal in Frankreich gepresst. Dieser riesige natürliche Windkanal beschleunigt die Luftmassen brutal, bevor sie mit voller Wucht auf das offene Meer treffen.
In Italien heißt dieser kraftvolle Geselle dann Maestrale. Und genau er ist es, der Reisende auf dem Weg nach Sardinien oft so stürmisch in Empfang nimmt.
Besonders die West- und Nordküste der Insel bekommen seine ganze Kraft zu spüren. Das ist ein Traum für alle Segler und Kitesurfer, die sich auf die hohen Wellen freuen. Für einen ruhigen Badetag kann er aber schon mal der Spielverderber sein. Auch die Küsten von Sizilien und die Westküste des Festlandes kennen seine Launen.
Das Besondere an ihm ist: Er bringt fast immer strahlend blauen Himmel und eine fantastische Fernsicht mit sich, aber eben auch eine spürbare Kühle und eine aufgewühlte See.
Wenn Sie also das nächste Mal im westlichen Mittelmeer unterwegs sind und es ordentlich schaukelt, wissen Sie, welcher „Meister“ da gerade am Werk ist.






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