Der große „Dealmaker“ und seine solide Selbsttäuschung

Also, das war er also, der „historische“ Gipfel in Alaska. Ein roter Teppich, markige Worte und zwei Männer, die sich in der Kälte Alaskas sonnen. Doch während der eine, Wladimir Putin, mit einem Grinsen nach Hause fliegt, das breiter ist als die Beringstraße, steht der andere, Donald Trump, irgendwie im Regen. Oder besser gesagt, im Nebel von Anchorage. Denn das große Meisterstück des selbsternannten Super-Dealmakers entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine ziemlich peinliche Nummer. Eine Vorführung, bei der die Rollen klarer verteilt waren als bei einem einstudierten Ballett.

Trump: Der Kaiser ohne Kleider

Er wollte es allen zeigen. Er, Donald J. Trump, würde den Krieg in der Ukraine beenden. „Ich will einen Waffenstillstand schnell sehen“, tönte er noch vollmundig in der Air Force One. Am besten noch am selben Tag. Das Ergebnis? „No Deal“. 13 Minuten Pressekonferenz ohne Fragen, ein paar vage Phrasen über „großartige Fortschritte“ und das war’s. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Der mächtigste Mann der Welt fliegt ans Ende der Welt, um einen vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Kriegsverbrecher zu treffen, rollt ihm den roten Teppich aus und kommt mit leeren Händen zurück.

Noch peinlicher wird es, wenn man sich die Inszenierung ansieht. Trump, der Prahler, der es liebt, im Mittelpunkt zu stehen, wirkt neben dem eiskalten Ex-KGB-Agenten wie ein Schuljunge, der unbedingt dazugehören will. Er klatscht, breitet die Arme aus, steigt allein mit Putin in „The Beast“ – ein Fauxpas, vor dem ihm jeder erfahrene Diplomat abgeraten hätte. Er glaubt allen Ernstes, er könne Putin „lesen“ und dass dieser „Respekt“ vor ihm habe. Die Wahrheit ist: Putin hat ihn gelesen. Und zwar wie ein offenes Buch. Trump wurde zum nützlichen Instrument, zu einer Marionette in einem Spiel, dessen Regeln er nicht einmal ansatzweise versteht. Er hat sich selbst etwas vorgemacht und die Welt musste dabei zusehen.

Putin: Der rehabilitierte Kriegsverbrecher

Und Putin? Der kann sich die Hände reiben. Für ihn ist es schön gelaufen. Mehr noch, es ist eine maximale Aufwertung. Da wird ein Mann, der seit dreieinhalb Jahren einen blutigen Angriffskrieg führt, Zivilisten bombardieren lässt und international mit Haftbefehl gesucht wird, vom US-Präsidenten empfangen wie ein gleichgestellter Partner. Mit allem Pomp, mit Militärjets, die über den Himmel donnern. Ohne jede Vorleistung. Er musste nichts versprechen, nichts aufgeben. Er musste nur dastehen und zufrieden lächeln.

Dieser Gipfel war für Putin ein riesiger Erfolg. Er hat die internationale Isolation durchbrochen, die ihm seit Beginn des Krieges auferlegt wurde. Er konnte der Welt und seinem eigenen Volk zeigen: Seht her, ich bin wieder da, auf Augenhöhe mit den Mächtigen. Die Symbolik des Ortes, Alaska, das einst russisch war, setzt dem Ganzen die Krone auf. Putins zynische Bemerkung, man könne „gemeinsam vom Gestern ins Morgen wechseln“, während seine Armee weiter mordet und zerstört, ist an Verachtung kaum zu überbieten. Er ist der große Gewinner dieses surrealen Schauspiels.

Ein „Deal“ , der keiner war, mit einem Kriegsverbrecher

Während in Alaska also Hände geschüttelt und Phrasen gedroschen wurden, ging der Krieg in der Ukraine unvermindert weiter. Russische Drohnenangriffe, Kämpfe an der Front – die „Tragödie“, von der Putin so salbungsvoll sprach, nimmt ihren Lauf. Das Treffen hat nichts, aber auch gar nichts daran geändert. Im Gegenteil.

Für Trump ist das Ganze ein Debakel. Er steht nicht als Dealmaker da, sondern als jemand, der sich hat vorführen lassen. Seine Eitelkeit und seine grandiose Selbstüberschätzung haben ihn blind gemacht für die Realität. Für Putin hingegen ist es ein Triumph. Er wurde aufgewertet, rehabilitiert und in seiner aggressiven Haltung bestärkt. Und für die Ukraine? Für die Ukraine und für alle, die an eine regelbasierte Weltordnung glauben, ist dieser Gipfel eine Katastrophe. Ein „Deal“, der das Töten hätte beenden können, scheint nach diesem Treffen weiter entfernt denn je. Es war kein Schritt zum Frieden, sondern ein Kniefall vor einem Aggressor.

Quellen


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Kommentare

13 Kommentare zu „Der große „Dealmaker“ und seine solide Selbsttäuschung“

  1. Avatar von Karl Eduard von Wanderwitz
    Karl Eduard von Wanderwitz

    Kann es sein, daß Sie Trump einen möglichen Erfolg nicht gönnen? Weil er nicht in Ihr Narrativ paßt?
    Der Friede ist alternativlos und er wird kommen. Und der Friede wird nicht durch die blutige Rückeroberung verlorener Gebiete errungen werden.

  2. Ich habe auch nichts anderes erwartet. Das Putin Trump in die Tasche stecken wird, war auch für mich vorhersehbar. Putin konnte die Dummheit von Trump für sich nutzen. Trump wird jetzt auf einen Friedensnobelpreis warten und, soviel Frechheit traue ich ihm zu, ihn auch einfordern wollen.

    „Des Kaisers neue Kleider“ war ein guter Vergleich. Jetzt warte ich darauf, dass endlich mal ein Kind in die Menge ruft:“Der hat ja gar nichts an“. Aber das passiert wohl nur im
    Märchen.

    Das die Amerikaner diesen Affenzirkus, den Trump veranstaltet und es Regierungspolitik nennt, immer noch bejubeln, macht mich nach wie vor noch sprachlos. 😲

    Und das die mediale Berichterstattung zumindest bei uns in Europa parallel nicht erwähnt, dass der Mann schwer gestört ist – grandioser Narzisst ist nun mal eine Störung – wundert mich auch.

    Narzissten handeln vorhersehbar, auch wenn vor unser aller Augen so rüber kommt, als würden sie unvorhersehbar handeln. Dem ist nicht so. Sie tun alles, um ihr von sich geschaffenes Bild aufrecht zu erhalten. Danach richten sie ihr Handeln aus, immer.

    Trump hat dem Treffen zugestimmt, damit das Bild für ihn, dass er von sich hat, stimmig ist. Vielleicht glaubt er sogar, das er Putin sogar die Meinung gegeigt hat. Aber er wusste auch, so denke ich mal, dass er Putin geistig nicht das Wasser reichen kann. Er hatte ja die Erwartung in das Treffen vorab schon abgeschwächt.

    Trump und Putin, zwei alte Männer, die der Welt aktuell so viel Schaden zufügen, dass sie noch Jahrzehnte daran zu knabbern hat. Aber ohne ihre treuen Unterstützer wäre das gar nicht möglich.

    Wenn man das herunter bricht, benehmen sie sich wie eine Straßengang, die ihr Machtbereich und darüber hinaus terrorisieren. Putin in Richtung Europa – sprich Ukraine – Trump knöpf sich dagegen die Schwächsten der Schwachen im eigenen Land vor. Was das betrifft, handelt er wie ein Feigling.

    Und damit schließt sich für mich der Kreis. Putin traf auf der Weltbühne keinen Politiker von hohem Rang, sondern einen Feigling. Alle außer Trump und sein verblendetes Gefolge wussten das. Daher war das Ergebnis vorhersehbar.

    Und das eine Krähe der anderen kein Augen aushackt, wissen auch alle.

    Ich hoffe drauf, dass die beiden Männer bald den Löffel abgeben, aber das schließt nicht aus, das ihre Nachhut nachrückt. 😏

  3. Kann es sein, dass sie dem Blogger etwas unterstellen und sie sich einer Narrative bedienen, die besser in ihr Bild passt?

    „Der Friede ist alternativlos und er wird kommen“ Dem kann und will ich nicht widersprechen. Das klingt wohlwollend, doch für wen?

    Wenn sie von Erfolg vom Trump schreiben, dann wäre es gut, wenn sie diesen auch in ihrem Kommentar erwähnen. Vielleicht sehen sie etwas, was ich nicht sehe bzw. der Blogger aus Missgunst hier verschwiegen hat?

    Über eine genaue Beschreibung, wo der Erfolg nach dem Treffen bei Trump liegt, wäre ich ihnen dankbar.

    Vielleicht sehen sie von der Erde aus ja den ganzen Mond, während ich nur den halben Mond sehe.

  4. Bisher fand noch JEDE Auseinandersetzung ihr Ende.

    Verhandlungen auf Augenhöhe VOR einer robusten Auseinandersetzung bedeuten weniger Verletzung, setzt aber eine gewisse Intelligenz, etwas Weisheit und eine Portion Wohlwollen aller Beteiligten voraus.

    🌾

    „Das eigentliche Ziel des Krieges ist der Frieden.“
    ― Sunzi

  5. Selbst vor allem Wohlwollen des russischen Diktators voraus. Denn ohne die russischen Angriffe ist der Krieg sofort aus.

  6. Avatar von Karl Eduard von Wanderwitz
    Karl Eduard von Wanderwitz

    „Vor dem Frieden stehen Verhandlungen, und die müssen irgendwann anfangen. Das haben Trump und Putin jetzt getan. Dabei sind sie im ersten Schritt nicht weit gekommen, aber das darf keinen überraschen, denn der Krieg in der Ukraine geht schon dreieinhalb Jahre lang, fast eine Million Menschen sind tot oder verwundet, ein Fünftel der Ukraine ist von Russland besetzt, die Moral in Kiew am Boden und das Land am Ausbluten. In solchen Situationen tun Verhandlungen besonders weh, weil bereits so viel verloren wurde und jetzt nach und nach klar wird, daß für den Unterlegenen Leben, Hab und Gut verloren sind und ein schmählicher Friede droht, bei dem auch noch Gebiete aufzugeben sind. Solche Verhandlungen führt nur der potentielle Sieger gerne, aber sie müssen geführt werden – allein deshalb, um das Sterben und die Zerstörung zu beenden.“
    [Quelle]

  7. @karl da liegen Sie falsch. Nichts lieber würde ich Trump gönnen, als einen die rechten Frieden in der Ukraine. Hauptsache gerechter Frieden

  8. Ja, die Lage ist wirklich nicht so rosig. Aber möglicherweise könnte Trump doch noch etwas erreichen, indem er Putin gewissermaßen das Königreich anbietet, welches impliziert, dass er international rehabilitiert ist, zumindest dort, wo er nicht mit internationalen Haftbefehl gesucht wird. Und das Putin diese Offerte möglicherweise nicht verspielen will und deswegen kooperativ wird in Bezug auf einen Frieden. 

    Aber okay, das ist jetzt wirklich extrem optimistisch gedacht. Vermutlich ist das Putin egal und er bombt weiter.

  9. Ein schmächlicher Friede und ein ungerechter Friede wird ganz sicher nicht von Dauer sein. Einen solchen Frieden kann man sich gleich sparen, weil der nächste Krieg dann nur einen Steinwurf entfernt ist.

  10. Frieden ist ein Nebenprodukt…
    der Bereitschaft zum Ausgleich.

  11. @nirmalo wirkt auf mich so, als ob du nicht sonderlich im Thema drin bist.

    Das russische Imperium ist deswegen so riesig, weil der Imperialismus Russland seit Jahrhunderten innewohnt. Und er hört nicht in der Ukraine auf, wenn man ihn jetzt nicht stoppt. Das haben mittlerweile auch die Staatenlenker in Europa verstanden. Deswegen sind alle so nervös.
    Und unter russischer Herrschaft möchte hier niemand Leben, außer ein paar verklärten extremistischen Splittergruppen vielleicht.
    Man hat in Butscha und Irpyn und anderen Orten gesehen, was russische Soldaten angerichtet haben. Folter, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Und zwar in Bezug auf Menschen, die sich nicht einmal gewehrt haben.

  12. Die Grausamkeiten, die du anführst,
    werden in ausnahmslos ALLEN Kriegen
    begangen und zwar auf ALLEN Seiten.

    Der Beginn des Krieges ist
    der Beginn der Verrohung.

    🌿

  13. Ja, aber die Abstraktion, die du hier an den Tag legst, kannst du nur an den Tag legen, weil das Thema dich irgendwie überhaupt nicht zu berühren scheint.

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