Wenn das Engagement zur Einbahnstraße wird: Danke für nichts

Vielleicht hat das der ein oder andere schon einmal erlebt: Da sitzt man gemütlich zu Hause, hat eigentlich genug um die Ohren – und dann kommt einem plötzlich dieser altruistische Gedanke an die gute Tat:

Man könnte ja der Gemeinschaft etwas zurückgeben, sich engagieren, die Welt (privat oder in der Arbeit) ein kleines bisschen besser machen.

Man hat ja schließlich Fähigkeiten, Erfahrungen und im Zweifel auch ein paar gute Ideen. Und weil man ja ein positiver Mensch ist, denkt man sich:

„Klar, da helfe ich doch gerne, auch wenn es mich viel Energie kosten wird!“

Die glorreiche Idee und die Realität

Man meldet sich also voller altruistischem Elan, bietet seine wertvolle Zeit und sein Fachwissen an – oft ohne dafür auch nur einen Cent zu sehen, geschweige denn eine warme Mahlzeit. Man ist ja ehrenamtlich unterwegs, aus purer Nächstenliebe und weil man glaubt, dass man wirklich einen Unterschied machen kann. Man malt sich aus, wie dankbar zumindest einige sein werden, wie die eigenen Vorschläge zumindest willkommen geheißen und das Engagement geschätzt wird. Ach, wie schön könnte es sein!

Und dann? Dann kommt die kalte Dusche. Oder sagen wir, die eisige Regendusche mit Hagel. Man wird höflich und nur indirekt zwischen den Zeilen erwähnt, die Ideen werden freundlich abgenickt, und am Ende entscheidet man sich für… ja, für irgendwas anderes. Oder für jemanden, der vielleicht nicht halb so viel Ahnung hat, aber dafür besser vernetzt ist oder einfach nur zur bisherigen Linie passt.

Und plötzlich merkt man: Das eigene Engagement ist nicht wirklich immer so gefragt, wie es zunächst suggeriert wird. Vielmehr ist es eher so eine nette Geste, die man beiläufig ein bisschen zur Kenntnis nimmt, aber nicht wirklich braucht.

Der Frust danach: „Die können mich mal.“

Und dann sitzt man da, mit all der sinnentleerten Begeisterung und dem verschwendeten Enthusiasmus. Und ehrlich gesagt, da kommt man sich doch ein bisschen an der Nase herumgeführt vor. Man hatte seine Energie angeboten, seine wertvolle Lebenszeit, die man auch für die Familie, Sport, ein Nickerchen oder zumindest die Reparatur des tropfenden Wasserhahns hätte nutzen können. Aber nein, man wollte ja unbedingt etwas tun, was der Gemeinschaft einen Nutzen und Mehrwert bringt.

Die Erkenntnis ist hart: Manchmal ist der Ruf nach Engagement nur ein Lippenbekenntnis. Manchmal will man gar keine frischen Ideen, sondern nur jemanden, der brav weiterhin das tut, was schon immer gemacht wurde. Und in solchen Momenten ist es absolut verständlich, wenn man sich denkt: Wisst ihr was? Lasst es doch bleiben! Wenn meine Energie und mein Fachwissen nicht gefragt sind, dann behalte ich sie eben für mich. Ihr könnt mich mal...*

Man lernt eben: Nicht jeder Ruf nach Hilfe ist ernst gemeint, und nicht jedes ehrenamtliche Engagement wird geschätzt. Manchmal ist das allerdings eine wertvolle Lektion darüber, wo man seine kostbare Zeit lieber nicht mehr investiert. Und das ist ja auch schon mal etwas wert, oder?

*…das nächste Mal dann wieder fragen.😉


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