
Ach ja, Christi Himmelfahrt. Oder, wie es der moderne Deutsche nennt: Vatertag. Ein Tag, der wie kaum ein anderer die einzigartige Fähigkeit unserer Gesellschaft demonstriert, religiöse Hochfeste in eine Art Survival-Trip für den durchschnittlichen Familienvorstand zu verwandeln. Es ist der 40. Tag nach Ostern, an dem – laut Überlieferung – Jesus gen Himmel entschwebte. Eine Geschichte voller Symbolik, Glaube und… nun ja, Wolken. Was hat das mit einem Bollerwagen voller Gerstensaft zu tun? Eine gute Frage, die wohl nur mit einem Schulterzucken und einem weiteren Schluck Bier beantwortet werden kann.
Die spirituelle Reise des Flaschenöffners
Einst war dieser Feiertag ein Anlass für feierliche Prozessionen und Gebete. Man bat für eine gute Ernte, dachte an die Himmelfahrt des Herrn und vielleicht, ganz vielleicht, gönnte man sich danach eine kleine Vesper. Heute?
Heute „wandert“ man. Und diese „Wanderung“ beinhaltet oft eine Route, die strategisch so gelegt ist, dass alle paar Kilometer ein Kiosk oder eine Zapfsäule passiert werden kann. Der Bollerwagen, einst vielleicht ein nützliches Transportmittel für Kinder oder Picknickdecken, ist zum fahrenden Altar des Flüssigen mutiert. Sein Inhalt? Ausschließlich Getränke, die die Verdauung fördern und die Zunge lockern.
Die Kinder? Ja, die Kinder sind manchmal sogar auch mit dabei. Meist anfangs noch voller Elan, dann schnell verärgert, weil Papa schon wieder „nachladen“ muss und der Bollerwagen vor lauter Bierkästen keinen Platz mehr für die obligatorische Tüte Gummibärchen bietet. Die Familie? Nun, die Mutter hat meist klugerweise den „Papa-muss-mal-unter-sich-sein“-Mythos akzeptiert und plant ihren eigenen Tag – weit weg von der sympathischen Geräuschkulisse von feiernden Vätern.
Die Segnungen des Herrn und des Gerstensafts
Man könnte fast meinen, die Väter von heute interpretieren die „Himmelfahrt“ als eine Art spirituellen Aufstieg des Alkoholpegels. Je höher der Pegel, desto näher dem Himmel?
Eine gewagte theologische These, die aber von vielen an diesem Tag eindrucksvoll und empirisch belegt wird. Die anfängliche Euphorie weicht im Laufe des Tages einer stoischen Entschlossenheit, den Bollerwagen bis zum letzten Tropfen zu leeren. Und am Ende? Da liegt der moderne Vatertag oft im metaphorischen Graben, während der religiöse Ursprung des Feiertags still und heimlich im Himmel die Augen verdreht.
Kurzum: Christi Himmelfahrt ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie Traditionen sich entwickeln. Von einem Tag der Besinnung und des Glaubens zu einem nationalen Alkoholkonsum-Event unter freiem Himmel, bei dem das einzige, was wirklich in die Höhe steigt, der Pegel der Herren der Schöpfung ist. Prost!



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