
Wie Trump die älteste Demokratie der Welt zu Grabe trägt (mit Fahne und Fanfare)
Es war einmal ein Land, das sich Freiheit, Menschenrechte und Demokratie auf die Fahne schrieb – und das nun von einem Mann regiert wird, der diese Fahne am liebsten als Tischdecke für seine Steak-Dinners benutzt. Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, Möchtegern-König, Handelskrieg-Dirigent und Twitter-Ersatzgott, verwandelt Amerika gerade in eine Reality-Show mit dystopischem Ausgang.
Der ZEIT-Autor Josef Joffe, ehemals bekennender USA-Romantiker, sitzt am Esstisch und soll Freunden erklären, warum Amerika plötzlich aussieht wie eine Karikatur seiner selbst. Er kann es nicht. Und das ist ehrlich gesagt beruhigend – denn selbst Harvard-Absolventen verzweifeln an der Logik von „MAGA“, dem „Make America Great Again“-Mantra, das mit erstaunlicher Konsequenz alles demontiert, was Amerika je groß gemacht hat.
Die Republikanische Partei? Gibt’s nicht mehr. Jetzt ist sie nur noch die Trump-Galionsfigur-Partei. Die Demokraten? Treiben mit aufgelöster Dramaturgie durch den Nebel der Geschichte, irgendwo zwischen Gender-Workshops und „Wir haben da mal ’ne Idee, aber keine Mehrheit.“
Trump selbst? Er träumt von Autarkie, Autokratie und einer Autokolonne direkt ins postfaktische Nirwana. Zölle rauf, Wissenschaft runter, Universitäten entmachtet, Gegner beleidigt, Freunde verprellt – das ganze Programm des autoritären Abenteuers. Die Wirtschaft? Im Sturzflug. Der Dollar? Verliert an Glanz. Die Armen? Werden ärmer. Trump? Behauptet weiter, er sei ein „sehr stabiles Genie“. Shakespeare hätte gesagt: Lear trifft auf Wrestling.
Aber keine Panik – die Checks & Balances wackeln nur leicht. Die Gerichte halten noch. Das Volk wird vielleicht irgendwann merken, dass der Mann im weißen Haus das Licht ausknipst. Vielleicht. Wenn der Chevrolet zu teuer und die Netflix-Rechnung nicht mehr bezahlbar ist.
Bis dahin beobachten wir ein historisches Experiment: Wie weit kann man eine Demokratie dehnen, bevor sie reißt? Trump testet es für uns. Und das mit der ihm eigenen Bescheidenheit.
Quelle: Josef Joffe: Was passiert da mit meinem Amerika?, in: DIE ZEIT Nr. 19/2025, 10. Mai 2025.



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