
Ein angeblicher Christ kann zwar von seiner persönlichen Gesinnung her rechtsextreme Ansichten vertreten, wenn er beispielsweise in einer entsprechenden Umgebung sozialisiert wurde oder solche Einstellungen übernimmt, weil sie ihm nahe liegen. Doch gleichzeitig stellt sich klar die Frage, ob sich eine solche Haltung mit der Botschaft Jesu Christi vereinbaren lässt.
Die Lehre Jesu gründet zentral auf dem Gebot der Nächstenliebe, das keine Grenzen kennt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mk 12,31). Jesu Leben und Wirken zeigen deutlich, dass er soziale, ethnische oder kulturelle Abgrenzungen konsequent überwand. Er sprach bewusst mit Samaritanern, heilte Menschen unterschiedlicher Herkunft und stellte klar, dass vor Gott alle Menschen gleich wertvoll sind (vgl. Gal 3,28).
Rechtsextremismus dagegen baut auf einer Ideologie auf, die auf Abwertung, Ausgrenzung und Hass gegenüber bestimmten Gruppen basiert. Diese Haltung widerspricht fundamental der christlichen Botschaft, die gerade auf Offenheit, Annahme und Versöhnung zielt. Christsein bedeutet, Jesus Christus nachzufolgen, der mit seinem Leben und seiner Verkündigung jede Form von Diskriminierung und Gewalt ablehnte.
Paulus unterstreicht in seinen Briefen unmissverständlich, dass in Christus „weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau“ existiert, denn alle seien „eins in Christus Jesus“ (Gal 3,28). Wer sich demnach ernsthaft als Christ bezeichnet, kann nicht gleichzeitig ernsthaft rechtsextreme Haltungen vertreten, ohne den Kern seiner eigenen Glaubensüberzeugung zu verleugnen.
Christsein bedeutet, Grenzen zu überwinden, nicht, sie zu errichten. Wer ausgrenzend denkt und handelt, befindet sich im Widerspruch zur bedingungslosen Liebe, die Christus gepredigt und gelebt hat. Wer aber Jesus folgen will, muss sich selbstkritisch mit seinen Einstellungen auseinandersetzen und jeden Ansatz rechtsextremer Ideologien klar ablehnen.
Ein echter Christ lebt und handelt aus der Überzeugung heraus, dass alle Menschen von Gott gleichermaßen geliebt und angenommen sind. Rechtsextreme Gesinnung ist damit nicht nur ein Widerspruch zur Lehre Jesu – sie macht auch ein authentisches Christsein unmöglich.



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