
Die Welt, wie Trump sie sich schönredet
Die Realität: Feuer, Blut und Illusionen
Während sich der Himmel über Kyjiw erneut mit Rauch und Sirenen füllt, während in Krywyj Rih ein Wohngebiet brennt und Kinder in den Trümmern sterben, während Russland laut NATO inzwischen auf fast eine Million militärischer Verluste zusteuert, sitzt Marco Rubio vor den Mikrofonen der Welt und verbreitet Optimismus: Russland könne bald zum Frieden bereit sein. Er hofft.
Und wie es sich für einen Außenminister unter Donald Trump gehört, ist Hoffnung in etwa das, was man bekommt, wenn Realität zu unbequem wird. Denn dort, wo Fakten schreien, wird lieber geträumt. Und so träumt sich auch die Trump-Regierung weiter ihre Welt zurecht – eine Welt, in der Strafzölle Wohlstand bringen, Isolation Stärke zeigt und Putin irgendwann von allein aufhört zu schießen.
Frieden durch Wunschdenken
Dass Putin aktuell Energieinfrastruktur angreift, Raketen auf Wohnviertel abfeuert und sich auf mindestens 150.000 zusätzliche Soldaten vorbereitet? Geschenkt. Dass die NATO allein im Februar 35.000 getötete oder verwundete russische Soldaten zählt? Nicht relevant. Wichtiger ist, dass Trump in seiner unnachahmlich klaren Vision angeblich einen 24-Stunden-Friedensplan für die Ukraine in der Schublade hat. Vielleicht gleich neben dem Zollkalkulator, mit dem man US-Verbraucherpreise einfach wegzudenken glaubt.
Die Wirklichkeit ist Trump zu komplex. Warum auch zuhören, wenn man sich einreden kann, man wolle nur Frieden, während man gleichzeitig jede realistische Diplomatie torpediert und auf Zeit spielt – in der Hoffnung, dass Russland vielleicht noch ein bisschen mehr Land besetzt, bevor man dann doch irgendwie einen „Deal“ verkauft.
Zölle: Das Märchen vom großen Wiederaufbau
Und während in Europa Raketen einschlagen, schlägt Trump in den USA vor allem eins: zu. Nämlich mit Strafzöllen. Richtig hohe. So hoch, dass selbst China darüber lachen muss. Die Logik: Wenn alles von außen teuer wird, kaufen die Amerikaner halt in den USA. Genial, oder?
Nur: Wer soll all das dann in den USA produzieren? Für 3 Dollar die Stunde? In Fabriken, die es nicht gibt? Mit Arbeitern, die lieber für Amazon Pakete stapeln als Stahl zu schweißen? Aber Logik hat hier ohnehin Sendepause. Stattdessen wird die amerikanische Industrie zu einer nostalgischen Fototapete verklärt – irgendwo zwischen 1950er-Fabrikromantik und „Make America Great Again“-Merchandise.
Trump baut eine neue Welt. Im Kopf.
Die Trump-Regierung agiert wie ein schlecht informierter Heimwerker mit Allmachtsfantasien. Sie sägt an internationalen Partnerschaften, hämmert Strafzölle auf Handelsabkommen und tapeziert über die geopolitischen Risse mit Phrasen und Plattitüden. Heraus kommt eine Weltordnung, die bestenfalls auf Fox News funktioniert – aber garantiert nicht in Kyjiw, Charkiw oder der realen Wirtschaft.
Und so bleibt am Ende ein bitteres Fazit: Während in der Ukraine weiter gestorben wird, baut man sich in Washington ein Weltbild aus Styropor. Leicht, billig – und nicht einmal brandsicher.
Quelle ZEIT ONLINE



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