
Aus theologischer Sicht ist die Frage „Wie lange sind wir eigentlich tot?“ ebenso irreführend wie faszinierend. Denn wenn wir davon ausgehen, dass Gott die Zeit geschaffen hat, dann betrifft der Zustand des Todes den Menschen vermutlich gar nicht in der Weise, wie wir es uns vorstellen.
Im christlichen Verständnis gilt der Tod nicht als endlose Leere, sondern als Übergang in eine Existenz jenseits der Zeit. Während wir uns hier verzweifelt fragen, ob wir nun eine Ewigkeit oder doch nur einen kurzen Augenblick tot sind, sitzt Gott möglicherweise milde lächelnd daneben und erklärt: „Ihr könnt gar nicht messen, was keine Zeit kennt.“
Tod, so betrachtet, wäre nicht ein Zustand, in dem man lange „liegt“ oder „wartet“. Es wäre vielmehr eine Art von direkter Begegnung mit Ewigkeit, in der Dauer überhaupt keine Rolle mehr spielt. Wo keine Zeit existiert, verliert jede Dauer ihre Bedeutung – man könnte also sagen, wir sind gar nicht lange tot, sondern überhaupt nicht.
Vielleicht würde Gott uns liebevoll tadeln und daran erinnern, dass die eigentliche Frage doch nicht ist, wie lange wir tot sind, sondern ob wir überhaupt je ganz sterben. Denn für ihn, der die Ewigkeit umfasst, ist unser Leben – und sogar unser Tod – nur ein Moment innerhalb seiner grenzenlosen Gegenwart.
Insofern stellt sich heraus, dass wir aus Gottes Sicht weder lange noch kurz tot sind. Wir sind in Wirklichkeit immer schon lebendig in der Ewigkeit aufgehoben. Denn dort, wo Gott ist, endet die Zeit – und damit auch jede Sorge darum, wie lange man eigentlich tot ist.



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