
Frühmorgens, Kreml, Badezimmer des Präsidenten. Wladimir P., nur mit einem Bärenmotiv-Bademantel bekleidet, steht entschlossen vor seinem goldgerahmten Spiegel. Ein ernster Blick trifft sein eigenes Spiegelbild. „Du bist stark, Wladimir“, sagt er sich mit autoritärer Stimme, während er einen kontrollierten, staatstragenden Gesichtsausdruck probiert.
Plötzlich wechselt er in ein warmherziges, fast väterliches Lächeln. „Nicht vergessen: Das Volk liebt dich. Sanft, aber mächtig.“ Seine Augen kneifen prüfend, er nickt zufrieden. Doch dann mischt sich Zweifel in sein Gesicht, ein leichter Schatten huscht darüber. „Hm, vielleicht heute weniger Macho, etwas mehr… volksnah?“
Er versucht ein ungewohnt breites Grinsen, das eher nach Bauchschmerzen aussieht. „Nein, zu westlich! Zurück zur Stabilität!“ Hastig kehrt er zu seinem gewohnten Ausdruck eisiger Zuversicht zurück. „Ich darf nie Schwäche zeigen, außer, wenn ich mit Hundewelpen posiere. Hundewelpen sind gut.“
Nun übt er das Nicken in die Kamera, betont männlich, einmal nach links, einmal nach rechts. „Ich dulde keine Widerrede… außer natürlich vor der Kamera. Da höre ich meinem Volk geduldig zu – also zumindest solange die Kamera läuft.“
Plötzlich klingelt sein Handy. Schnell greift er danach und stellt sicher, dass es richtig herum gehalten wird, bevor er rangeht: „Da, ja? Ach, Sergej! Du hast die Ergebnisse der Meinungsumfrage? 105 % Zustimmung? Ausgezeichnet, aber warum nicht 110 %? Das müssen wir korrigieren.“
Zufrieden legt er auf, rückt noch einmal den Bademantel zurecht und zwinkert seinem Spiegelbild zu. „So gewinnt man Herzen, Wladimir. Du bist ein Genie.“ Mit diesem selbstsicheren Gedanken verlässt er das Bad, bereit für einen weiteren Tag voller sorgfältig choreographierter Natürlichkeit.



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