
1. Das Fest
Ein Tag des Lichts,
Kerzenflackern auf Gesichtern,
Lachen, das in Ecken hängt,
fast vergessen von der Stille, die folgt.
Wir hatten ein Fest gebaut,
mit Mühe, mit Liebe,
doch unter den Gläsern lag schon der Riss.
2. Die Frage
Es war nur eine Frage.
Kannst du?
Ein Wort, leicht wie Luft,
doch schwer wie Blei, wenn es fällt.
Es hätte selbstverständlich sein sollen,
wie der Atem nach dem Einatmen,
wie der Schritt, der nach dem ersten folgt.
Doch es fiel.
Und mit ihm die Fassade.
3. Die Last der Jahre
Fünfzehn Jahre
haben wir Brücken gebaut
aus Gesprächen,
aus Kompromissen,
aus Schweigen.
Jede Planke sorgfältig gelegt,
nur um zu sehen,
wie ein einziger Abend
alles in Brand setzt.
4. Das Spiel
Ein unsichtbares Spiel,
niemand spricht die Regeln aus.
Ein Test,
versteckt im Lächeln,
verpackt in der Zeit, die verstreicht.
Doch der Einsatz war zu hoch.
Nicht nur ein Weg nach Hause,
sondern ein Weg zurück,
der nun versperrt ist.
5. Der eigentliche Skandal
Es ist nicht der Streit.
Nicht das laute Wort,
nicht die Tür, die fiel.
Der eigentliche Skandal
ist die Selbstverständlichkeit,
die fehlt.
Dass jemand fragt,
wo doch die Antwort
immer schon klar sein sollte.
6. Die unsichtbare Last
Sie spricht von ihrer Trauer,
leise, tropfenweise,
doch ich bin das Gefäß,
das sie auffängt.
Ihre Enttäuschung
sammelt sich in meinen Händen,
während ich versuche,
die Scherben von etwas zu halten,
das längst zersprungen ist.
7. Am Ende
Kein Sieger.
Kein Verlierer.
Nur Stimmen,
die in Räumen hallen,
in denen einmal Familie wohnte.
Und ich –
zwischen den Fronten,
mit nichts in den Händen
außer dem Gewicht
von allem,
was nicht gesagt wurde.



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