
Olaf Scholz, Bundeskanzler und bekanntlich nicht der Mann für großes Pathos, beantragt die Vertrauensfrage. Die Nation steht so demnächst im Rahmen der wahrscheinlich folgenden Neuwahlen vor der wohl gewichtigsten Entscheidung seit der Frage, ob man bei Regen den Schirm oder doch lieber den Regenmantel nehmen sollte.
Mit einer trockenen Ernsthaftigkeit, die man fast mit einem endlosen PowerPoint-Vortrag verwechseln könnte, fragt Scholz uns also: „Vertrauen Sie mir?“ Eine Frage, die eigentlich rhetorisch gemeint ist, aber in der aktuellen politischen Lage eher wie ein verzweifelter Versuch klingt, den letzten Rest Zustimmung zusammenzukratzen. Und die Antwortoptionen? Ganz demokratisch: 1) ja oder 2) nö.
Dass diese Abstimmung nach den bisherigen Prognosen eher in Richtung „nö“ kippen dürfte, dürfte Scholz kaum überraschen. Schließlich ist sein Name inzwischen synonym mit „leisem Krisenmanagement“ – wobei der Begriff „Krise“ hier öfter das Adjektiv „leise“ als das Substantiv „Management“ betont. Wer erwartet hat, dass der Kanzler plötzlich eine emotionale Rede à la John F. Kennedy aus dem Hut zaubert, kennt Olaf Scholz schlecht. Stattdessen bekommt man Pragmatismus pur: trocken, klar und ohne Schnörkel. Eben so, wie die Deutschen angeblich ticken.
Doch mal ehrlich: Was soll die Frage? Nach dem aktuellen Polit-Barometer wäre es einfacher, eine Mehrheit für „Brötchen kosten jetzt fünf Euro“ zu finden als für Scholz’ Weiterbeschäftigung. Dass er das selbst weiß, macht die Nummer aber fast schon sympathisch. Immerhin ist es nicht sein erster pragmatischer Move – und vielleicht auch nicht sein letzter. Wer weiß, vielleicht läuft er demnächst als Erster mit einem Schild „Ich hab’s zumindest versucht“ durchs Brandenburger Tor.
Aber zunächst haben wir am 23. Februar die Wahl zwischen „ja“ und „nö“.



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