
Man gönnt sich ja sonst nichts
Man stelle sich vor, der große Ball der Diplomatie, irgendwo zwischen Genf und Garmisch, und unsere Bundeswehr trifft ein. Nicht etwa mit schwerem Gerät oder wenigstens einem fahrbereiten Schützenpanzer, nein, man schippert standesgemäß mit der Gorch Fock an – die einzige Ausstattung, die noch zuverlässig schwimmt. Man entert das Parkett, nicht um zu siegen, sondern um zu glänzen. Das geht jetzt besser denn je: 4.542 Euro und 20 Cent pro Uniform. Ja, pro Stück. Wer da noch von Sparzwang redet, war nie bei der Schneiderei.
Die Frage, warum man ausgerechnet jetzt schickere Uniformen anschaffen muss, beantwortet sich angeblich von selbst: „Verbesserter Tragekomfort und repräsentative Wirkung.“ Einleuchtend. Ein Soldat, der bequem steht, kann sich besser verteidigen. Vorausgesetzt, es gibt überhaupt Munition. Denn da liegt der Haken. Laut einem CDU-Haushaltsexperten fehle es an allem – außer vielleicht an Ideen, wie man Geld ausgeben könnte.
Nun gut, Schöner kämpfen scheint das Motto zu sein. Die Frage ist nur: Womit? Ohne Munition bleibt das neue Outfit ein rein optisches Vergnügen. Vielleicht erhofft man sich ja, dass der Gegner angesichts der neuen Uniformen den Kampfgeist verliert – ästhetische Überwältigung als Taktik. Möglich, aber riskant. Doch sollte es wirklich ernst werden, könnte Deutschland mit erhobenem Haupt kapitulieren – und dabei exzellent aussehen.
Natürlich hätte es auch günstigere Lösungen gegeben. C&A oder OTTO wären denkbare Kandidaten gewesen, vielleicht mit robusten Modellen aus der Herbstkollektion. Aber das wäre unpatriotisch. Schließlich sollen die Uniformen nicht nur schick, sondern auch teuer wirken.
Das alles fügt sich zu einem großen Ganzen: Deutschland hat zwar keine Munition, dafür aber die siebtteuerste Armee der Welt. Man bezahlt viel, erhält wenig, aber sieht gut dabei aus. Ob das reicht, um die Welt zu beeindrucken? Vielleicht. Falls nicht, kann man immer noch die Rechnung für die schicken Uniformen präsentieren – die schlägt garantiert jeden Feind in die Flucht.



Kommentar verfassen