Dietrich Bonhoeffer und der russische Angriffskrieg

Symbolbild: Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer, Theologe, Widerstandskämpfer und Märtyrer im „Dritten Reich“ , hat durch seine Schriften und sein Leben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Seine Gedanken zu Ethik, Verantwortung und zivilem Ungehorsam könnten uns Orientierung bieten, wenn wir darüber nachdenken, wie er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beurteilen und darauf reagieren würde.

Bonhoeffers Ethik: Das Handeln im Angesicht des Bösen

Bonhoeffer schrieb in seiner „Ethik“, dass echtes Christentum nicht in bloßer Abkehr vom Bösen besteht, sondern in mutigem Eingreifen. Seine berühmte Aussage, „Nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“, wäre ein zentraler Leitgedanke seines Denkens heute. Für Bonhoeffer hätte der Angriffskrieg nicht nur eine ethische Verurteilung verdient, sondern auch aktive Gegenmaßnahmen, um die Unterdrückung und das Leid der unschuldigen Zivilbevölkerung zu beenden.

Eine klare Verurteilung von Gewalt und Machtmissbrauch

Die russische Invasion könnte Bonhoeffer an die Mechanismen der nationalsozialistischen Aggression erinnern, die er selbst miterlebte und denen er sich entgegenstellte. Er hätte vermutlich die Verantwortung der Weltgemeinschaft betont, sich klar gegen solches Unrecht zu stellen. Für ihn war Schweigen angesichts des Bösen gleichbedeutend mit Komplizenschaft. „Schweigen in der Stunde der Not ist Sünde“, schrieb er einmal. Diese Worte könnten heute auf die zögerlichen Reaktionen der internationalen Gemeinschaft angewandt werden, die mitunter zögerlich auf die russische Aggression reagiert hat.

Aktives Handeln und Solidarität

Bonhoeffers eigenes Handeln im Widerstand könnte ein Vorbild für die Unterstützung der Ukraine sein. Er hätte vielleicht darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Sanktionen, militärischer Hilfe und humanitärer Unterstützung nicht nur politische, sondern moralische Pflicht ist. Der Mut zur Tat war für Bonhoeffer essenziell – selbst wenn dies persönliches Risiko bedeutete. Seine Beteiligung an der Widerstandsbewegung und die Bereitschaft, sein Leben für höhere Werte zu opfern, könnten als Appell dienen, auch heute entschlossen für Gerechtigkeit einzutreten.

Die Rolle der Kirche

Bonhoeffer hätte wohl die Kirchen in aller Welt aufgerufen, klar Stellung zu beziehen. Während er die „Bekennende Kirche“ gegen die Gleichschaltung des Nationalsozialismus verteidigte, könnte er heute auf die geistliche Verantwortung hinweisen, nicht neutral zu bleiben. Eine Kirche, die sich nicht eindeutig gegen Aggression und Unrecht ausspricht, verrät nach Bonhoeffer ihren Auftrag.

Hoffnung auf Versöhnung

Trotz seiner entschiedenen Haltung gegen das Böse war Bonhoeffer auch ein Verfechter der Versöhnung. In seinen Briefen aus dem Gefängnis schrieb er: „Frieden ist nicht die Abwesenheit von Konflikten, sondern das mutige Streben nach Gerechtigkeit.“ Auch im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine könnte Bonhoeffer langfristig auf Versöhnung und Heilung hinwirken, ohne dabei das Unrecht zu verharmlosen. Er hätte betont, dass wahre Versöhnung erst möglich ist, wenn Gerechtigkeit hergestellt wurde.

Ein Zeugnis für unsere Zeit

Wenn Bonhoeffer heute leben würde, wäre er vermutlich ein Prophet unserer Zeit, der uns aufruft, klar und mutig Stellung zu beziehen. Sein Leben und Denken könnten uns ermutigen, den Mut zu haben, das Richtige zu tun – selbst wenn es schwierig ist. Seine Vision einer Welt, in der Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, bleibt ein zeitloses Zeugnis. Die Frage, wie wir handeln, ist letztlich eine Frage, wie wir – in Bonhoeffers Worten – vor Gott und den Menschen bestehen wollen.


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